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Lauenburg Immer mehr Gegenwind
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02:14 27.10.2016
Seedorf/Gudow

Weiter große Verunsicherung herrscht bei vielen Menschen im Naturpark Lauenburgische Seen zu den möglichen Standorten von Windkraftanlagen (WKA).

Vier von 16 Windenergieanlagen im Windpark Mannhagen-Bälau. Quelle: Fotos: Thomas Biller
„Hier wächst Raumwiderstand.“Dr. Bernd Ohlendorf, Initiative Gegenwind
Vier von 16 Windenergieanlagen im Windpark Mannhagen-Bälau. Quelle: Fotos: Thomas Biller

Absicht des Landes

300 Prozent steht für die Absicht der Landesregierung, im Jahr 2030 dreimal mehr Strom aus regenerativen Energiequellen, zu erzeugen, als das Land selbst benötigt. thobi

Salems Kontra

Ganz aktuell hat die Gemeinde Salem am 22. Oktober in ihrer Mitteilung an die Bürgerinnen und Bürger in Salem, Dargow und Bresahn erklärt, dass sie „sich ebenfalls gegen die Aufstellung von Windkraftanlagen im Naturpark Lauenburgische Seen ausgesprochen“ hat. thobi

Nachdem die Karten mit den so genannten Abwägungsflächen seitens der Landesplanung im März 2016 veröffentlicht wurden, gibt es an zahlreichen Orten im Kreis Widerstandsinitiativen.

Im August gründete sich die regional agierende Initiative „Gegenwind vom Schaalsee“ in Seedorf (LN berichteten). Besorgte Bürger aus den Gemeinden Seedorf, Sterley, Hollenbek, Klein Zecher (alle Amt Lauenburgische Seen) und Gudow (Amt Büchen) rufen seitdem zum Widerstand mit Plakaten, Info-Ständen und Briefen an die Staatskanzlei auf. Ihre Forderung: keine WKA im Gebiet des Naturparks.

Auch auf Landes- und Bundesebene reißt das Thema „Ausweitung der Windenergieanlagen“ nicht ab. Nach dem Berliner Energie-Gipfel vom Juni dürfen im Norden künftig nur noch so viele neue Anlagen errichtet werden, wie der hier produzierte Strom auch abtransportiert werden kann. Hintergrund: Das Leitungsnetz ist immer wieder durch die produzierte Strommenge überlastet; WKA müssen daher zeitweise abgestellt werden. Damit scheint das Ziel der „300 Prozent“ erst einmal auf Eis gelegt zu sein (siehe Beistück), obwohl die Landesregierung erklärt hat, daran festzuhalten.

Auf den veröffentlichten Karten sind „Abwägungsbereiche“ farblich gekennzeichnet. Dort könnten nach Auffassung der Landesplanung mögliche Standorte für neue WKA realisiert werden, wenn im kommenden Jahr die Abwägungskriterien abschließend definiert sind und sich keine örtlich begründbaren Ausschlüsse ergäben. Die Landesplanung sagt auf ihrer Internetseite dazu: „Die genauen Abgrenzungen der Tabu- und Abwägungsbereiche können sich aufgrund neuer Erkenntnisse im weiteren Verfahren noch ändern. Daher sind die Karten nicht rechtsverbindlich“.

Die Gegner der Planungen im Naturpark engagieren sich bereits in diesem Stadium, um frühzeitig auf die örtlichen Gegebenheiten aufmerksam zu machen und die Gemeindevertretungen zu einer Positionierung zu bewegen. In Gudow hat sich die Gemeinde mit einer Stellungnahme an die Staatskanzlei gewandt (Beistück). In Seedorf habe sich, nach Auskunft der „Gegenwind“-Initiative, die Gemeindevertretung Mitte September den Argumenten der Bürgerinitiative angeschlossen und den Beschluss gefasst, dass es keine WKA in der Gemeinde geben soll. In Hollenbek, Sterley und Klein Zecher gibt es bislang noch keine offiziellen Stellungnahmen oder Beschlüsse. „Wir haben das im Auge und werden reagieren“, sagte Hollenbeks Bürgermeister Detlef Hagemann den LN. „Wir haben in der Gemeindevertretung eine einheitliche Meinung, aber wir denken auch an die Rechte der Grundeigentümer, die vielleicht Interesse am Bau einer solchen Anlage haben könnten“, so Hagemann weiter. Anfang November soll das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung in Hollenbek erörtert werden. Amtskollegin Ariane Redepenning aus dem benachbarten Sterley möchte die Veröffentlichung der nächsten Planungskarte Anfang 2017 abwarten: „Ich gehe davon aus, dass wir in Sterley aus den Planungen herausfallen werden. Wir warten das ab und hätten dann vier Monate Reaktionszeit. Diese Zeit würden wir nutzen“. In Klein Zecher geht Bürgermeister Conrad Torkler ebenfalls davon aus, dass die Gemeinde „im kommenden Jahr nicht mehr in den Planungen ist“. Die aktuell einsehbaren Karten sehe er als „Zwischenwerk“ und rechne frühestens in einem Jahr mit einer verbindlichen Ausweisung von geeigneten Flächen. Dass es in Klein Zecher durchaus auch ein Interesse am möglichen Bau einer WKA gebe, bestätigte Torkler. Unter Bezugnahme auf die Positionierung der Gemeinden Gudow und Seedorf sagte er: „Solche Beschlüsse haben nur symbolischen Charakter. Das gemeindliche Einvernehmen ist in dem neuen Verfahren nicht mehr vorgesehen“.

Genau das ist ein Argument der Initiative „Gegenwind vom Schaalsee“: Die Gegner von Windkraftanlagen im Naturpark Lauenburgische Seen versuchen laut Dr. Bernd Ohlendorf, Vorstandsmitglied der Initiative, einen „Raumwiderstand“ bei der Landesplanung spürbar werden zu lassen. Neben zahlreichen persönlichen Briefen sollten sich die Gegner möglicher Planungsstandorte an ihre Gemeindevertretungen wenden, um diese zu einer Positionierung zu drängen. Das ginge auch über ein Bürgerbegehren.

Die offiziellen Karten mit den Abwägungsbereichen und Hintergrundinformationen des Landes sind einsehbar unter www.schleswig-holstein.de – Suche: „Windkraft Regionalplanung“.

Charakter schützen

Stellungnahme der Gemeinde Gudow vom 6. Oktober 2016: „Die Gemeinde Gudow fordert die Staatskanzlei des Ministerpräsidenten und damit die Landesplanung auf, den Charakter und die Zielsetzung unseres Naturparks zu schützen, bei der Aufstellung der zukünftigen Wind-Regionalpläne die EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiete in unserer Region zu beachten sowie das Biotopverbundsystem und die neu ausgewiesenen charakteristischen Landschaftsräume im Westmecklenburgischen Seehügelland in die Abwägungsentscheidungen mit einzubeziehen.“

Thobi Thomas Biller

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