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Lauenburg Junglandwirte machen Politik Druck
Lokales Lauenburg Junglandwirte machen Politik Druck
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20:42 15.06.2017
Junglandwirte konfrontierten die Bundestagskandidaten Norbert Brackmann (CDU), Nina Scheer (SPD) und Heidi Beutin (Linke) sowie den Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky (FDP) und den Kreistagsabgeordneten Klaus Tormählen (Grüne) mit Problemen ihrer Betriebe. Quelle: Fotos: Hm
Breitenfelde

Blasmusik, Bratwurst, Fassbier, vollbesetzte Biertische und dann noch je nach Blickwinkel mehr oder minder große Politprominenz auf dem Podium – Beim 80.

Mehr als 300 Gäste beim Kreisbauerntag in Breitenfelde – Podiumsdiskussion im Mittelpunkt.

Jahnke geht

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Reinhard Jahnke (63), wird nicht wieder kandidieren. Das hat der Bauernverband während des Kreisbauerntages bekanntgegeben. Der Seedorfer Jahnke hatte 2007 die Nachfolge von Paul Petersen angetreten.

Jahnke forderte gerade Junglandwirte und Hofnachfolger auf, sich imKreisbauernverband zu engagieren. Die Wahl ist Ende diesen Jahres.

Kreisbauerntag in der festlich geschmückten Maschinenhalle der Breitenfelder Landwirtsfamilie Heins herrschte fast so etwas wie Oktoberfeststimmung. Mehr als 300 Landwirte sowie zahlreiche Ehrengäste waren gekommen.

Einen Tag nachdem sich das jamaikanische Kiel grundsätzlich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt hatte, war die Stimmung im Saal blendend. In früheren Jahrzehnten vor der Simonis-Ära noch von konservativen Landesregierungen verwöhnt, sind die Reibereien von Umweltministern einer roten und rot-grünen Landesregierung vielen Landwirten offenbar noch schlecht in Erinnerung.

So trübte denn doch der Verbleib der Zuständigkeit für die Landwirtschaft im grünen Umweltministerium die Laune etwas. „Für uns bleibt die Frage, ob ein Robert (Landwirtschaftsminister Robert Habeck, Anm. der Red.) in einem schwarzen Mantel zugänglicher sein wird, als ein Robert in einem roten Mantel“, brachte der scheidende Bauernverbands-Vorsitzende Reinhard Jahnke die Sicht der Bauern auf den Punkt. Allerdings müssten sich die Landwirte bewusst sein, dass noch vor einigen Monaten eine Regierung mit einem CDU-Ministerpräsidenten nicht zu erwarten gewesen wäre, hieß es.

Entsprechend kontrovers ging es dann auch auf dem Podium zu. Fünf Junglandwirte konfrontierten die Bundestagskandidaten Norbert Brackmann (CDU), Nina Scheer (SPD) und Heidi Beutin (Linke) sowie den Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky (FDP) und den Kreistagsabgeordneten Klaus Tormählen als Ersatz für den Grünen-Bundespolitiker Konstantin von Notz mit aktuellen Problemen ihrer Betriebe.

Vor allem für CDU-Vertreter Brackmann ist dies traditionell eine Diskussion mit Heimspielatmosphäre. Er forderte die Landwirte auf, stärker auf ihre Leistung für die Gesellschaft hinzuweisen. Wenn weniger als ein Prozent der Menschen Landwirte seien, sei das natürlich eine Minderheit. „Aber ein Landwirt ernährt eben auch 146 andere Menschen“, sagte Brackmann. Kumbartzky versprach, dass die FDP die Landwirte „in Ruhe, aber nicht allein“ lassen werde. So müssten EU-Vorgaben selbstverständlich umgesetzt, aber eben 1:1 und nicht „immer noch eine Schippe oben drauf gelegt werden“. Außerdem müssten auch landwirtschaftliche Betriebe die Möglichkeit bekommen, wie Gewerbebetriebe in guten Jahren Risikorücklagen bilden zu können. Das „Glyphosat- Bashing“ sei der völlig falsche Weg. Einem Bundesinstitut für Risikoforschung, eingeführt von einer rot-grünen Bundesregierung mit der Umweltministerium Renate Kühnast, sollte man als Grüner schon glauben, forderte Kumbartzky unter Applaus.

Tormählen sagte, er sei bereit, sich „zu informieren, um Dinge zu verstehen“. Aber das Artensterben habe auch Ursachen in der Landwirtschaft. Daher sei eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel der richtige Weg. So würden die Bauern durch den Einsatz von Glyphosat auch alle Pflanzen, die an den Rändern stehen, totspritzen, warf der Grünen-Politiker den Landwirten vor – und musste sich im Gegenzug vorwerfen lassen, dass er den Landwirten unterstelle, etwas Verbotenes zu tun, da dieses eben gesetzlich untersagt sei.

Landwirtsvertreter warnten davor, dass unter einer entsprechenden Abgabe die Konkurrenzfähigkeit der Kulturen leide – „und damit würde wahrscheinlich als erstes der Raps verschwinden“, so die Prognose der Junglandwirte. „Und ein Schleswig-Holstein ohne blühende Rapsfelder kann ich mir nicht vorstellen“, sagte Torben Hamester aus Elmenhorst.

SPD-Politikerin Scheer hingegen hatte sichtlich Probleme, den Landwirten ihre Vision einer Landwirtschaft der Zukunft zu verdeutlichen. Sie forderte, ehrlich zu bleiben. Ein Land mit so vielen Menschen stoße irgendwo an seine Grenzen. Schon jetzt gebe es massive ökologische Schäden. Und es könne nicht sein, dass einerseits das Bundesamt für Risikoforschung als Kronzeuge angeführt werde, Warnungen anderer Bundesbehörden wie beispielsweise zum Gewässerschutz und dem Umweltbundesamt trotz laufender Verfahren der EU gegen Deutschland in den Wind geschlagen würden.

Linken-Politikerin Beutin will vor allem kleine Betriebe stärker fördern – unter anderem durch höhere Freibeträge beim Einkommen. „Die großen Betriebe machen den ländlichen Raum kaputt“, warnte Beutin.

Holger Marohn

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