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Lauenburg „Irgendwann werden wir alle in einer Kirche sein“
Lokales Lauenburg „Irgendwann werden wir alle in einer Kirche sein“
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20:21 08.07.2017
Ein besonderer Gottesdienst im Zeichen des Reformationsjahres: Heute wird der katholische Pfarrer . . .
Ratzeburg/Mölln

500 Jahre Luthers Thesenanschlag – Im Reformationsjahr 2017 gestaltet sich das Gemeindeleben oftmals bunter. So auch in der Kirchengemeinde Mölln, wo in der Gottesdienstreihe Offene Kanzel in St. Nicolai das Priestertum aller Gläubigen nach dem Verständnis Martin Luthers deutlich werden soll, betont Pastor Stephan Ritthaler. Herausragend in dieser Reihe ist der Gottesdienst heute um 17 Uhr in St. Nicolai: Der katholische Pfarrer aus der Ansverus-Pfarrei Ratzeburg/Mölln, Germain Gouèn, wird den Gottesdienst gestalten und auf der Kanzel stehen.

. . . Germain Gouèn der Ratzeburg- Möllner Ansverus-Pfarrei in St. Nicolai in Mölln predigen. Quelle: Fotos: Wr/hfr

„Frauen sind Schätze für unsere Kirche in ihrer Weiblichkeit. Pfarrer Germain Gouèn

Was treibt einen katholischen Priester um, wenn er sich auf solch einen Termin vorbereitet? Die LN sprachen mit dem aus Kamerun stammenden Geistlichen über seinen Auftritt in Mölln, Über Luther, aber auch über aktuelle Themen, die die Entwicklung der Ökumene und die Position der katholischen Kirche zu gesellschaftlichen Fragen betreffen.

„Das wird das erste Mal sein, dass ich auf der Kanzel einer evangelischen Kirche stehe“, sagt Gouèn, der dem Gedanken der Ökumene sehr zugewandt ist. „Ich habe stets gute Kontakte zu unseren evangelischen Glaubensgeschwistern.“ Er sei ein bisschen evangelisch geprägt, betont der Priester, und immer bereit, offen zu diskutieren. „Es ist ein Gewinn, miteinander zu arbeiten, nicht gegeneinander.“ Der Mensch, so sein Credo, habe Vorrang vor der Konfession.

Welche Bedeutung hat Martin Luther für Germain Gouèn? „Er ist ein Chance für den Katholizismus, weil er das Denken in der Katholischen Kirche geschärft hat“, gibt sich der Geistliche überzeugt. „Luther prägt auch uns; allein, dass er die Bibel übersetzt hat und die Inhalte damit für jeden zugänglich gemacht hat.“ Gouèn mag Menschen, die Fragen stellen, und Luther habe ganz entscheidende Fragen gestellt, die die damals Mächtigen in der Kirche gestört hätten. Und das lebe bis heute fort.

Etwas nachdenklich lehnt sich der Mann aus Kamerun in seinen Arbeitssessel zurück und sinniert. Eigentlich, sagt er, gebe es die Trennung der beiden christlichen Glaubensrichtungen überwiegend in den Köpfen auf Amtsträgerebenen. In Stadt und Land würden aber die Menschen gut miteinander können – und die Unterschiede gar nicht so stark empfinden. „Ich denke, dass wir uns auf dem Weg der Einheit befinden. Ich glaube, dass wir – so Gott will – irgendwann alle in einer Kirche sein werden“, gibt sich Gouèn überzeugt. Es gebe ja auch schon gemeinsame Trauungen.

Wie steht der katholische Priester zu dem hochaktuellen Thema Eheschließung für homosexuelle Paare? Als Priester habe er Verständnis für die Entscheidung des Bundestages. „Aber kirchlich betrachtet, ist die Ehe für Mann und Frau bestimmt“, sagt Gouèn und betont: „Das ist ein Sakrament.“ Er begrüße, dass Homosexuelle sich nun vielleicht freier entfalten könnten. Das Entscheidende für ihn sei aber, dass neues Leben aus dem Zusammentreffen von Frau und Mann entstehe. Und in diesen Dingen kundige Katholiken würden auch nie einen Priester um eine Eheschließung bitten, weil sie wüssten, dass er es nicht könne.

Auch zum Thema Zölibat bezieht Gouèn Stellung und sieht das als eine Frage der persönlichen Entscheidung. Ein Mann sei zum Zeitpunkt der Zuwendung zu einem Beruf reif genug zu entscheiden, ob er ja oder Nein zum Zölibat sagt. Es gehe um eine Bedingung, die nun einmal bestehe. Natürlich habe der zunehmende Priestermangel auch eine Debatte in Richtung Öffnungsmöglichkeiten ausgelöst. Vielleicht existiere einmal ein Klerus mit beiden praktizierten Möglichkeiten – verheiratet und zölibatär. „Aber ich sehe den Zölibat als einen Schatz für die Kirche und es wäre unklug, diesen Schatz zu ignorieren“, sagt Gouèn. Ähnlich sieht er die Frage der Priesterweihe für Frauen. Als Mensch könne er sich das vorstellen, „aber als Mann der Kirche zählt nicht meine Meinung“, räumt der Pfarrer ein.

„Es obliegt der Weisheit der Mitbrüder in der Kirche, den richtigen Weg in dieser Frage zu finden. Aber die katholische Theologie ist da klar: Ein Priester muss ein Mann sein.“ An seine Glaubensschwestern appelliert er, in der Priesterweihe nicht unbedingt einen Gewinn zu sehen. Frauen leisteten auch ohne dieses Amt enorm wichtige und gute Arbeit in der katholischen Kirche. „Frauen sind Schätze für unsere Kirche in ihrer Weiblichkeit. Sie sollten nicht glauben, sich vermännlichen zu müssen.“

Zur Person

Germain Gouèn (47) ist in Kamerun geboren, hat dort Theologie studiert und wurde in seinem Heimatland in Bafia auch zum Priester geweiht. Nach einem vierjährigen Studienaufenthalt in Irland konnte Gouèn 2005 seinen Wunsch, nach Deutschland zu kommen, realisieren, wo er promovierte und seine Schul-

Deutschkenntnisse vervollkommnen konnte. Über die Stationen Münster, einem Zwischenaufenthalt wieder in Kamerun und Ahrensburg kam er 2014 nach Ratzeburg.

Matthias Wiemer

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