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In diesem Haus wird Back-Tradition groß geschrieben

Büchen In diesem Haus wird Back-Tradition groß geschrieben

Die Bäckerei am Büchener Bahnhof ist Familienbetrieb und setzt seit 119 Jahren auf bewährte Rezepte – auch wenn die Technik sich änderte.

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Die Bäckerei an der Bahnhofstraße in Büchen hat eine lange Tradition. Hier sind Mitarbeiter auf einem historischen Foto aus den 30er Jahren zu sehen.

Quelle: Norbert Dreessen (4) / Hfr

Büchen. Mit dem Begriff „Tradition“ wird ja gelegentlich etwas inflationär umgegangen. Wenn aber in Büchen ein und dieselbe Familie seit fast 120 Jahren in ein und demselben Haus Brot, Brötchen und Kuchen fertigt, dann ist der Name „Traditionsbäckerei“ allemal berechtigt. Und so nennt sich der Betrieb denn auch.

LN-Bild

Die Bäckerei am Büchener Bahnhof ist Familienbetrieb und setzt seit 119 Jahren auf bewährte Rezepte – auch wenn die Technik sich änderte.

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Die Fläche an der Bahnhofstraße, auf der Heinrich Niemann seine Bäckerei baute und am 4. Juli 1897 eröffnete, war bis dahin landwirtschaftlich genutzt wurden. Ganz ohne Landwirtschaft ging es anfangs in diesem Gebäude auch nicht: Die Türen zu den früheren Schweine-, Pferde-, Hühner- und Kuhställen sind noch erhalten, dahinter befinden sich jetzt nur noch Lagerräume. Bäckerei und Viehhaltung unter einem Dach – das wäre nach heutigen Hygienevorschriften auch kaum vorstellbar.

Eine Bäckerei im Keller, wie sie hier ursprünglich bestand, wäre heute ebenfalls nicht mehr zulässig: „Backen in Räumen ohne Tageslicht ist nach den jetzigen Arbeitsschutz-Vorschriften nicht erlaubt“, erklärt Wilfried Hondt, der heutige Chef des Betriebs. Solche Vorschriften sind ein Grund, warum die Bäckerei nahe dem Büchener Bahnhof im Laufe ihres 119-jährigen Bestehens immer mal wieder umgebaut wurde, der Einbau moderner Technik und die steigende Zahl von Kunden sind die anderen Gründe.

So ist der heutige freundliche Verkaufsraum etwa dreimal so groß wie der frühere, in dem seit längerer Zeit nur noch ein paar Regale stehen und der mittlerweile ausschließlich für die Mitarbeiter zugänglich ist.

„1949 hat mein Großvater den ersten Anbau errichtet, und zwar an der Rückseite des Hauses“, berichtet Wilfried Hondt. Weitere Anbauten erfolgten in den Jahren 1963 und 1999. Wer im Garten hinter der Bäckerei steht, kann die einzelnen Bauabschnitte gut erkennen. Da das Haus zur Bahnhofstraße hin aber eine komplette neue Fassade aus Ziegelsteinen bekam, wirkt es von hier betrachtet wie aus einem Guss.

Auch 1945 musste die Bäcker-Familie aus Büchen Bauarbeiten erledigen, damals aus traurigem Grund: Kurz vor Kriegsende wurde der Ort von alliierten Flugzeugen heftig bombardiert. „Unser Nachbarhaus erlitt einen Volltreffer, unsere Bäckerei wurde dabei auch stark beschädigt“, erinnert sich Luise Hondt. Ihr Vater leitete damals den Betrieb, die heute 83-Jährige war 1945 noch ein Schulkind.

Drei Jahre später absolvierte Rudolf Hondt, Vater des jetzigen Chefs, seine Lehre als Bäcker. In jener Zeit entstand ein in sauberer Handschrift angefertigtes Rezeptbuch, in dem sich vom Schwarzbrot über das Rundstück bis zum Blätterteig alles findet, was man so in guter alter Handarbeit im Backofen herstellen kann.

Wilfried Hondt hält das fast 70 Jahre alte Buch in Ehren, zeigt es gern Besuchern und bekräftigt, dass man viele der Rezepte unverändert übernommen habe. Das sei für eine Traditionsbäckerei ja wohl selbstverständlich, und es sei auch kein Widerspruch, wenn heute moderne Technik zum Einsatz komme: „Wir sind hier ja kein Museum. Das heißt, dass Brote mit bewährten überlieferten Rezepturen in computergesteuerten Öfen gebacken werden.“

Immerhin 20 verschiedene Brotarten sind in diesem Büchener Haus im Angebot. Die Kunden freuen sich über die Auswahl – egal, wie traditionsbewusst sie nun sind.

Firmengeschichte

Bäcker Heinrich Niemann war ab 1897 der erste Chef der heutigen Traditionsbäckerei am Büchener Bahnhof und blieb es 32 Jahre lang. 1929 übernahm Niemanns Schwiegersohn Walter Lopau den Betrieb und führte ihn sogar über 36 Jahre. Nächster Besitzer war dann Lopaus Schwiegersohn Rudolf Hondt, der bis 1991 die Leitung hatte, genau 26 Jahre lang.

Der heutige Chef Wilfried Hondt folgte seinem Vater vor 25 Jahren und hat seitdem das Sagen im Betrieb: „Bis ich kam, wurde die Bäckerei immer über die Töchter des jeweiligen Besitzers weitervererbt, die dann alle einen Bäcker geheiratet haben“, erzählt Hondt. Er könnte den Betrieb allerdings an einen männlichen Erben weitergeben, denn sein Sohn Niels (29) ist Bäckermeister.

Norbert Dreessen

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