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Lauenburg Juso scheitert am Blutspende-Verbot für Schwule
Lokales Lauenburg Juso scheitert am Blutspende-Verbot für Schwule
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13:21 03.02.2018
Ratzeburg

Regelmäßig warnen Krankenhäuser und Blutspendedienste vor zur Neige gehenden Reserven an Blutkonserven. Anlass für eine Gruppe Jusos um den Kreisvorsitzenden Calvin Fromm (21) aus Schwarzenbek und den Wentorfer SPD-Ortsvorsitzenden und Juso Lucas Siemers, beim DRK in Wentorf zum Blutspenden zu gehen. Ebenfalls gerne am Blutspenden teilgenommen hätte der Kreistagskandidat und Ex-Juso-Kreisvorsitzende Immo Braune (27). Doch der durfte nicht – weil er schwul ist. „In Zeiten, in denen Blutspenden mehr denn je gebraucht werden, wird eine Menschengruppe systematisch ausgegrenzt. Mein Blut scheint grundsätzlich minderwertig zu sein“, sagt Braune. „Die persönliche Neigung wird auf eine Stufe gestellt mit einer Krankheit“, so Braune. So dürfen auch Menschen mit Hepatitis, Syphilis oder Malaria kein Blut spenden. „Man darf nicht vergessen, dass Homosexualität bei uns bis in die 90er Jahre hinein noch als Krankheit gegolten hat.“

 

„Mein Blut scheint grundsätzlich minderwertig zu sein.Immo Braune Ex-Juso-Vorsitzender und Kreistagskandidat

Der Blutspendedienst-Nord mit Sitz in Lütjensee verweist auf geltende Richtlinien. Gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut hat die Bundesärztekammer verbindliche Regelungen zum Ausschluss von der Blutspende in Form der Hämotherapie-Richtlinien aufgestellt. „Zahlen belegen nach wie vor, dass die Risiken, Erreger wie den HIV-Virus zu haben, in der Gruppe homosexueller oder bisexueller Männer höher ist“, sagt Susanne von Rabenau, Sprecherin der DRK-eigenen gemeinnützigen Gesellschaft Blutspendedienst Nord-Ost. Immerhin hätten sich im August die Richtlinien geändert, wonach schwule Männer dennoch Blutspenden dürften, wenn sie zuvor ein Jahr lang keinen Geschlechtsverkehr gehabt hätten. An der Anwendung der Richtlinie ändere sich auch nichts, wenn der homosexuelle Mann in einer festen Partnerschaft lebe. Um sicherzustellen, dass keine Männer mit sexuellen Kontakten zu Männern (MSM) Blut spenden, werde in einem Fragebogen und einem Arztgespräch vor dem Blutspenden auch die sexuelle Neigung abgefragt. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Spenderbögen korrekt ausgefüllt werden und ehrlich geantwortet wird“, so von Rabenau.

Der Lesben- und Schwulenverband LSVD kritisiert die derzeitigen Richtlinien als geprägt von „der guten alten katholisches Logik von Sexualethik“. Dass schwule Männer grundsätzlich ein höheres Risiko darstellen würden als andere Menschen sei in der Sache wissenschaftlich nicht belegbar. Es werde nach Risikogruppen und nicht nach Risikoverhalten unterschieden. „Ob ich ein größeres Risiko darstelle ist vor allem eine Frage von safem oder unsafem Sex“, sagt LSVD-Sprecher Markus Ulrich. „Man fühlt sich auf gut Deutsch verarscht, wenn gesagt wird ,Wir brauchen Blut. Wir brauchen Blut. Aber eures nehmen wir nicht’ .“

Juso-Kreistagskandidat Braune verzichtete letztlich auf eine Blutspende. „Ich hätte natürlich hingehen und so tun können, als ob ich nicht schwul wäre“, sagt Braune. Das hätte an der grundlegenden Diskriminierung allerdings nichts geändert. Die verbliebenen blutspendenden Jusos haben neben dem reinen Blutspenden auch ein Zeichen gesetzt: Auch wenn es für das Blutspenden keine Aufwandsentschädigung gab, haben die Juso-Kreistagskandidaten, neben Fromm, Braune und Siemers auch Matthias Hack, die aus ihrer Sicht derzeit stattfindende Diskriminierung von homosexuellen Männern zum Anlass für eine Spende an eine Organisation genommen, die sich für die Gleichstellung einsetzt.

Blutspenden

Die Zahl der Blutspenden in Schleswig-Holstein ist seit Jahren rückläufig.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden 2017 vom DRK-Blutspendedienst bei 120 Terminen rund 7600 Spenden entnommen, es gab 440 Erstspender. Im Vorjahr waren es bei 123 Terminen noch rund 8100 Spenden. Es kamen 550 Erstspender.

Das Foto zeigt Calvin Fromm und Matthias Hack beim Spenden.

 Holger Marohn

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