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Lauenburg In 20 Jahren zum Biotop: Ministerium lobt Pirschbachtal
Lokales Lauenburg In 20 Jahren zum Biotop: Ministerium lobt Pirschbachtal
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21:57 16.09.2016
Das Pirschbachtal vor den Toren Möllns bietet heute wieder Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere.

Ein geschwungener Sandweg schlängelt sich durch die Landschaft Im Norden Möllns, gleich hinter dem Kieswerk. Zu Linken steigt das Gelände an und wird zur einladenden Waldlandschaft. Zur Rechten, hinter einem Drahtzaun, öffnet sich der Blick in eine naturnahe Weidelandschaft. In der Ferne grasen Rinder. So wie das Pirschbachtal vor den Toren Möllns hat die Vegetation dort vielleicht schon vor hunderten von Jahren ausgesehen, als die Menschen eine einfache Landwirtschaft betrieben.

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Flurbereinigung des 345 Hektar großen Gebietes vor Toren Möllns abgeschlossen – Zum Festakt bei der Stiftung Herzogtum Lauenburg kam Staatssekretärin Dr. Silke Schneider.

Vor 20 Jahren hatte die bereits verstorbene Lehrerin Ingeborg Dittmer aus Mölln die Idee, die Flächen entlang des Pirschbaches wieder zu einem zusammengehörenden Biotop zu Formen und mit Beweidung zu ergänzen. Sie hatte die Renaturierung maßgeblich angeregt. Nach ihr ist auch der lange Wanderweg durchs Tal benannt.

Der Weg zur Ordnung im Sinne des Naturschutzes war ebenfalls sehr lang. Erst nachdem ein sinnvolles Gebiet bestimmt und die Besitzverhältnisse geklärt waren, wurden Zäune und natürliche Barrieren in der Landschaft beseitigt. Auch hunderte Fichten wurden gefällt. Es wurden Pächter gefunden, die heute auf der Weidelandschaft auf 45 Hektar Rinder weiden lassen. Auf 345 Hektar Land herrscht nun eine bunte Artenvielfalt. Viele seltene Tiere, die auf der so genannten „Roten Liste“ aussterbender Tierarten stehen, leben dort. Fördergelder in Höhe von über 600 000 Euro flossen.

„Es gilt oft als unmöglich, aber wir haben die Zusammenarbeit unterschiedlicher Behörden erreicht. Es war eine Freude, das zu erleben“, sagte Dr. Carl-Heinz Schulz, der ehemalige Leiter des Bau- und Umweltamtes der Kreisverwaltung Herzogtum Lauenburg. „Im Pirschbachtal ist etwas einmaliges in Schleswig-Holstein gelungen. Ein Vorzeigeprojekt vor den Toren Möllns“, erklärte Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin im Umweltministerium in Kiel. Sie überbrachte auch die Grüße des Umweltministers Robert Habeck. Hier wurden Biotopverbundplanungen im Sinne von Natura-2000-Gebieten umgesetzt“, erklärte Stiftungspräsident Klaus Schlie.

Der Flächenerwerb wurde vom Land mit einem Betrag von 280 000 Euro gefördert. Zur Weidebewirtschaftung steuerte das Land noch einmal 230 000 Euro bei. Aus dem EU-Programm „ELER“ kamen noch einmal 100 000 Euro zum Kauf von Flächen hinzu. Es wurde berichtet, wie schwierig es war, die unterschiedlichen Landbesitzer anzusprechen und letztlich die nötigen Verkäufe abzuschließen. Auf der kleinsten erworbenen Fläche seien Verhandlungen mit 16 verschiedenen Grundbesitzern geführt worden, berichtete etwa Peter Petersen, heute Mitarbeiter der Integrierten Station in Mölln, früher jedoch von Lübeck aus über das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) an den Planungen zum Pirschbachtal beteiligt. Die örtlichen Naturschutzverbände Nabu, WWF und BUND waren beteiligt. Auch die heutigen Pächter wie Werner Grießpenkerl und Jürgen Kaiser sowie verschiedene Landwirte sind zu nennen.

Der Schwarzspecht lebt heute im Pirschbachtal, das Buschwindröschen gedeiht. Insgesamt 14 Arten von der „Roten Liste“.

Der lange Behördenweg

Barbara Denker initiiere bereits 1986 die Vegetationskartierung im Pirschbachtal. Es folgte eine Feuchtgrünlandkartierung. 1993 wurde dann die Arbeitsgruppe Pirschbachtal gegründet, die unter Federführung des Kreises Herzogtum Lauenburg alle Akteure aus Verwaltung, Politik, Stiftung und Naturschutzbehörden an einen Tisch brachte. 1995 wurde die „Vereinfachte Flurbereinigung Pirschbachtal“ eingeleitet. 2012 wurde die Projektgesellschaft „Tallandschaft Pirschbach“ gegründet.

 Florian Grombein

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