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In der „schönsten Kirche der Welt“

Berkenthin In der „schönsten Kirche der Welt“

Berkenthiner sind stolz auf ihr Gotteshaus – Name stammt von Stecknitz-Schutzheiligen Maria Magdalena.

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Blick in Richtung Altar. Auf der Balustrade links oben saßen die Stecknitzfahrer. Im Hintergrund ist der Barockaltar zu sehen, rechts die Kanzel aus dem Jahre 1696.

Quelle: Fotos: Joachim Strunk

Berkenthin. Mindestens einmal in jeder sonntäglichen Predigt preist der Berkenthiner Pastor Wolfgang Runge „sein“ Gotteshaus als „die schönste Kirche der Welt“. Und wäre es gestattet, würden dann wohl die meisten versammelten Gläubigen aus vollem Herzen applaudieren. Aber ein breites Grinsen auf den Gesichtern tut es ja auch.

LN-Bild

Berkenthiner sind stolz auf ihr Gotteshaus – Name stammt von Stecknitz-Schutzheiligen Maria Magdalena.

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Die kleine, feine Kirche ist ein Schmuckstück direkt am Elbe-Lübeck-Kanal gelegen. Für Puristen mag sie ein Sammelsurium der kirchen- und kunstgeschichtlichen Stile sein, für die anderen aber ist sie ein Abbild der unterschiedlichen Zeiten und Einflüsse, und deswegen doppelt, drei- oder vierfach wertvoll.

Historisch wertvoll ist sie schon allein aufgrund ihres Alters. 1230 wurde sie urkundlich erstmals im Ratzeburger Zehntregister erwähnt. Da muss sie aber längst etabliert gewesen sein. 36 Jahre zuvor tauchte eine Kirche in Berkenthin schon in einer lübschen Steuerliste auf. Das mag kaum eine andere gewesen sein.

Über die Jahre und Jahrhunderte war sie der religiöse Anziehungspunkt für Berkenthin und die umliegenden Dörfer. Der originäre Backsteinbau ist frühgotisch, schon erste Skizzen zeigen, dass die Kirche schon damals die Grundrissmaße hatte, die sie heute immer noch vorweist. „Nur die heutige Sakristei an der Nordseite ist später dazugekommen“, erklärt Raymond Ahlborn, neben Walter Koop einer der zwei Kirchenführer, die auf Anfrage Besuchern und Gruppen das Gotteshaus näher bringen.

Viel zu erzählen gibt es hier – was sich vor allem an den zahlreichen Kunstwerken festmachen lässt. Ein besonderer „Hingucker“ist der schwebende Taufengel vor dem Altar. Der stammt aus dem Jahr 1734.

Im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert waren diese Taufengel in Mode gekommen. Das lag zum einen daran, dass nach der Reformation durch Martin Luther die Taufe nicht mehr am Eingang der Kirche stattfand (als Eingang ins christliche Leben), sondern direkt vor dem Altar – „im Zentrum der Gemeinde“, wie Ahlborn erklärt. Hinzu kam, dass die Gottesdienstbesucher im Kirchenschiff auf Sitzbänken Platz nehmen durften, um der Predigt zu folgen. Folge war eine Raumnot. Der durch ein Gegengewicht aus Stein auf- und abschwingende Taufengel war eine elegante Lösung dieses Problems.

Die Wandmalereien – relativ naiv gehalten – stammen aus dem Mittelalter. „Damals zogen Maler durch die Kirchendörfer und boten ihre Dienste und Künste an“, erzählt Ahlborn. Viele der Motive von Sagengestalten, Heiligen oder Jüngern Jesu fanden diese „Künstler“ in gängigen Büchern. Diese Vorlagen wurden gern und oft genutzt, so dass manch eifrigen Kirchenbesucher heute hin und wieder ein Déjà-Vu-Gefühl überkommt.

Schon etwas älter sind die neun Gemälde an der Westempore im Kirchenschiff. Hier sind Propheten, Priester und Könige abgebildet. „Bei dem dritten von links haben mich schon Schüler gefragt, wer denn der Mann mit den Knieschützern sei“, erzählt Ahlborn. Der grauhaarige Bärtige hält aber keine Knieschützer vor sich, sondern die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten Gottes. Sein Name: Moses.

Das wohl älteste Ausstattungsstück in der Kirche hängt im Chorraum über dem Eingang zur Sakristei. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert: Christus am Baumstammkreuz. Das Kreuz ist als Stamm mit Astansätzen geschaffen und diente wohl ursprünglich als Altarschmuck. Allerdings musste es weichen, als die alte Altarplatte aus Kalkstein Ende des 17. Jahrhunderts durch ein nobles Geschenk vom damaligen Pastor Albert Rodemann „aufgewertet“ wurde. Der Barockaltar ist typisch aufwendig und prunkvoll und zeigt unten eine Abendmahlsdarstellung, in der Mitte den Gekreuzigten und darüber die Figur des Auferstehenden mit einer Siegesfahne.

Für die meisten Kirchgänger kaum sichtbar ist die lebensgroße Figur der Maria Magdalena, der Namensgeberin der Kirche. Sie stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Maria Magdalena war die Schutzheilige der Stecknitzfahrer, die mit ihren Salzprähmen von Lüneburg nach Lübeck und retour unterwegs waren.

Maria Magdalena

Die Namensgeberin der Kirche in Berkenthin war eine der Jüngerinnen Jesu. In den Evangelien wird berichtet, dass Jesus ihr sieben Dämonen austrieb. Später stand sie unter dem Kreuz und nahm an Jesu Begräbnis teil. Im Johannesevangelium ist Maria Magdalena die erste, die dem Auferstandenen begegnet und die diese Nachricht den Jüngern bringt (Johannes Kap. 20).

In der kirchlichen Tradition hat man Maria Magdalena später auch mit der Sünderin gleichgesetzt, die Jesus die Füße wusch. So gilt sie als Schutzpatronin der Frauen, der Verführten und der Prostituierten, aber auch der Schüler, Studenten, Gefangenen, der Winzer, Weinhändler, Friseure, Handschuhmacher – und der Stecknitzfahrer.

(Maria-Magdalenen-Kirche zu Berkenthin. Ein bebilderter Führer)

Joachim Strunk

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