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Lauenburg Kanalausbau: CDU und Grüne bewegen sich aufeinander zu
Lokales Lauenburg Kanalausbau: CDU und Grüne bewegen sich aufeinander zu
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21:34 26.09.2017
Auch die Grünen halten inzwischen eine Modernisierung der Schleusen und Brücken für notwendig. Die historischen Schleusen aus der Kaiserzeit – wie hier in Witzeeze – sind seit ihrem Bau vor fast 120 Jahren mittlerweile zu klein und am Ende ihres Lebensalters. Nur noch Binnenfrachter aussterbender Größenklassen passen hier durch. Quelle: Holger Marohn
Mölln

Und die ersten Erkenntnisse der seit einigen Wochen laufenden Vorplanungen scheinen dabei die eine oder andere Hürde zumindest etwas abzuflachen – zumindest sieht es der frisch direkt wiedergewählte CDU-Politiker Norbert Brackmann so: Je mehr sich das Projektteam damit befasse, was eigentlich gemacht werden müsse, sei festzustellen, das zumindest die Breite in weiten Abschnitten gar nicht verändert werden müsse. „Wenn an den Schleusen selbst die Möglichkeit geschaffen wird, dass sich die Frachtschiffe begegnen können, könnten zwei bis drei Schiffe pro Stunde sich im Kanal begegnen“, sagt Brackmann.

Der vorgesehene Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ist seit Monaten Streitthema zwischen CDU und Grünen, im Bundestag vertreten durch Norbert Brackmann und Konstantin von Notz. Nun müssen sich beide Seiten angesichts der anstehenden Jamaika-Gespräche zusammenraufen.

Lediglich dort, wo die Kurven wie im Bereich Siebeneichen eng sind, müssten die Radien etwas größer gemacht werden. Aber auch dort müsse der Kanal nicht begradigt werden, beruhigt Brackmann. „Damit sind nur in einem ganz geringen Teil die Uferböschungen betroffen – und das ist ja auch gerade das große Thema“, sagt Brackmann.

Hintergrund ist offenbar, dass der Kanal in den 90er Jahren bereits einmal saniert worden ist und damals teilweise neue Spundwände gesetzt wurden. „Weil es die Überlegung gibt, statt der derzeit überwiegend bestehenden Rechteckform mit Spundwänden, die für die Tier und Pflanzenwelt nicht das Optimum ist, den Kanal in eine Trapezform mit Flachwasserzonen zu bringen, müssen sich die Umweltverbände nun positionieren“, sagt Brackmann. Schließlich seien derartige Uferumgestaltungen Maßnahmen, wie sie auch bei der Renaturierung von Bächen erfolgten. Das würde nicht nur den Tieren die Möglichkeit bieten, einfacher in das Wasser und wieder herauszukommen, sondern auch einer größere Vielfalt von Pflanzenarten, sich am Kanal anzusiedeln. „Doch dafür müsste man bei der Breite des Kanal etwas zulegen. Da muss der BUND dann entscheiden, ob er ökologisch wertvolle Kanalufer haben möchte oder nicht.“

Grünen-Kreistagsabgeordneter Oliver Brandt warnt hingegen vor einem starken Eingriff in die „über 100 Jahre gewachsene Natur“. „Dass man am Kanal einzelne Maßnahmen machen kann, wie zum Beispiel die eine oder andere Schleuse erneuern, ist keine Frage“, sagt auch der Grüne von Notz. Die grundsätzliche Kritik an dem Projekt bleibe aber bestehen.

Angesichts des Nutzen-Kosten-Verhältnisses stoße die Investition von knapp einer Milliarde Euro bei den Grünen weiterhin auf massive und grundsätzliche Kritik. Von Notz: „Den Grünen geht es beim Bundesverkehrswegeplan um eine grundsätzliche Wende in der Verkehrspolitik weg von Großprojekten hin zu einer klugen vernetzten Mobilitätspolitik.“ Gleichzeitig hebt von Notz das gute und faire Verhältnis zwischen ihm und Norbert Brackmann hervor. „Norbert Brackmann und ich können gut miteinander. Wir kennen uns seit vielen Jahren und die gute Kollegialität haben wir auch in der Vergangenheit im Wahlkampf deutlich gemacht.“

Das Problem sieht Brackmann woanders: Der BUND sehe in seiner Kritik am Kanalausbau eine Menge an Reklame-Möglichkeiten. Bei der Bundestagswahl hat sich der Kanalausbau allerdings nicht in Stimmen für die Parteien niedergeschlagen, zu deren Unterstützung der BUND aufgerufen hatte. In den Kanalgemeinden gab es keine Ergebnisse, die auf einen Ausbau als wahlentscheidendes Thema schließen lassen könnten. In Basedow lagen die Grünen mit zwei Prozent sogar deutlich unter ihrem Ergebnis aus 2013. In Witzeeze (11,1), Lankau (11,6) und Siebeneichen konnten die Grünen größere Stimmenzuwächse verzeichnen, gleichen teilweise dabei wie in Siebeneichen aber nur die Verluste gegenüber 2009 aus. Insgesamt lagen die Grünen am Kanal nicht merklich über dem Kreisergebnis.

 Von Holger Marohn

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