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Jugend brachte Politiker ins Schwitzen

Mölln Jugend brachte Politiker ins Schwitzen

Krawattenfarbe, erster Kuss und Bildungspolitik: Bundestagskandidaten mussten Schülern ungewöhnliche Fragen beantworten. Zu lange Reden wurden mit Seifenblasen abgewürgt.

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In gemütlichen Sesseln im Stadthauptmannshof diskutierten (von links) Dr. Nina Scheer (SPD), Karsten Kiehn (Piratenpartei), Ilka Wenzelis (Linke), Norbert Brackmann (CDU) und Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) mit Thilo Fokuhl und Labiba Ahmed (nicht im Bild) vom Möllner Jugendkomitee. Es ging um Bildungspolitik und verständliche Sprache.

Quelle: Fotos: Grombein

Mölln. Zwei Jungs formen riesige Seifenblasen, in zwei Feuerkörben knistert Holz in den Flammen. Die Politiker, die vom Möllner Jugendkomitee im Vorfeld der Bundestagswahl eingeladen wurden, spürten am Eingang sofort: Hier geht es nur um die Interessen junger Menschen. Bei der Podiumdiskussion am Mittwochabend haben die Organisatoren um Straßensozialarbeiter Axel Michaelis diesen Eindruck schnell erhärtet. Die Moderatoren und die etwa 40 jugendlichen Gäste brachten die Abgeordneten und Kandidaten mit überraschenden Fragen und Abläufen gehörig ins Schwitzen. Bei den Themen Kommunikation mit Wählern und Bildung mussten die Politiker satte Kritik einstecken.

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Viele junge Gesichter im Publikum: Die etwa 40 Gäste durften Fragen aufschreiben. Diese stellten die Moderatoren später den Politikern.

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„Wann haben Sie zum ersten Mal einen Jungen geküsst“, fragte Moderatorin Labiba Ahmed (20). „Das weiß ich ganz genau: mit 15“, sagte die Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan (FDP) lächelnd.

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„Was ist ihre Lieblingsfarbe bei Krawatten“, fragte Thilo Fokuhl (18). Norbert Brackmann (CDU) zögerte, bekannte dann aber „Rot“, was Gelächter auslöste. Auf die Frage, welche Farbe ihr erstes Auto hatte, sagte die 22-jährige Lydia Rudow (Grüne) achselzuckend: „Ich habe keins. Ich bin bei den Grünen.“

Die Fragen hatte das Publikum vorher in eine Urne geworfen. Wer zu lange sprach, sah Seifenblasen steigen. Ein dezentes Zeichen der Langeweile. Weniger elegant, aber äußerst deutlich, waren einige Aussagen der Schüler: „Die Ganztagsschule ist der letzte Dreck. Wir wollen unsere Freizeit selbst gestalten“, sagte ein junges Mädchen ärgerlich. Nina Scheer, die Bundestagskandidatin der SPD, wurde mit dieser Aussage direkt angesprochen. Ein anderes Mädchen fiel in die Kritik ein und erklärte, sie müsse den Leistungssport aufgeben, weil die Ganztagsschule das Training unmöglich mache. „Ich denke, Leistungssport ist eine Ausnahme“, so Scheer. Es gehe ihr darum, dass die vielen Kinder von berufstätigen oder bildungsfernen Familien die Chance auf eine Hausaufgabenbetreuung bekämen.

Scheer machte sich für eine gebundene Ganztagsschule stark. Erklärte jedoch, dass sie sich vorstellen könnte, dass einzelne Altersgruppen von der Ganztagspflicht ausgenommen werden könnten. Ilka Wenzelis, Bundestagskandidatin der Linkspartei, brachte nur wenige Worte auf die Frage heraus, welche Vorteile eine „Schule für alle“ für die Entwicklung des einzelnen Kindes habe: „Ich habe Lampenfieber und nehme vielleicht später noch einmal einen Anlauf“, sagte sie entschuldigend. Im zweiten Versuch sagte sie kaum mehr, als dass es eine schöne Idee sei, dass sich Schüler beim gemeinsamen Lernen unterstützen könnten.

Die Schüler, die sich meldeten, favorisierten ein mehrgliedriges Schulsystem mit vielen Wahlmöglichkeiten. Karsten Kiehn von den Piraten erklärte, dass ihm die Idee einer Gesamtschule ohne Noten damals geholfen hätte, weil er in Deutsch und Englisch schlechte Noten, in Chemie und Physik aber „Einser“ bekommen habe.

Brackmann (CDU) erklärte es für wichtig, dass Jugendliche sich im Schulsystem frei entfalten könnten: „Wenn ich quasi von Geburt an das Abitur in der Tasche habe, ist das schlecht. Ein Zeugnis ist die Belohnung für Ehrgeiz.“ Dafür gab es Beifall. Beim Thema „Wie können Politiker schwierige Themen verständlicher ausdrücken“ lieferte er einen plakativen Satz: „Keiner, der ein Auto verkauft, ist in der Lage, es zu bauen oder zu reparieren. Politiker müssen Gesetze auch konstruieren. Jeder von uns ist Spezialist in einem ganz kleinen Bereich.“ Happach-Kasan sagte, dass es schwierig sei, ein Thema wie die Präimplantationsdiagnostik einfach zu erklären.

Der Zugang der grünen Fraktionsvorsitzenden Lydia Rudow aus Kiel zu den Jugendlichen war zumindest von Kleidung und Auftreten am besten: Turnschuhe, auf einer Seite kurz rasierte Haare und Jeansjacke. „Das Thema Bildung ist nicht Teil des Bundestagswahlkampfes“, erklärte sie, wohl um die emotionale Diskussion abzufedern. Sie berichtete aber, dass die Grünen für die Abschaffung des Kooperationsverbotes seien. Das verhindere, dass der Bund die Bildung finanziere und in diesem Bereich mitbestimme. Rudow vertrat ihren Parteifreund Konstantin von Notz.

Der Umgang der Politiker untereinander und mit dem Publikum war fast immer sachlich. Eine Ausnahme machte Pirat Kiehn: „Das ist doch scheiße“, sagte er zur CDU-Bildungspolitik. Dafür gab es auch noch Applaus. Brackmann entgegnete: „Ich habe keine Lust, mich an ihrer Fäkalsprache zu beteiligen.“

Florian Grombein

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