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Lauenburg Immer mehr Atommüll aus dem Norden lagert in Krümmel
Lokales Lauenburg Immer mehr Atommüll aus dem Norden lagert in Krümmel
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00:07 06.12.2013
Das Abklingbecken ist voll bis an die Kante: Aus dem AKW Krümmel müssen noch 1200 Brennelemente entsorgt werden. Doch die Behälter dafür gibt es nicht. Quelle: Fotos: Timo Jann
Geesthacht

In Geesthacht türmt sich immer mehr Atommüll aus ganz Norddeutschland. In der landesweit einzigen Sammelstelle auf dem Gelände des Helmholtz-Forschungszentrums (HZG) an der Max-Planck-Straße liegen 163 Behälter mit einem Gesamtvolumen von fast 50 Kubikmetern. Das geht aus einer Antwort des Leiters der Kieler Atomaufsicht, Dr. Wolfgang Cloosters, auf eine Anfrage des Energieausschuss-Vorsitzenden Sven Minge (CDU) hervor. Außerdem lagern im Kernkraftwerk Krümmel 19 gefüllte Castorbehälter und mehr als 1000 Fässer mit anderem Atommüll.

Minge wollte die Vertreter der Atomaufsicht ursprünglich zu einer Ausschusssitzung einladen, doch dafür sah man in Kiel zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass. Stattdessen wurden die Fragen schriftlich beantwortet.

„Herr Cloosters schreibt eine Reihe von Unverbindlichkeiten, mit denen wir noch nicht allzu viel anfangen können. Deshalb werden wir die Antworten in unserer Sitzung im Februar zunächst beraten“, sagt Minge. „Wir wollen viel mehr Dinge geklärt haben, das geht mit schwammigen Antworten der Atomaufsicht aber leider noch nicht. Man will sich wohl nicht die Finger verbrennen und hält sich deshalb zurück“, vermutet der CDU-Ortsvorsitzende. Minge: „Das Thema der Lagerung des Atommülls hat schon eine gewisse Brisanz, uns wird wohl eine weitere Zwischenlagerung erwarten, weil die Endlagerfrage noch immer nicht geklärt ist.“

Die Landessammelstelle beim HZG teilen sich die Länder Schleswig-Holstein (Größe: 15,2 Quadratmeter, Belegung: 20 Prozent), Bremen (7,6 Quadratmeter, 20 Prozent), Hamburg (15,2 Quadratmeter, 23 Prozent) und Niedersachsen (30,5 Quadratmeter, 38 Prozent). „Aus der Stellungnahme der Atomaufsicht geht hervor, dass es auf absehbare Zeit keine Möglichkeit gibt, den Atommüll aus Geesthacht abzutransportieren“, sagt Minge. „Der Anteil von Kernbrennstoffen darf drei Gramm pro 100 Kilogramm nicht übersteigen“, heißt es in der Betriebsgenehmigung für die Landessammelstelle. Die Aktivität, also die Kernzerfälle, sind dann auch das Beurteilungsmaß für die Lagerkapazität. Die genehmigten Becquerel-Werte (der Messeinheit der Radioaktivität) sind laut Atomaufsicht nur zu einem Bruchteil erreicht. Das es nicht immer einwandfrei war, was in das Lager oberhalb der Elbuferstraße angeliefert wurde, zeigte sich im Jahr 2000. Damals wurde beim Umpacken komplett gefüllt angelieferter Fässern aus den Jahren 1965 bis 1980 festgestellt, dass Gebinde nicht ordnungsgemäß deklariert waren. Die ältesten Fässer lagern bereits seit mehr als 40 Jahren in Geesthacht. Ihr Ziel soll der „Schacht Konrad“ sein — dessen Inbetriebnahme und Aufnahme aber noch unklar ist.

Weder die Endlagersituation für leicht- und schwach-radioaktive Abfälle, noch der Verbleib von stark strahlendem Atommüll ist in Deutschland abschließend geklärt. Es fehlen überdies Lagerbehälter für Brennelemente, die bei der Abschaltung der Atomkraftwerke anfallen. 19 mit jeweils 52 Brennelementen gefüllte Castoren stehen bereits in Krümmel — mehr als 1200 Brennelemente müssen noch eingelagert werden. Außerdem lagern in 1180 Fässern weitere radioaktive Abfälle in den Katakomben des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt.

15 Container gehen weg
In der kommenden Woche will der Energiekonzern Vattenfall 15 Container mit Atommüll in Geesthacht
abtransportieren. Er befindet sich in Fässern, die bis zur geplanten Endlagerung in Brunsbüttel untergestellt werden sollen.

Timo Jann

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