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Lauenburg Kampf gegen Drogen im Verkehr
Lokales Lauenburg Kampf gegen Drogen im Verkehr
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12:57 08.02.2018
Als Anhalteposten steht Daniel Stephan auf der Fahrbahn, um ausgesuchte Fahrer und Fahrzeuge in die Kontrollstelle zu lotsen. Quelle: Fotos: Timo Jann
Schwarzenbek

„Jens, den mach du mal selbst“, ruft Daniel Stephan seinem Kollegen Jens Stamer zu, als er einen VW Polo in die Kontrollstelle an der Bundesstraße 404 schickt. Polizisten aus Schwarzenbek, Geesthacht und Lauenburg haben sich hier gemeinsam positioniert, um den Verkehr zu überprüfen. Stephan sortiert vor, in dem er die Fahrer und ihre Fahrzeuge ins Visier nimmt und dann ausgewählte Fahrer zur Kontrolle leitet. Hier warten seine Kollegen auf Kundschaft.

Alkohol- und Drogenkontrolle auf der B 404: Polizisten aus Schwarzenbek, Geesthacht und Lauenburg bilden eine gemischte Kontrollmannschaft. Dieses Konzept ist neu und erhöht die Schlagkraft. Die Beamten fischen zahlreiche Sünder aus dem Verkehr – eine Reportage.

Viele Verstöße

14 Ordnungswidrigkeiten (etwa abgelaufener TÜV), 18 Mängelberichte (für defekte Beleuchtung), ein Verstoß gegen das Fahrprotokoll für Kleintransporter, drei Mal der Verdacht des Fahrens unter Betäubungsmitteleinfluss, ein mitgeführtes verbotenes Messer (in einer Scheckkarte), sichergestelltes Marihuana, Haschisch und Amphetamine und drei Fahrer ohne Führerschein wurden festgestellt.

tja

Der Polo-Fahrer wirkt nervös, seine Augen sind glasig. Für Stephan, der mit seiner Anhaltekelle auf der Fahrbahn steht und ins Auto schaut, bereits ein erstes Indiz dafür, dass der junge Mann aus Hamburg nicht ganz „sauber“ sein könnte. Stamer klärt den VW-Fahrer über die Kontrolle auf, fragt nach einem Frontschaden am Auto, lässt sich dann Verbandkasten und Warndreieck zeigen. Dann die entscheidende Erklärung des Polizisten an den Probanden: Sowohl Stephan als auch er selbst seien ausgebildete Drogen-Experten der Polizei, er wirke ihnen gegenüber, als hätte er etwas genommen.

Parallel ergibt die Datenabfrage, dass der Hamburger wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz bekannt ist. Der Rest ist für die Beamten Routine. Urinschnelltest an der Kontrollstelle, der ist positiv und weist auf Drogenkonsum hin. Ab zum Revier, Blutprobenentnahme durch einen Arzt. Vom Ergebnis der Analyse hängt ab, mit welcher Strafe der junge Mann rechnen muss.

Im Sachsenwald zwischen der Autobahn 24 und dem Ortseingang Schwarzenbek haben sich die Polizisten unter Führung von Revierleiter Ernst Jenner platziert. Das zulässige Tempo ist auf 50 Stundenkilometer begrenzt, so dass Stephan gut sortieren kann. Und der beweist Gespür – immer wieder fährt eine Streife zur Blutprobenentnahme los.

„Wir haben verabredet, dass wir künftig wieder verstärkt gemeinsam kontrollieren wollen. Wenn jeder für sich alleine etwas macht, bekommt er nie zu soviel Schlagkraft, als wenn wir gemeinsam aktiv werden“, erklärt Jenner. Und so hat die gemischte Kontrollmannschaft mit Beamten aus Schwarzenbek, Geesthacht und Lauenburg jetzt an der B 404 Position bezogen. Mit dabei sind auch einige angehende Polizisten. „Die sind gerade als Praktikanten auf unseren Revieren, die können hier gleich mal live erleben, wie so etwas läuft“, sagt Jenner. Ein erfahrener Polizist prüft an einem Golf ganz genau die Fahrgestellnummer, ihm kommt etwas merkwürdig vor. Seine Praktikantin schaut genau zu und beobachtet, worauf der Kollege achtet.

„Wir wollen mit der Kontrolle zur Verkehrssicherheit beitragen, aber uns auch einen Eindruck verschaffen, wer hier so unterwegs ist“, berichtet Jenner. Denn beidseits der A 24, in etwa von Grove bis Breitenfelde, beschäftigen zurzeit auch verstärkt Einbrüche die Polizei. Die Bundesstraße gilt als eine der Hauptzufahrten für die Einbrecher. Jenner: „Wir sind aber gerade bei Einbrüchen beziehungsweise verdächtigen Beobachtungen sehr auf schnelle Hinweise von Zeugen an den Notruf 110 angewiesen. Dann können wir natürlich bestens reagieren.“

In den sozialen Netzwerken wird die Kontrollstelle zwar schnell verraten, doch nicht jeder ist in der Region vernetzt und bekommt den Hinweis mit. Nach zwei Stunden gibt erstmal heißen Tee und Kaffee – der Wind pfeift durch den Wald.

In der Zeit von 12.30 bis 16.30 Uhr kontrollieren die Beamten 150 Fahrzeuge. „Die Quoten in einigen Bereichen waren für diese Zahl der Kontrollierten erschreckend“, bilanziert Stamer, der stellvertretender Revierleiter in Schwarzenbek ist. „Wir werden in dieser Kooperation der Reviere auch künftig kontrollieren und auch mal Strecken ins Auge fassen, auf denen wir sonst vielleicht nicht erwartet werden. Wir wollen da flexibel sein“, sagt er.

 Timo Jann

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