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Lauenburg Immer noch Sehnsucht nach Afrika
Lokales Lauenburg Immer noch Sehnsucht nach Afrika
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21:51 06.10.2017
Ein Hauch von Afrika ist in diesem Wohnzimmer der „Villa Kigezi“ zu spüren, jedenfalls stammen etliche Einrichtungsstücke aus dem schwarzen Kontinent. Aus Norwegen hingegen kommt zum Beispiel eine ungewöhnlich steile Treppe, die ins Obergeschoss des Gebäudes führt. Sie ist so alt wie das Haus selbst. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Das 93 Jahre alte Haus hat eine durchaus bewegte Geschichte hinter sich. Erbauen ließ es anno 1924 ein wohlhabender Frauenarzt aus Hamburg, der für sich und seine norwegische Gattin einen ruhigen Landsitz suchte – und ihn am Rande von Mölln fand. „Das Gebäude stand allein auf weiter Flur, das Grundstück war ursprünglich 20000 Quadratmeter groß“, erzählt Kenneth Paddison. Der aus Cambridge stammende Engländer erwarb das Haus 1988 gemeinsam mit seiner deutschen Frau Irene.

Wenn man weiß, dass Kigezi eine Provinz in Uganda ist, dann kann man schon erahnen, dass die Bewohner der „Villa Kigezi“ in Mölln einen besonderen Bezug zu Afrika haben. Das stimmt auch, wenngleich in der ziemlich versteckt liegenden Villa an der Straße „Immenstelle“ keine Afrikaner leben, sondern ein deutsch-britisches Ehepaar.

Nach dem Gynäkologen, der übrigens einige Jahre nach dem Bau des Landsitzes auch seine Praxis von Hamburg hierher verlegte und dafür einige Umbauten vornahm, kaufte ein Goldschmied die Villa. Nun gab es noch einmal etliche Veränderungen. „Sieben- oder achtmal ist das Haus inzwischen aufgestockt oder umgebaut worden“, sagt Irene Paddison. Wenn man genau hinschaut, stellt man denn auch fest, dass der Baustil nicht „aus einem Guss“ ist.

Die neuen Eigentümer setzten diese Tradition fort, machten aus mehreren kleinen Zimmern mittels Durchbrüchen größere, ließen die hinter dem Haus errichtete Werkstatt des Goldschmieds abreißen und durch ein Gartenhäuschen ersetzen, bauten einen Kamin ein und ersetzten einige Fenster durch englische Buntglasfenster.

Die Paddisons hatten lange im Ausland gelebt, unter anderem in Bahrain, besonders lange aber im ostafrikanischen Uganda. Hier war Kenneth Paddison als Hochschullehrer beschäftigt und traf in dieser Funktion sogar mit dem berüchtigten Diktator Idi Amin zusammen: „Der war mal charmant, mal schrecklich brutal – ein völlig unberechenbarer Mensch.“ Vor der Rückkehr nach Europa stand keinesfalls fest, wo das Ehepaar landen würde.

Irene Paddison aber war in Schwarzenbek aufgewachsen, also schaute sie sich im Lauenburgischen nach einem schönen großen Haus für ihre Familie um. In einer Zeitungsanzeige entdeckte sie dann die Villa in Mölln. „Der tolle Garten und der alte Baumbestand reizten uns“, sagt sie.

Allein auf weiter Flur stand das Haus aber schon längst nicht mehr. Hier war inzwischen ein neuer Stadtteil von Mölln entstanden, von den 20000 Quadratmetern Grundstück waren 90 Prozent an bauwillige Interessenten verkauft worden. So kommt es, dass die Paddisons heute sieben direkte Nachbarn haben – und dennoch immer noch ein 2000 Quadratmeter großes Areal mit vielen alten Bäumen und im Haus mehr als 250 Quadratmeter Wohnfläche.

Innen im Gebäude geht es erwartungsgemäß international zu. Das fängt schon mit der steilen Treppe ins Obergeschoss an, die typisch norwegisch ist und noch aus dem Baujahr 1924 stammt. Elsabea Garnerus, die Ehefrau des Gynäkologen, war ja Norwegerin und hatte sich genau diese Holzkonstruktion aus ihrer Heimat gewünscht.

Viele Eichenholzvertäfelungen sind auch noch aus der Ursprungs- zeit erhalten. Die hübschen Kacheln und Fliesen aus Frankreich haben wiederum die Paddisons mitgebracht – daneben auch viele Bilder und andere Erinnerungsstücke aus fernen Gegenden der Erde, vor allem aus Afrika.

Und fragt man den Briten Kenneth Paddison, ob er in der deutschen Kleinstadt Mölln nicht manchmal Heimweh nach England habe, antwortet er, Heimweh habe er, jedoch nur nach Ostafrika: „Das ist ein Paradies auf Erden.“ Ein kleines Stück dieses Paradieses haben die Paddisons sich in der „Villa Kigezi“ geschaffen.

Touristenmagnet

Kigezi, wonach die Villa in Mölln benannt wurde, ist eine Provinz im Südwesten des afrikanischen Staates Uganda und grenzt an die Demokratische Republik Kongo. Touristen lieben diese Region, weil hier noch Berggorillas leben, und weil es in 2000 Meter Höhe den faszinierenden Lake Bunyonyi mit seinem 29 Inseln gibt, einen der schönsten Seen Afrikas.

 Norbert Dreessen

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