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Lauenburg Kampf mit der Kamera gegen eine tödliche Krankheit
Lokales Lauenburg Kampf mit der Kamera gegen eine tödliche Krankheit
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16:30 06.10.2017
Die Hobbyfotografin Melina Waliczek möchte Brustkrebspatientinnen ablichten. Quelle: Florian Grombein
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Mölln

„In meinem Umfeld sind viele Menschen an Krebs erkrankt. Auch meine Großeltern“, sagt die Möllnerin. Die Machtlosigkeit, die ein Mensch erfährt, wenn ein enger Verwandter an der oftmals lebensbedrohlichen Krankheit leidet, spürte auch die angehende Kauffrau für Büromanagement. „Ich möchte die Geschichte und Krankheit der Frauen mit Porträts erzählen und somit die Gesellschaft für das heikle Thema Brustkrebs sensibilisieren“, sagt die 18-Jährige, die vor Kurzem am Marion-Dönhoff-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat. Dass der Oktober der Brustkrebsmonat ist, 1985 initiiert von der „American Cancer Society“, passt zum Zeitpunkt des ungewöhnlichen Fotoprojekts.

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Zwei Drittel aller Brustkrebspatientinnen sind über 60. Obwohl Melina Waliczek erst 18 Jahre alt ist, beschäftigt sie die Krankheit sehr. Bei einem Fotoshooting will die Hobbyfotografin morgen 20 Betroffene ablichten. Einer der Gründe: Krebs belastet ihre eigene Familie.

Die Vorgeschichte

Das Jugendforum des Kreisjugendringes (KJR) hat das Geld aus dem Fonds „Demokratie leben“ für das Fotoprojekt bewilligt. Der KJR übernimmt Kosten für Studio und Getränke. „Die Jugendlichen Entscheiden selbst über die Fördermittel“, so Sara Opitz, KJR-Projektkoordinatorin. Der KJR jedoch habe das Veto.

Infos: www.demokratiepartner-schaften-im-lauenburgischen.de; www.mammazentrum-hamburg.de

Um an Patientinnen zu kommen, die von Brustkrebs betroffen sind, hat Melina Waliczek Kontakt zum Hamburger Brustkrebszentrum, dem Mammazentrum am Krankenhaus Jerusalem, aufgenommen. Die Klinik teilte ihren Aufruf bei Facebook. Daraufhin meldeten sich Frauen aus ganz Deutschland. Etwa aus Hamburg, Bremen, aber auch aus Büchen kommen die Frauen, die sich ablichten lassen wollen.

Ihr Fotoprojekt wird zum größten Teil mit Fördermitteln aus dem Bundesfonds „Demokratie leben“, der über den Kreisjugendring in Mölln abgerufen werden kann, realisiert. Auch das Autohaus an der Salzstraße, in dem Waliczeks Vater arbeitet, hilft finanziell. Gesponsert wird vor allem die Miete für ein professionelles Fotostudio in Hamburg. Dort sollen am morgigen Sonnabend 20 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und die mit den Folgen der häufig nicht abzuwendenden Operation leben müssen, porträtiert werden.

„Ich freue mich über die Resonanz und bin sehr gespannt darauf, was am Ende entsteht“. Melina Waliczek plant normale Porträts, Bildausschnitte zwischen Haaren und Schultern, zu machen. Doch einige der „Models“ wollen auch mehr von ihrem Körper zeigen, verrät sie. Es geht den Frauen, die sich fotografieren lassen, darum zu zeigen, dass ein Leben mit einer amputierten Brust weitergeht. Sie wollen selbstbewusst mit ihrer Krankheit umgehen und anderen Betroffenen Mut machen. Die Bilder sollen später in eine Wanderausstellung münden. Die Fotos auf ihrem Instagram-Profil zeigen das hohe Niveau, auf dem die 18-Jährige fotografiert (www.instagram.com/mimiwillurlaub). „Wir finden es bemerkenswert, dass sich eine junge Frau wie Melina Waliczek mit dem Thema Brustkrebs auseinandersetzt und darauf aufmerksam machen will“, sagt Prof. Dr. Peter Scheidel, leitender Arzt am Mammazentrum. Der Monat Oktober stehe international im Zeichen der Sensibilisierung für Brustkrebs. Es gehe darum, Diagnose, Behandlung und therapeutische Maßnahmen zu stärken. Laut Studien erkrankt in Deutschland jede zehnte Frau an Brustkrebs. 46000 Neuerkrankungen kommen jährlich hinzu.

Einen Platz hat Melina Waliczek noch frei bei ihrem Shooting morgen in Hamburg. Betroffene, die spontan und interessiert sind, melden sich unter melina.photo@outlook.de.

Florian Grombein

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