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Kein gutes Jahr für Pilze im Herzogtum

Harmsdorf/Gudow Kein gutes Jahr für Pilze im Herzogtum

Ein Experte aus Gudow beklagt, dass der September einfach zu trocken war. Steinpilz und Co brauchen allerdings genügend Feuchtigkeit, um ausreichend zu wachsen.

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In diesem Jahr fällt die Pilzernte mager aus, nach zwei Stunden ist der Korb kaum halb voll. Fotos (3): Bettina Albrodt

Harmsdorf/Gudow. Friedrich J. Flint aus Harmsdorf sammelt seit mehr als 15 Jahren Pilze. Die Pilzsaison in diesem Jahr sei mäßig. „Es ist zu kalt und zu trocken, Pilze brauchen Feuchtigkeit“, so der Harmsdorfer. Flindt hat damals mit einem Pilzbestimmungsbuch angefangen, ganz mutig. „Ich schaue vor allem nach Steinpilzen und Stockschwämmchen, da kenne ich mich aus“, sagt er. Steinpilze seien braun und kugelig, also leicht zu erkennen. Flints bevorzugte Sammelgebiete liegen in Behlendorf und Lankau.

LN-Bild

Experte aus Gudow: September war zu trocken – Steinpilz und Co brauchen Feuchtigkeit zum Wachsen.

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Was tun bei Vergiftung?

Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort die Giftinformationszentrale Nord (Telefon 0551 / 19240) oder der Notarzt gerufen werden.

Symptome wie Bauchschmerzen, Rauschzustände oder Magen- und Darmbeschwerden können noch bis zu 24 Stunden nach dem Verzehr auftreten.

Informationen gibt es bei der Pilzberatung der Universität Hamburg:

Telefon 0 40/42 81 65 81.

Auch Alexander Glomb aus Gudow, Pilz-Sachverständiger des Pilzvereins Rehna, bestätigt, dass es sich kaum lohnt, in die Pilze zu gehen. „Es ist eine Katastrophe“, sagt der 27-Jährige, dessen Interesse für Pilze von seinem damaligen Biologielehrer in Rehna geweckt worden war. „Im September gab es nur zehn Prozent Niederschlag. Den Pilzen fehlt die Feuchtigkeit, sie wachsen dann nicht“, sagt Glomb. Pilze bestünden zu 90 Prozent aus Wasser.

Dass es in diesem Jahr schwierig ist, genügend Pilze für die Pfanne zu finden, sagt auch Ingo Hartung, Pilzexperte aus Pölitz (Stormarn). „Der Oktober 2016 ist der schlechteste Pilzmonat seit 40 Jahren“, erklärt der Pilzexperte, der seit 20 Jahren in Stormarn die Delikatessen sammelt und Kurse dazu in Bad Oldesloe und Bargteheide anbietet. „Der Bestand ist um gut 60 Prozent zurückgegangen.

Der Grund dafür sind die drei Wochen Sommer im September und der schneelose Winter, der den Grundwasserspiegel abgesenkt hat.“

Das hat für denkbar schlechte Wachstumsbedingungen für Fungi, so der lateinische Fachbegriff, gesorgt. „Der Birkenpilz fehlt“, hat Hartung beobachtet, „auch Rüblinge, Lacktrichter und Hallimasche gibt es diesen Herbst so gut wie gar nicht“. Einige Pilze waren schon im Juli zu finden, Steinpilze seien erst später zu erwarten, aber auch da gebe es diesen Herbst keine Masse. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo es Pilze im Überfluss gab, herrscht dieses Jahr Ebbe im Sammlerkörbchen. Viele Pilze haben giftige Doppelgänger. Ob Steinpilz oder Gallenröhrling, Violetter Rötelritterling oder Lila Dickfuß, Schafchampignon oder Kegelhütiger Knollenblätterpilz – hier muss vor dem Kochen klar sein, was in der Pfanne landet. „Bundesweit gibt es etwa 2000 Pilzvergiftungen pro Jahr“, warnt Hartung, „15 bis 20 Prozent davon verlaufen tödlich.“ In Mecklenburg habe sich die Zahl erhöht, weil Flüchtlinge giftige Pilze für genießbar hielten. Dazu kommen neue Erkenntnisse der Forschung: „Der Ritterling war über Jahrzehnte ein beliebter Pilz auf Wochenmärkten. Mittlerweile ist er von der Liste der Speisepilze gestrichen worden, weil man herausgefunden hat, dass er für eine bestimmte Form der Muskelzersetzung ursächlich ist“, so Hartung.

Sein Blick auf die Pilze bleibt kritisch. Denn durch die feuchte Witterung haben viele Speisepilze Schimmel angesetzt, der auch nicht ganz ungefährlich ist. „Schimmel ist ungenießbar“, sagt Hartung, „dadurch kann es zu einer unechten Pilzvergiftung kommen.“ Dabei bilden sich Giftstoffe im Magen, die durch den Schimmel ausgelöst werden, oder die Pilze reagieren mit Alkohol, den man keinesfalls zu einem Pilzgericht trinken sollte. Am besten, so der Experte, bereitet man die frischen Pilze noch am selben Tag zu, dann können sie nicht verderben. In Butter gebraten oder gedünstet, bieten Speisepilze eben soviel Nährstoffe und gesunde Mineralien wie Gemüse. Da sie zu 90 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie eine gesunde und kalorienarme Mahlzeit mit viel mehr Aroma, als wenn man sie im Laden kaufen würde. Dort, so Hartung, würden sie oft mittels Gamma-Strahlen haltbarer gemacht, verlören dadurch aber wertvolle Nährstoffe.

Apropos Strahlen: Vor Radioaktivität ist Südholstein verschont geblieben. „Nach Tschernobyl hat es radioaktiven Niederschlag um Kiel und Lübeck herum und beidseits des Nord-Ostsee-Kanals gegeben“, erklärt Hartung. „Überall sonst ist die Landschaft nicht mit Cäsium 137 belastet.“

Tier oder Pflanze?

Weil Pilze aus Zellen mit einem Zellkern bestehen, sind sie in der Biologie ein eigener Bereich, der den Tieren näher steht als den Pflanzen. Wie Tiere ernähren sie sich von organischen Nährstoffen in ihrer Umgebung, weisen aber Zellstrukturen wie Pflanzen auf. Von denen unterscheiden sie sich durch das Fehlen der Photosynthese.

Vermutlich existieren Pilze schon seit 900 bis 1200 Millionen Jahren auf der Erde. Sie bieten noch ein reiches Forschungsgebiet.   Quelle: wikipedia

 Silke Geercken und Bettina Albrodt

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