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Lauenburg Irritation und Betroffenheit über Windkraft westlich des Schaalsees
Lokales Lauenburg Irritation und Betroffenheit über Windkraft westlich des Schaalsees
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21:17 27.04.2016
Thomas Neumann lehnt Windkraftanlagen im besagten Gebiet durchweg ab. Quelle: Fotos: Ln

Man kann nicht sagen, dass alle Beteiligten völlig überrascht wurden von der Nachricht, dass die schleswig-holsteinische Landesplanung mögliche Eignungsflächen für Windkraftanlagen auch im sensiblen Naturpark Lauenburgische Seen prüft. Doch nachdem die Kreisverwaltung im Umweltausschuss die Problematik kund tat, dass Kiel entsprechende Flächen westlich des Schaalsees für Windkraftanlagen freigeben könnte, herrschte gestern Irritation und Betroffenheit.

Gemeinden hatten sich bislang mit dem Thema noch nicht befasst — Diskussion beginnt — Landwirt äußert sich zurückhaltend — Umweltaktivisten betonen Wert der Landschaft.

Ariane Redepenning, Sterleyer Bürgermeisterin, erklärte: „Wir hatten vorbereitende Gespräche im Amt. In der Gemeindevertretung war das noch kein Thema. Solange nichts bezüglich der ,weichen‘ Kriterien fest stand, wollten wir nichts überstürzen.“ Sicher werde es in der nächsten Gemeindevertretersitzung angesprochen. Ähnlich äußerte sich Seedorfs Bürgermeister Detlef Rodust. Er glaubt, „dass unser Gebiet für Betreiber uninteressant ist, weil auf den gewissen Flecken höchstens ein ,Spargel‘ aufgestellt werden kann“. Bürgermeister Eckhard Rollinger aus Schmilau ist wie seine Amtskollegen „kein Freund der Windmühlen“, vor allem nicht, wenn sie massiv aufgestellt werden, wie man es von der Westküste her kennt. Ein generelles Verbot für die WKAs hält er aber für „etwas überzogen — wir wollen ja alle den Energiewechsel.“ Und Windkraft sei eine Alternative zum Atomstrom.

Stephan Struve ist Landwirt, im Vorstand des Kreisbauernverbandes und Mitglied der CDU. Die ist keine Befürworterin einer restriktiven Verordnung, die ein Landschaftsschutzgebiet in der besagten Region vorsieht. Er selbst, der seinen Hof zwischen Seedorf und Hollenbek hat, sei noch von keinem Betreiber angesprochen worden. „Ich habe nichts gegen Windenergie. Allerdings finde ich, dass solche Anlagen in unser Landschaftsgebiet nicht passen.“ Diese Meinung habe er auch von zwei Landwirtskollegen aus der Nachbarschaft bestätigt bekommen. „Ich bin bereit, auf eventuelle Gewinne zu verzichten.“ Aber man sollte das nicht über Verordnungen regeln, so Struve.

Thomas Neumann, Vorsitzender des Beirats für Naturschutz im Kreis Herzogtum Lauenburg, ist besorgt. Unlängst habe der Beirat in diesem Zusammenhang einen Beschluss gefasst: „Dieser Landschaftsraum verfügt über den ältesten Naturpark im Land (1960) und über die höchste Walddichte in Schleswig-Holstein (25 Prozent). Daher hat hier auch das Umweltbundesamt das grenzübergreifende Gebiet von gesamtstaatlicher Bedeutung „Schaalsee-Landschaft“ gefördert. Für den Ankauf von Naturschutzflächen wurden über 25 Millionen Euro eingesetzt. Der Schaalseeraum ist aufgrund der hohen Brut- und Rastbestände als Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung“.

Klaus Jarmatz, Chef des Biosphärenreservats Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern, wollte sich nicht in die Zuständigkeiten im Nachbarland einmischen, doch er erwarte grundsätzlich, „dass die Belange des Vogelschutzes beachtet“ würden. Auch er schließe die Windkraft als Alternative für die angestrebte Energiewende nicht aus, „allerdings nicht in den sensibelsten Bereichen des Naturschutzes!“

In der Bevölkerung herrscht auch nicht unbedingt Begeisterung. Matthias Pusback, Betreiber des Gasthofes am See in Seedorf ist gegen Windkraftanlagen. „Das wäre nicht so angenehm für den Tourismus. Es könnte Einbußen geben.“ Heike Manshardt (53) aus Hollenbek erklärte: „Das passt hier nicht rein. Die Gegend wird verschandelt.“ Und sie befürchte vor allem Lärm durch „dieses laute Surren“. Jürgen Kaiser, Inhaber von Kaisers Hof in Salem, spricht von einem „brisantem Thema“. Er habe auch mal überlegt, selbst eine Anlage zu bauen, andererseits widerstrebe einem das „in so einer schönen Ecke hier“. Andererseits: „Ich möchte kein Biosphärenreservat — wir müssen wirtschaftlich handeln und Geld verdienen.“ Er befürchte dadurch noch mehr Regularien.

CDU und SPD wollen nun eine Resolution auf den Weg bringen, auch Naturparke als weiche Tabukriterien zu definieren, sagte CDU-Ausschussmitglied Michael Sauerland. Das müsste vom Kreistag im Juni beschlossen werden.

Von unk/phs/hm

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