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Imposanter Bahnhof auf der Brücke

Aumühle Imposanter Bahnhof auf der Brücke

Auf Wunsch des damaligen Reichskanzler Otto von Bismark wurde der Haltepunkt nach Aumühle verlegt.

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Ein Bahnhof, der auf einer Fußgängerbrücke steht – so etwas ist selten. In der Sachsenwaldgemeinde Aumühle findet man aber ein solches Bauwerk.

Quelle: Norbert Dreessen

Aumühle. Eine Gemeinde mit gerade mal 3200 Einwohnern, aber zwei Bahnhöfen – gibt es so etwas? Im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg gibt es das sehr wohl: Die Gemeinde heißt Aumühle, und für den kleinen Ort ist zumindest einer der Bahnhöfe von erheblicher Bedeutung.

Das deutlich ältere der beiden Bauwerke liegt im Ortsteil Friedrichsruh, hier halten heute nur noch sonnabends und sonntags Züge in Richtung Büchen und in Richtung Aumühle. Dort aber, nur zwei Kilometer oder auch zwei Bahn-Fahrminuten von Friedrichsruh entfernt, befindet sich der Bahnhof, der so heißt wie die Gemeinde: Aumühle.

1846 verkehrten die ersten Züge zwischen Hamburg und Berlin, ab 1847 hielten sie auch in Friedrichsruh. In dem Dörfchen am Sachsenwald waren nicht alle Bewohner glücklich darüber, vor allem die Familie des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck nicht. Die wandte sich an den lauenburgischen Landrat, der wiederum schrieb ans zuständige „Königlich Preußische Ministeriums für öffentliche Arbeiten“. Friedrichsruh, so der Landrat, dürfe kein „Verkehrszentrum“ bilden, der Wohnsitz des deutschen Reichskanzlers müsse „ein stiller Familiensitz“ bleiben.

So wurde dann 1884 auf Anordnung des Ministeriums im benachbarten aufstrebenden Villenvorort Aumühle ein zunächst bescheidener Anhaltepunkt für Züge geschaffen. Da Aumühle aber weiter wuchs und auch von touristischer Bedeutung war, wurde diese Station rasch immer weiter ausgebaut. Es entstanden Stellwerke, Lok- und Güterschuppen und 1910 schließlich ein stattlicher, im Jugendstil errichteter Bahnhof. Der wies vor allem eine üppig verglaste und sehr hohe Eingangshalle auf und unterschied sich damit deutlich von anderen Bahnhöfen in der Region.

Dieses Bauwerk, in seiner Grundstruktur seit mehr als 100 Jahren nicht verändert, ist wirklich kein alltäglicher Bahnhof. Schon die Lage des Empfangsgebäudes quer über Bahnsteige und Gleise ist recht ungewöhnlich. Der Bahnhof befindet sich am Ortsrand von Aumühle, gleich neben der Emil-Specht-Allee. Der Zugang ist ausschließlich durch den Haupteingang des denkmalgeschützten Baus möglich. Dieser ist von zwei Seiten zu erreichen, da er auf einer Fußgängerbrücke liegt.

In der Halle findet man Fahrkartenautomaten, einen Kiosk und eine kleine Postannahmestelle. Von da aus geht es über eine Treppe abwärts, seit einigen Jahren ist aber auch ein gläserner Fahrstuhl vorhanden – für alle Fahrgäste, die nicht gut zu Fuß sind, ein Fahrrad oder einen Kinderwagen dabei haben, eine große Hilfe. Die Gleise 1 und 2 sind reine Durchgangsgleise ohne Haltemöglichkeit. Sie wurden allerdings durch eine Lärmschutzwand vom übrigen Bahnhof abgetrennt. Gleis 3 ist die Endhaltestelle der Regionalbahn Büchen-Aumühle, die nur noch am Wochenende verkehrt. Viel Verkehr herrscht eigentlich nur an Gleis 4, denn hier fahren die S-Bahnen in Richtung Hamburg ab beziehungsweise kommen hier an. Für Pendler ist die schnelle Verbindung in die Millionenstadt ein Segen: „Ich bin nicht zuletzt wegen der guten Verkehrsanbindung nach Aumühle gezogen. Mit dem Auto würde ich für die Fahrt in die Hamburger Innenstadt jeden Tag fast doppelt so lange brauchen“, sagt zum Beispiel Stephan Ebretzberger, der die S-Bahn 21 beruflich nutzt. Für historisch Interessierte ist übrigens nicht nur der Bahnhof sehenswert, auch ein Gebäude daneben: In einem alten Lokschuppen betreibt der Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn (VVM) seit 1971 das Eisenbahnmuseum Lokschuppen Aumühle. Der VVM ist ein Zusammenschluss von über 300 Mitgliedern, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Geschichte des Nah- und Regionalverkehrs in Norddeutschland museal zu bewahren. Die Fahrzeugsammlung im Schuppen gilt als einmalig. Öffentlich zugänglich ist sie immer sonntags von 11 bis 17 Uhr.

 Norbert Dreessen

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