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Kadaver lagen Wochen im Stall: Landwirt ließ Rinder sterben

Ratzeburg Kadaver lagen Wochen im Stall: Landwirt ließ Rinder sterben

Im Prozess um quälerische Tiermisshandlung und verbotene Tiertötung ist ein 61-Jähriger Bauer aus dem Nordkreis zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Ratzeburg. Die toten Kälber und Rinder im Labor der Tierkörperverwertung in Jagel waren verwest und teilweise skelettiert. Die Tiere lagen laut Gutachten Wochen bis Monate verendet im Stall. Die Nummern in den Ohren wiesen auf einen Hof im Norden des Kreises Herzogtum Lauenburg hin. Kreisveterinäre fanden darauf Stallungen in einem „katastrophalen Zustand“. Die Mastrinder sollen zum Teil knöcheltief in ihren Exkrementen gestanden haben, deutliche Zeichen von Unterernährung und gänzlich fehlende Klauenpflege aufgewiesen haben. Der 61-jähriger Landwirt ist deshalb gestern am Amtsgericht Ratzeburg wegen quälerischer Tiermisshandlung und verbotswidriger Tiertötung zu einer Geldstrafe von 1750 Euro verurteilt worden.

Aus dem

Gerichtssaal

Urteilsbegründung

Laut Gericht ist der Landwirt vorbestraft, weil er unerlaubt große Mengen Gülle entsorgt hatte. Laut Mrozek nahm er den Tod und das Leiden der Tiere billigend in Kauf, weil er wegen seiner Erfahrungen als gelernter Landwirt genau um die Gesundheit der Rinder wusste.

„Wenn ein Kalb bei der Geburt gleich in den Kot fällt, dann sind tödliche Krankheiten vorprogrammiert“, sagte eine von drei Veterinärmedizinerinnen im Zeugenstand. Sie erlebte im Sommer 2015 den Höhepunkt einer Reihe von Verstößen, die sich zwischen 2004 und 2015 auf dem Hof des 61-Jährigen und seiner 54-jährige Ehefrau im Bereich Rinderhaltung ereigneten. Auf den Hinweis durch die Tierkörperverwertung wurde sie aktiv. Knöcheltief hätten einige Bullen und Kälber in Gülle gestanden und nichts zum Trinken gehabt.

Herzprobleme des Bauern, in deren Folge er zehn Tage ins Krankenhaus musste, zeugten zum einen von der Überlastung des Landwirtes. Als Erklärung für die Missstände ließ das Gericht die Krankheit allerdings nicht gelten. Schließlich habe der Landwirt quasi in Vollzeit als Kraftfahrer gearbeitet, so dass seine Ehefrau die Arbeit regelmäßig alleine zu verrichten hatte.

„Sie haben ihre völlig überlastete Ehefrau allein gelassen“, erklärte der Vorsitzende Richter Martin Mrozek. Der Stall sei falsch konzipiert gewesen, lautete eine weitere Erklärung des Angeklagten.

Ein Rohr für den Abfluss der Gülle war zu klein und bei einer Kontrolle gerade die automatische Wassertränke kaputt gewesen. Bei den Kälbern fehlte eine Tränke laut Gutachten gänzlich. Die aufgestellten Wassereimer seien möglicherweise von den Tieren umgestoßen worden, so der Bauer.

Auf Fotos, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, war nicht nur ein von Gülle bedeckter Stall zu sehen, sondern auch das Ausmaß der Unterernährung: Tiere, bei denen die Knochen zu sehen waren. Eine Veterinärin attestierte diversen Tieren, die bei der Auflösung des Rindebetriebes zum Schlachthof kamen, lediglich ein Drittel des angemessenen Körpergewichtes. Tierärzte habe der Bauer so gut wie nie beauftragt.

„Klauenpflege macht bei Bullen kein Landwirt im Kreis“, sagte der Angeklagte. Nach 22 Monaten kämen sie eh zum Schlachthof. Eine der drei Tiermedizinerinnen im Zeugenstand belehrte ihn jedoch eines Besseren. Wenn nicht mindestens einmal im Jahr die Klauen gekürzt würden, käme es zu Fehlstellungen, einer ungesunden Körperhaltung und Schmerzen bei den Tieren.

Während der Landwirt sich kaum schuldbewusst zeigte, zeichnete seine Ehefrau unter Tränen den schleichenden Niedergang des Hofes nach. Die Milchpreise seien so stark gesunken, dass nur noch Masttierhaltung in Frage kam. Nach der BSE-Krise seien auch Viehpreise gesunken. Die Banken hätten aufgrund von Krediten Druck aufgebaut. Der Landwirt musste sich als Lkw-Fahrer und Lohnunternehmer (150 Stunden pro Monat) verdingen und hatte wenig Zeit für den Betrieb. Das Verfahren gegen die mitangeklagte Ehefrau wurde eingestellt. Verurteilt wurde der Bauer schließlich für Fälle, die sich aus zwei Kontrollen in 2014 und 2015 ergaben. „Es tue ihm leid“, sagte er. In Spitzenzeiten hielt er 160 Rinder. Bereits 2004 habe der Fachdienst Veterinärwesen Mängel festgestellt. Zwischenzeitlich sei der Betrieb ordentlich geführt worden.

fg

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