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Lauenburg Immer mehr Interesse am Krümmel-Rückbau
Lokales Lauenburg Immer mehr Interesse am Krümmel-Rückbau
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02:09 14.01.2017
Im KKK-Dialog-Forum herrscht eine locker Atmosphäre. Quelle: Foto: Holger Marohn

Auge in Auge sitzen sich Atomkraftgegner, Anrainer und Kraftwerksbetreiber in dem großen Rund im Kommunikationzentrum des Kernkraftwerks Krümmel gegenüber. Doch die Stimmung ist alles andere als angespannt: Es wird sich fast wie unter Freunden begrüßt, es wird gescherzt und gemeinsam gelacht. Seitdem der Atomausstieg feststeht, ist die Kommunikationsstrategie von Vattenfall kaum wiederzuerkennen.

Übung gemeistert

Ein totaler Spannungsausfall durch ein „externes Ereignis“ war das Szenario der Übung am Donnerstag. „Die Mitarbeiter haben hohe Einsatzbereitschaft, Engagement und fachliches Können gezeigt. Das Übungsziel wurde erreicht“, heißt es von der Kieler Atomaufsicht.

Einst regelmäßig wortkarg, präsentiert sich der Stromkonzern inzwischen auch in Sachen Atomkraft äußerst freizügig – und legt seine Öffentlichkeitstrategie sogar offen. Transparenz ist das Zauberwort. Ein Teil davon ist das KKK-Dialog-Forum. 15 Vertreter von Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden sowie aus Geesthachts Politik und Wirtschaft sitzen dabei seit zwei Jahren regelmäßig mit Atomkraftwerk-Leiter Thorsten Fricke und Kraftwerkssprecher Michael Wenk am Tisch. So wie am Donnerstagabend. Und der Kreis wird größer. Erstmals ist auch der Landkreis Lüneburg dabei, der Landkreis Harburg hat ebenfalls Interesse an einer Teilnahme bekundet. Und im kleinen Kreis gibt Kraftwerk-Chef Fricke dann auch einen Einblick in sein Seelenleben. Er spricht von Schockstarre, die auch bei ihm geherrscht habe, als 2011 die Nachricht kam, dass Krümmel für immer vom Netz gehen werde. Doch dann habe er sich damit abgefunden. „Der Rückbau eines Kernkraftwerkes gehört eben auch zu einem Lebenszyklus dazu“, sagt Kraftwerkschef Fricke. Eine Einstellung, die nicht alle Mitarbeiter des Kraftwerkes hätten teilen können. „Doch die sind inzwischen eigentlich alle weg“, sagt Fricke.

Und die verbliebenen gelte es neu zu motivieren. Früher sei es das Geldverdienen gewesen. Experten von Greenpeace hatten 2011 einen Gewinn von einer Million Euro errechnet – wohl gemerkt täglich. Seitdem der Meiler still steht, ist es damit vorbei. Für seinen Stillstandsbetrieb muss der immer noch größte Siedewasserreaktor der Welt, der einst bis zu 350000 Haushalte gleichzeitig mit Strom versorgte, jede Kilowattstunde teuer einkaufen. Energiesparen ist das neue Zauberwort.

„Nun setzen wir uns Ziele als Motivation“, sagt Fricke. Und 2016 habe man geschafft, was man schaffen wollte: Acht Castoren sind beladen und die Full-System-Dekontamination des Reaktordruckbehälters abgeschlossen worden. „Wir waren sehr erfolgreich“, sagt der Kraftwerksbetreiber. Und so soll 2017 weitergehen. Berichtet wird davon beim nächsten Dialog-Forum im Juni. hm

LN

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