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Lauenburg Kampf der Plastiktüte: Ein Selbstversuch
Lokales Lauenburg Kampf der Plastiktüte: Ein Selbstversuch
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11:00 09.08.2016
Mit dieser „Ausrüstung“ will LN-Redakteur Holger Marohn um Plastiktüten herumkommen. Quelle: Hannes
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Mölln

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheitstage: Bei uns zu Hause wurden die Einkaufstüten vom Discounter bis zum Kaufhaus einst immer in einer Schublade gesammelt. Daran muss ich immer wieder denken, wenn ich die Bilder von in Plastiktüten verendeten Vögeln und Fischen sehe.

Nun hat sich die Bundesregierung auf Geheiß der EU immerhin auf die Fahne geschrieben, den Verbrauch von Plastiktragetaschen deutlich zu reduzieren. Allein davon verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich 71 im Jahr – eine dreiköpfige Familie also mehr als 200 oder mehr als jeden zweiten Tag eine. Anlass für mich, einen Selbsttest zu starten. Ich will eine Woche lang auf so viele Plastikverpackungen wie möglich verzichten. Und damit meine ich nicht nur die vom Gesetz betroffenen oft buntbedruckten Tragetaschen, sondern auch diese unzähligen dünnen Tütchen vom Fleischtresen bis zum Gemüsestand, jeglichen Plastikmüll, die der tägliche Einkauf so mit sich bringt.

Schon vor mehr als 25 Jahren war ich im Urlaub in den USA von der „Paper or plastic“-Frage der Einpacker im Supermarkt begeistert. Papiertüten fand ich einfach cooler und habe daher meist diese Variante gewählt. Gut, nun argumentieren die Plastiktüten-Lobbyisten damit, dass für die Herstellung von Papiertüten etwa doppelt soviel Energie bei der Herstellung verbraucht würde, wie für die von Plastiktüten.

Ich achte zwar schon jetzt drauf, möglichst nicht an der Supermarkt-Kasse in das Plastiktüten-Regal zu greifen, aber ganz ehrlich: Beim Kaufhaus-Einkauf oder im Klamottengeschäft sieht das dann schon mal anders aus. Ein richtig schlechtes Gewissen habe ich dann am Fleisch- oder Wursttresen, wenn alles mal wieder gleich zwei- oder dreifach in kleine durchsichtige Tütchen gepackt wird.

Das muss doch auch anders gehen, habe ich mir vorgenommen und mich für den Selbsttest vorbereitet. Meine Ausstattung: Eine Stofftragetasche vom Supermarkt um die Ecke für den kleinen Einkauf, eine oder auch mehrere Kunststofftragetaschen eines schwedischen Möbelhauses und ein paar Mehrweg-Plastikschalen mit Deckel eines bekannten amerikanischen Küchen- und Haushaltsartikel-Herstellers. Nun bin ich gespannt, was im Alltag tatsächlich praktikabel ist, ohne sich völlig zu verbiegen.

Die große Politik im Bund setzt derweil auf eine Kostenpflicht für Plastiktüten. So würden inzwischen 65 Prozent der Tragetaschen freiwillig gegen Gebühr ausgebenen. Ziel sei aber eine Quote von 80 Prozent bis 2018. Sollte das nicht gelingen, könne eine „ordnungsrechtliche Lösung“ erfolgen, heißt es aus Berlin.

 hm

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