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Lauenburg „Jugendliche trinken zu viel, aber Komasaufen hat abgenommen“
Lokales Lauenburg „Jugendliche trinken zu viel, aber Komasaufen hat abgenommen“
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21:06 10.08.2016
Christoph Schmidt, Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit, hat die Alkohol- und Drogenberatung übernommen.
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Ratzeburg

„Mehr Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren aus diesem Kreis müssen wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden“, heißt es in einer jüngsten Pressemitteilung der IKK (Innungskrankenkasse) classic – allerdings mit Zahlen aus den Jahren 2013/14. Eine Aussage, die der Leiter der Alkohol- und Drogenberatung des Kreises, Christoph Schmidt, so nicht bestätigen möchte: „Die Statistiken dafür sind zu ungenau. Dass Jugendliche zu viel Alkohol trinken, ist noch immer ein Problem, aber die Zahl derer, die am Komasaufen teilnehmen, scheint langsam zurückzugehen.“

Fachbegriffe

Diese „Trends“ gefährden derzeit die Gesundheit Jugendlicher:

Binge-drinking: Damit ist Rauschtrinken gemeint. Dabei werden mehr als fünf Gläser Alkohol (etwa 1,5 Liter Bier oder einhalbe Liter Wein/Sekt) innerhalb kurzer Zeit getrunken.

Koma-Trinken: Trinken bis zur Besinnungslosigkeit, „Film-Riss“.

Flat-Rate-Saufen: Einmal bezahlen, danach unbegrenzt trinken.

Drogenberatung

Montags: 15 bis 17 Uhr Ratzeburg, Telefon 04541/891717; 9 bis 11 Uhr Mölln, Telefon 04542/841684

Mittwochs: 9 bis 11 Uhr Mölln, Telefon 04542/841684; 15 bis 17 Uhr Lauenburg, Telefon 04153/2071

Donnerstags: 15 bis 18 Uhr Mölln, Telefon 04542/841684

Freitags: 9 bis 11 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr Geesthacht, Telefon 04152/79148

2014, so die IKK, mussten 24 Jugendliche aus diesem Kreis wegen akuter Alkoholvergiftung stationär behandelt werden, 2013 seien es 20 gewesen. Ähnliche Zahlen nennt Sylvia Ziesmann-Busche, Pressesprecherin des Johanniter-Krankenhauses Geesthacht: 23 Jugendliche seien 2014 wegen akuter Alkoholvergiftung behandelt worden, die Zahl im Jahr 2015 war mit 22 weitgehend „stabil“.

Im DRK-Krankenhaus Mölln- Ratzeburg wurden 2013 insgesamt 27 Patienten im Alter zwischen 15 und 20 Jahren mit akuter Alkoholintoxikation behandelt, ein Jahr später waren es 29 Patienten und in 2015 kamen die Statistiker auf 26 Patienten im Alter von 15 bis 20 Jahren. Also auch weder Steigerung noch Verminderung.

Landesweit seien die klinischen Behandlungsfälle dagegen zurück gegangen, teilt die IKK mit: Waren es 2013 noch 835 Jugendliche, lag diese Zahl in 2014 bei 815. Immer noch zu viele, denn das Jugendschutzgesetz trifft eindeutige Aussagen: Alkohol darf grundsätzlich nicht an unter 16-Jährige abgegeben werden. Der Konsum in der Öffentlichkeit ist nicht gestattet. Das gilt auch für alle branntweinhaltigen Mixgetränke wie Alkopops oder Cocktails. Ausnahme: Der Jugendliche befindet sich in Gesellschaft sorgeberechtigter Personen.

Gerade die Mix-Getränke, so heißt es in einer Broschüre der Barmer GEK, würden Jugendliche das erste Mal bei ihrer Konfirmation kennen lernen. Jugendliche in der Pubertät seien besonders gefährdet zu glauben, dass sich mit diesen Stimmungsaufhellern ihre Probleme in Schule oder Elternhaus lösen ließen. Untersuchungen hätten gezeigt: Je eher Jugendliche beginnen, regelmäßig Alkohol zu trinken, desto größer ist die Gefahr von Gewöhnung und Abhängigkeit. Beruhigend: Insgesamt trinken laut Barmer Krankenkasse Jugendliche heute deutlich weniger alkoholische Getränke als in den 1970er und 1980er Jahren.

„Aber es sind immer noch zu viele“, sagt Christoph Schmidt. Im Durchschnitt trinke jeder Bundesbürger zehn Liter reinen Alkohol im Jahr. „Im Kreis Herzogtum Lauenburg gibt es eine kleine Gruppe Jugendlicher mit problematischem Alkoholkonsum, aber eine größere, die sich gesundheitsbewusst, sogar vegan, ernährt“, sagt Schmidt, der auch im Nachbarkreis Stormarn Präventionsarbeit leistet.

Leider sei der Erfolg der Suchtarbeit schwer messbar. „In unsere Sprechstunden kommen die Eltern, nicht die Jugendlichen. Und während es bei Jugendlichen inzwischen uncool ist zu rauchen, steht man dem Alkoholgenuss nicht so kritisch gegenüber.“ Die Alkohol- und Drogenberatung gehe regelmäßig in die Schulen. „Die Sprechstunden sind recht gut besucht. Meistens kommen Mädchen mit dem Satz „Mein Freund trinkt so viel. Wie soll ich mich verhalten?“

Die Alkohol- und Drogenberatung gehört zur Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit, Reinbek. Infos: Telefon 040/72738450, Mail:

sucht@svs-stormarn.de.

 Silke Geercken

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