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Lauenburg International agierende Banden machen den Kreis unsicher
Lokales Lauenburg International agierende Banden machen den Kreis unsicher
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01:18 12.03.2016
Ein Beamter der Präsenz- und Ermittlungsgruppe Wohnungsenbruchdiebstahl bei der Spurensicherung, einer der wichtigten Arbeiten der Polizei, um Täter später überführen zu können. Quelle: Fotos: Jens Burmester

Das Sorgenkind der Polizeidirektion Ratzeburg ist und bleibt der Wohnungseinbruchsdiebstahl. In diesem Deliktsbereich hat es starke Anstiege gegeben, die weit über dem Landesschnitt liegen. Auffallend ist in diesem Bereich der hohe Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger. „Es scheint sich zu bestätigen, dass hier international agierende Tätergruppen unterwegs sind“, so Holger Meincke, stellvertretender Behördenleiter der Polizeidirektion Ratzeburg bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik.

33 Prozent mehr Einbrüche — Anstieg weit über Landesschnitt — Randgemeinden zu Hamburg vor allem betroffen — Gestohlene Autos werden über die A24 weggeschafft.

„Es scheint sich zu bestä- tigen, dass hier international agierende Tätergruppen unterwegs sind."Holger Meincke,

stv. Leiter PD Ratzeburg„

„Im Raum Geesthacht, der zum Hamburger Randgebiet gehört, aber auch in kleineren Gemeinden in der Region haben wir verstärkt Wohnungseinbrüche gehabt“, so Meincke weiter. Ein weiteres Phänomen sei der Bereich des KFZ-Diebstahls. Die Autobahn 24 sei ja bekanntlich eine Transitstrecke über Berlin in Richtung Osteuropa. Da würden viele Kraftfahrzeuge weggeschafft in Richtung Osteuropa. Die Polizei habe sich mit einer kleinen Ermittlungsgruppe in diesem Bereich spezialisiert und sei dort auch sehr erfolgreich. „Wir haben hier wöchentlich Erfolge zu verzeichnen“, freute sich Meincke. Der stellvertretende Behördenleiter machte deutlich, dass das polizeiliche Konzept des vergangenen Jahres momentan evaluiert werde und man sehr genau prüfe, ob Einzelmaßnahmen erfolgreich gewesen seien.

Man werde auf alle Fälle den Einbruchsdiebstahl weiterhin so stark bekämpfen wie bisher, denn dieses sei sehr erfolgreich gewesen. „Auf alle Fälle werden unsere Tatortgruppen, die es so in keiner anderen Direktion im Lande gibt, beibehalten. Diese Spezialisten für Spurensicherung haben sich absolut bewährt. Und es gibt mit dem Sachgebiet 5 bei der Kriminalinspektion Bad Oldesloe eine neue Einrichtung, die sich mit komplexen Ermittlungsverfahren aus-

einandersetzt“, sagte Meincke.

Natürlich sei die Aufklärungsquote nicht hoch, sondern sogar sehr niedrig. Das hänge aber von vielen Faktoren ab und sei kein Indiz der Qualität von Ermittlungsarbeit. „Wenn ich sehe, dass im Kreis Stormarn ein Zuwachs von 46 Prozent beim Einbruchsdiebstahl zu verzeichnen ist und trotzdem die Aufklärungsquote um zwei Prozent steigt, muss man schon gute Arbeit geleistet haben“, erklärte Meincke.

Dennoch sei man nicht zufrieden, müsse dabei auch bedenken, dass sich die Zahl der Tatverdächtigen fast verdoppelt habe.

Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache. Im Kreis entstand durch 6139 Straftaten ein Gesamtschaden von fast 9,5 Millionen Euro. Das sind fast 6,4 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg konnten 8794 Tatverdächtige ermittelt werden, davon allein 4097 im Herzogtum Lauenburg. In der Elbestadt Lauenburg sind am wenigsten Einbruchsdiebstähle begangen worden (23). Auf den Plätzen folgen Mölln (27), Ratzeburg (35), Schwarzenbek (38), Wentorf b. Hamburg (53) und Geesthacht mit 80 Taten. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl wurden 2015 insgesamt 149 Fälle mehr registriert als im Vorjahr. Die Gesamtzahl beträgt 607 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 10,9 Prozent (2014: 12 Prozent). Der Anteil der Versuche ist in diesem Bereich besonders hoch. Er beträgt 43,5 Prozent. Die Diebstahlskriminalität macht im Jahr 2015 insgesamt 42,8 Prozent der Gesamtkriminalität aus. Davon sind 52,7 Prozent dem Diebstahl unter erschwerenden Umständen zuzuordnen und 47,3 Prozent dem Diebstahl ohne erschwerende Umstände. In diesem Feld wurden im Jahr 2015 insgesamt 4545 Fälle erfasst — 92 Fälle mehr als im Vorjahr (+2,1 Prozent) bei einer im Vergleich zu 2014 um 0,7 Prozent gesunkenen Aufklärungsquote von 21,4 Prozent.

„Insbesondere im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls ist die Polizei auf Informationen aus der Bevölkerung über verdächtige Beobachtungen angewiesen“, bittet Meincke um Mithilfe der Bürger. Zudem werde man seitens der Polizei und einiger Sicherheitsfirmen die Menschen sensibilisieren, ihre Bemühungen zum verstärkten Schutz der eigenen vier Wände fortzusetzen oder sogar noch zu intensivieren.

Von Jens Burmester

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