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Lauenburg Jenkelsches Herrenhaus in Witzeeze: Wohnsitz mit Charme für Senioren
Lokales Lauenburg Jenkelsches Herrenhaus in Witzeeze: Wohnsitz mit Charme für Senioren
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23:09 23.06.2017
Eine kleine und ruhige Ecke zum Klönen mit gemütlicher Ausstrahlung: Die Veranda des Hauses lädt stets zum Verweilen ein.

Als die wohlhabende Familie Jenkel anno 1912 ihr Herrenhaus an der Dorfstraße mitten in Witzeeze errichten ließ, da wurde so ziemlich alles an Luxus und Komfort eingebaut, was zu jener Zeit vorstellbar war – Klingelknöpfe zum Herbeirufen der Bediensteten in allen Räumen zum Beispiel, aber auch ein Schwimmbad, eine damals noch sehr seltene Toilette mit Wasserspülung und ein geräumiger Weinkeller.

„Haus Dorothea“ ist heute eine ruhige Altenpension mitten im Dorf – 52 betagte Menschen leben hier.

„Es war schon herrschaftlich“, erzählt Thea Jenkel und zeigt alte Fotos. Die fast 90-Jährige lebte bis 1986 in dem Herrenhaus, dann zogen ihr Mann Heino und sie in einen Neubau am Ortsrand der kleinen Gemeinde. Ihren bisherigen Wohnsitz verkauften sie an Dorothea Horn, die das Gebäude zu einer Altenpension umbauen ließ. An sie erinnert noch der Name „Haus Dorothea“, der immer noch in schwungvoller Schrift an der Fassade zu lesen ist.

Die neue Besitzerin nahm selbstverständlich etliche Umbauten und einige Erweiterungen vor, war aber stets bemüht, den gleichermaßen stilvollen wie gemütlichen Charakter des ehemaligen Herrenhauses zu erhalten – zum Beispiel durch viele Antiquitäten, die im Gebäude zu finden waren.

2010 starb Dorothea Horn, daraufhin übernahmen ihre drei Söhne den Betrieb – jedoch nur für relativ kurze Zeit: Zum 1. Januar 2014 verkauften sie das „Haus Dorothea“ an zwei Frauen, die mit der Altenpension bereits eng verbunden waren: Stefanie Breuer ist hier ausgebildet worden, Beate Schröder arbeitet seit 20 Jahren in dem Haus, dessen Co-Chefin sie nun ist.

„Ich liebe dieses Haus und seinen Charme“, sagt Beate Schröder. Selbstverständlich gebe es modernere und größere Einrichtungen, in denen Senioren ihren Lebensabend verbringen könnten, aber eine mit so viel Ausstrahlung könne man lange suchen, fügt sie gleich hinzu. „Die meisten unserer Bewohner kommen hier aus der Region, haben also vorher auch schon auf dem Dorf gelebt“, erklärt Stefanie Breuer. Diese Menschen, so ihre Erfahrung, fühlen sich in der ländlichen Umgebung des alten Herrenhauses einfach wohl. Man blickt in der Tat aus nahezu allen Räumen in den weitläufigen Garten oder auf die rundum dörfliche Nachbarschaft.

An manchen Stellen meint man, im „Haus Dorothea“ sei die Zeit stehen geblieben. Der Speiseaufzug zum Beispiel war schon bei der Einweihung vor 105 Jahren in Betrieb, und einen gusseisernen Heizkörper mit eingebauter Klappe, um zum Beispiel Bratäpfel warm zu halten, sucht man heute wohl auch vergebens. 52 betagte Menschen, zwischen 70 und 99 Jahre alt, wohnen derzeit in dem hübschen Haus. So viele waren es früher natürlich nicht – nur gegen Kriegsende fanden hier zahlreiche Flüchtlinge und Ausgebombte vorübergehend ein Quartier. „Da war alles voll von oben bis unten“, berichtet Thea Jenkel.

Ihr Mann Heino zog übrigens für seinen allerletzten Lebensabschnitt noch mal für wenige Wochen in das Haus, in dem er lange und gern gewohnt hatte: „Ich möchte im Herrenhaus sterben“, wünschte er sich, als er merkte, dass er nicht mehr viel Lebenszeit vor sich hatte. Der Wunsch konnte ihm erfüllt werden.

Wer in Witzeeze die Dorfstraße besucht, sollte genau hinschauen, um Verwechslungen zu vermeiden: Das „Haus Dorothea“ hat die Hausnummer 12, es gibt aber noch ein „Haus Dorothea II“ mit der Hausnummer 22 . Das wurde 1996 von Dorothea Horn dazugekauft und inzwischen ebenfalls vom Team Schröder/Breuer übernommen. Dort leben heute 32 Senioren.

Bauernvögte hatten mehr Befugnisse als Bürgermeister

Die Familie Jenkel ist schon sehr lange in der Gemeinde Witzeeze ansässig und stellte auch mehrmals einen der privilegierten Bauernvögte, deren Aufgaben über die eines Bürgermeisters hinausgingen. Diese Vögte konnten zum Beispiel ihre Kinder von einem Privatlehrer unterrichten lassen. Das Amt war erblich. Bauernvögte sind für Witzeeze ab dem 16. Jahrhundert nachgewiesen. Sie sollen die erste Witzeezer Kapelle durch Umbau ihres Herrenhauses an der Dorfstraße gestiftet haben – dort, wo auch die jetzige Katharinenkapelle steht. Familie Jenkel nutzte das heutige „Haus Dorothea“ bis 1986.

 Norbert Dreessen

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