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Lauenburg In Ratzeburgs Rathaus sind mehr Kollegen krank als beim Kreis
Lokales Lauenburg In Ratzeburgs Rathaus sind mehr Kollegen krank als beim Kreis
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20:12 14.09.2016

Dieses Problem lässt sich nicht so einfach wegdiskutieren: Die krankheitsbedingten Ausfälle bei Mitarbeitern der Stadtverwaltung von Ratzeburg haben ein Rekordausmaß erreicht, das selbst die Krankschreibungen im Kreishaus (die LN berichteten gestern) noch überschreitet. Die große Frage stellt sich nach dem Warum.

„Haben Probleme, Leitungskräfte auf dem freien Personalmarkt zu bekommen.“Rainer Voß, Ratzeburgs Bürgermeister

Personalbestand

115 Mitarbeiter beschäftigt die Stadt Ratzeburg zur Zeit bei der Stadtverwaltung, den Einrichtungen und den Ratzeburger Wirtschaftsbetrieben (also Bauhof, Abwasser, Tourismus und Stadtmarketing).

Die Zahl der Beschäftigten ist laut Bürgermeister Rainer Voß „vor Jahren aufgrund kommunalpolitischer Entscheidungen und dem Konsolidierungszwang erheblich zurückgefahren worden und steigt kaum an“.

„2015 haben die FRW (Freie Ratzeburger Wähler) Auskunft über den Krankenstand in der Ratzeburger Stadtverwaltung verlangt. Es wurden Zahlen vorgelegt, die schon damals am oberen Ende der Krankenstatistik aller Kommunalverwaltungen lagen. Bei der Auskunft in diesem Jahr mussten wir mit Schrecken zur Kenntnis nehmen, dass sich der Krankenstand nochmals um gut 20 Prozent erhöht hat“, berichtet Jürgen Hentschel, Chef der FRW-Fraktion.

Die aktuellen Zahlen hatte Bürgermeister Rainer Voß (parteilos) am Montag im nicht-öffentlichen Teil der Hauptausschusssitzung dargelegt. Auf Nachfrage der LN teilte er diese gestern auch öffentlich mit: „Im Zeitraum vom 1.1.2016-31.7.2016 sind bei der Stadtverwaltung und Ratzeburger Wirtschaftsbetrieben 1985 krankheitsbedingte Fehltage aufgetreten, mithin durchschnittlich 17,26 Tage.“ Und er fügt zum Vergleich hinzu: Laut einer Studie der Techniker-Krankenkasse TK (LN vom 12.8.2016) gebe es bei den Versicherten im Kreisgebiet 18,2 Krankheitstage, nach der AOK-Zählung 20,4 Tage. Diese Zahlen gelten allerdings für das komplette Jahr 2015 (= 12 Monate). Die Zahlen aus dem Ratzeburger Rathaus stammen von Januar bis Juli. Hochgerechnet bis Dezember lägen die durchschnittlichen Ausfalltage pro Mitarbeiter bei knapp 30 Tagen!

Die Ursachen für die Erkrankungen, so Voß, seien „bei jedem Beschäftigten anders. Im Jahr 2016 sind aufgrund schwerer Erkrankungen zwei Beschäftigte verstorben und ein Mitarbeiter in den Ruhestand versetzt worden“.

Hauptausschuss-Vorsitzender Klaus-Stefan Clasen (Grüne) bestätigte den „relativ hohen Krankenstand“, der in vielen Fällen auf individuelle Schicksale zurückzuführen sei. Äußerst schwierig sei es aber, „rein zu gucken, wie intern aufgetreten wird“. Damit könnte er das Arbeitsklima in der Verwaltung meinen, das immer wieder in den vergangenen Jahren von Mitarbeitern – anonym – kritisiert wurde. So sollen Mitbestimmungsregeln missachtet und unliebsame Mitarbeiter kalt gestellt worden sein, geschätzt ein Viertel der Mitarbeiter hätten eine oder mehrere Abmahnungen erhalten, gegenüber politisch tätigen Personen oder der Presse dürften keinerlei Aussagen getroffen werden. „Vertrauen sieht anders aus“, äußerte sich ein Betroffener.

Bürgermeister Rainer Voß sieht die Probleme dagegen eher in der Schwierigkeit, geeignete Leitungskräfte auf dem freien Personalmarkt zu bekommen. Immerhin sind zurzeit die Chefposten im Fachbereich Planen, Bauen und Liegenschaften (FB 6) und die Geschäftsführung bei den Ratzeburger Wirtschaftsbetrieben (FB 8) vakant. „Der Fachbereich Zentrale Steuerung und Bürgerdienste – FB 1 – (dazu gehören auch die Finanzen) wird seit Jahren von mir selbst geleitet.“ Die Leitungspositionen in FB 1 und FB 6 seien jetzt zum zweiten Mal ausgeschrieben worden, aber „die Bewerberlage ist äußerst mau“. Ein Grund dafür sei, dass in der freien Wirtschaft wesentlich besser bezahlt werde.

Oliver Hildebrand, SPD-Fraktionschef, sagte: „Da es sich hier nicht um statistische Ausreißer handelt und die Stadtverwaltung in Ratzeburg im Vergleich offensichtlich überproportional betroffen ist, erwartet die SPD vom Bürgermeister, die Gründe aufzuarbeiten und mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für eine Verbesserung dieses Zustandes zu sorgen“.

Und Martin Bruns von der CDU fügte hinzu: „Es fehlt an Fachkräften. Hier gilt es, geeignete Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen. Wir drängen in nächster Zeit auf vermehrte Ausbildung.“ Das wäre nicht schlecht. Derzeit gibt es nur einen Auszubildenden – „aufgrund von Konsolidierungsverpflichtungen leider nicht mehr“, so Voß, der sich aber zuversichtlich äußert: „Wir sind mit einer guten Mannschaft auf einem guten Weg!“

Joachim Strunk

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