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Lauenburg In der „Ziegelei“ gehen die Lichter aus
Lokales Lauenburg In der „Ziegelei“ gehen die Lichter aus
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18:19 27.02.2016
Der Tresen in der „Ziegelei“ war legendär. Viele Millionen Gäste feierten in der Disco — „zwei Generationen“, sagt Chef Sigurd Sierig.
Das war‘s. Die „Ziegelei“ ist endgültig Geschichte. Drei Monate nach der allerletzten Party in der Nachtarena sind die Räume leer, einiges an Inventar hat einen neuen Besitzer gefunden. Das berühmte Schild findet heute Abend einen neuen Besitzer. An solchen Liebhaberstücken hängen viele Erinnerungen: Gäste haben viele rauschende Feste in Groß Weeden gefeiert, DJs haben ihre Karrieren auf der Bühne in der „Space Hall“ begonnen. In den LN erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Heute endet die Auktion

Für einen guten Zweck, nämlich für die Berkenthiner Initiative „Nachbar mit Herz“, versteigern „Ziegelei“-Chef Sigurd Sierig und die LN das Logo der Diskothek.

Unter www.bit.ly/Ziegelei können auf Ebay Gebote abgegeben werden. Der Höchstbietende erhält den Zuschlag für das Schild mit knapp zwei Metern Durchmesser.

Die Rave-Szene der 90er war so schön — einfach unbeschreiblich.“Mental Theo, DJ

Bevor in den 1990er Jahren Techno populär wurde, traten in der Ziegelei vor allem Popkünstler auf — weit früher sogar Rockbands wie „Black Sabbath“. Zehn Jahre vor der Jahrtausendewende zog es die Jugend zum Tanzen in Großraumdiscos wie die „Ziegelei“. Dort haben „Charly Lownoise & Mental Theo“ aus den Niederlanden ihre Karriere begonnen. Das war Anfang der 1990er, kurz nachdem sie sich als DJs zusammengetan hatten. „Ziegelei“-Chef Sigurd Sierig hatte sie in den Niederlanden kennengelernt. Später landete das Duo zahlreiche Top-Ten-Hits. „,Wonderful Days‘ ist in der ,Ziegelei‘ groß

geworden“, sagt Mental Theo. Später wurde es die Hymne der Disco.

Die Rave-Partys seien einmalig gewesen. In jedem Raum Techno, das habe es nirgends so gegeben. „Das Licht, der Sound, das Personal, die Effekte — das war alles so super“, erzählt Mental Theo. Er und Charly Lownoise waren in einem kleinen Hotel in Berkenthin untergebracht, später in Lübeck. Wie oft sie in der „Ziegelei“ aufgelegt haben, wisse er nicht mehr. „Wie die Leute aussahen“, sagt er lachend, „mit ihren Müllmannhosen und den Cappys, und alle waren partymäßig drauf.“ Bei einem Auftritt war der Strom ausgefallen. „Wir haben dann einfach auf Holländisch gesungen“, erzählt Mental Theo. „Eine Stunde oder so. Das war der Hammer.“ 2013 zog es die DJs bei der „Retro-Revival-Party“ zum letzten Mal auf die „Ziegelei“-Bühne.

„Ich war mit 15 das erste Mal da“, erinnerte sich Jan Thomas Schröder — mit einem Schülerausweis, auf dem er etwas älter gewesen sei, gibt er lachend zu. „Danach war ich fast jedes Wochenende dort.“

Vor allem wegen der Techno-Events: „Alarmstufe Rot“, „Resident E“. „Hier auf der Ecke war das die geilste Diskothek“, sagt der 33 Jahre alte Familienvater aus Dwerkaten (Kreis Stormarn). Die Lasershows in der „Space Hall“ werde Jan Thomas Schröder nie vergessen. „Die waren einzigartig.“

In die „Ziegelei“ zog es in den 30 Jahren ihres Bestehens viele Künstler: Scooter, Sido, Sängerin Sandra, Ozzy Osbourne, Modern Talking oder die Puhdys. Zig Millionen Gäste lockten die Stars nach Groß Weeden. In den 80ern wurde aus einer Halle für Landmaschinen zunächst eine Rollschuhbahn. Zur Disco wurde sie 1985. 4000 Quadratmeter, bis zu 6500 Feiernde pro Nacht. „Das war eine turbulente Zeit“, sagt Sigurd Sierig.

„Rocco“ begann wie auch „Charly Lownoise & Mental Theo“ seine Dj-Laufbahn in Groß Weeden. Anfang der 2000er hatte „Rocco“ erste Charterfolge. Beim „Revival Rave 3“, der letzten Party in der „Ziegelei“, trat er nochmal auf. „Das war ein schwerer Gang“, sagt er. „Ich habe mich intensiv auf den Gig vorbereitet und Sachen rausgesucht, von denen ich wusste, die Leute wollen genau das hören.“

Zehn Jahre war „Rocco“ aus Niendorf/Stecknitz Resident-DJ in der „Ziegelei“, bis er seinen ersten Top-Ten-Hit hatte. An seinen Auftritt erinnert er sich noch ganz genau, es war Ostern 1992, 20 Minuten durfte der Stammgast auflegen. „Ich habe Sigurd Sierig immer wieder damit genervt. Die Leute wollten was Neues“, sagt „Rocco“. Das war der Startschuss für seine Karriere als DJ und Produzent — und für Techno in der „Ziegelei“. Mit ihrem Konzept Norden sei die „Ziegelei“ Vorreiter gewesen: Jedes Wochenende ein großer Rave.

Gina Maria Wolf aus Ratzeburg hat ihren Mann Timo (34) in der „Ziegelei“ kennengelernt. Er war Türsteher, sie hat am Tresen gearbeitet. Schon deshalb hat sie eine besondere Verbindung zu der Disco.

So besonders, dass sie sich das Logo der „Ziegelei“ hat auf den Arm tätowieren lassen. 1998 sei sie das erste Mal dort gewesen — mit ihrer Mutter, denn sie war noch nicht mal 13. „Als das Bierdorf noch in der Mitte war, das waren sie schönsten Zeiten“, sagt die 30-Jährige. Immer habe man jemanden getroffen, abends ging es im Hellen zu Fuß nach Hause — eine Stunde, bis nach Kastorf. Als bei der letzten Party die „Ziegelei“-Hymne „Wonderful Days“ von „Charly Lownoise & Mental Theo“ lief, „musste ich weinen“, sagt die Mutter zwei Kinder.

All den Gästen und Künstlern bleiben viele Erinnerungen an Partys, Musik und die „Ziegelei“. Sie ist endgültig Geschichte, aber es werden noch viele Geschichten über sie erzählt werden.

Philip Schülermann

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