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Lauenburg Keine Basis mehr: SPD in Linau tritt bei Wahl nicht an
Lokales Lauenburg Keine Basis mehr: SPD in Linau tritt bei Wahl nicht an
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13:58 23.02.2018
Petra Scharfenberg (64) saß 27 Jahre lang für die SPD im Linauer Gemeinderat. Sie ist seit 41 Jahren Mitglied der SPD. Damals war Helmut Schmidt Bundeskanzler, wie eine Sondermarke in ihrem Parteibuch belegt. Quelle: Jens Burmester
Linau

„Wir haben dieses Ehrenamt gerne angenommen und immer versucht, zum Wohle der Gemeinde Linau Vorschläge und Entscheidungen im Gemeinderat mitzugestalten und zu entscheiden“, heißt es in einem Flugblatt, das die SPD an alle Haushalte der 1200-Einwohner-Gemeinde verteilt hat. Auf LN-Anfrage bestätigt SPD-Ortsvorsitzende Petra Scharfenberg die Entscheidung.

„Ich bin für die letzten drei Wahlen immer durchs Dorf gerast, um irgendwie eine Liste hinzubekommen. Es hat doch keiner mehr Lust, etwas zu tun“, sagt Petra Scharfenberg. Vier von elf Sitzen hat die SPD derzeit in der Gemeindevertretung in Linau. Neben Scharfenberg sind auch Tochter und Schwiegersohn in dem Gremium aktiv. Mit der 64-Jährigen stellt die SPD die stellvertretende Bürgermeisterin.

Doch damit wird es nach der Wahl im Mai vorbei sein. Die SPD wird in Linau von der kommunalpolitischen Bühne verschwinden. Vor 27 Jahren zog die heute 64-jährige Scharfenberg erstmals in die Linauer Gemeindevertretung ein. Als Nachrückerin für einen verstorbenen Parteifreud. „Damals war das eine ganz andere Situation“, sagt Scharfenberg. Es habe noch einen richtigen Kampf um die vorderen Listenplätze gegeben.

Heute habe der Ortsverein gerade noch drei Mitglieder von denen sie mit ihren 64 Jahren das jüngste sei. Diejenigen, die mit ihr in der Gemeindevertretung sitzen würden, seien allesamt parteilose Fraktionsmitglieder. „Wenn ich die genötigt hätte, in die SPD einzutreten und bei uns auf die Liste zu kommen, hätte ich keinen von denen gewinnen können“, sagt Scharfenberg.

Eigentlich wolle doch keiner mehr in eine Partei eintreten. Zum einen sei die Belastung durch Job und andere private Aktivitäten größer geworden, zum anderen motivierten auch die Geschehnisse in der großen Politik nicht wirklich. „Es ist alles sehr schwierig geworden“, sagt Scharfenberg. Für die SPD komme in Linau erschwerend hinzu, dass Linau „ein tiefschwarzes Loch“ sei. Da sei es für die SPD nicht einfach.

So räumt ihr Schwiegersohn Jürgen Maaß dann auch ein, dass die Entscheidung nichts mit der aktuellen Situation auf Bundesebene zu tun habe. „Was ich in den fünf Jahren alles erlebt habe, war nicht das, was ich mir unter positiver kommunalpolitischer Arbeit vorgestellt habe“, sagt Maaß. Vor allem der Informationsfluss sei nicht gut gewesen. In Linau hat die CDU die restlichen sieben Sitze und stellt den Bürgermeister.

SPD-Kreisvorsitzende Nina Scheer hatte das Aus ihrer Partei in Linau erst durch die LN-Anfrage realisiert. Im Unterschied zu Wählergemeinschaften würden Parteien ebenübergreifend arbeiten und eine Volkspartei wie die SPD sollte „auf allen Ebenen verankert sein“, also auch lokal, schreibt sie in ihrer Stellungnahme.

Damit in Linau künftig die Bürger nicht ganz ohne Wahlmöglichkeit dastehen, hofft Scharfenberg noch, dass wenigstens eine Wählergemeinschaft antritt. „Wir hoffen, dass sich engagierte Bürger und Bürgerinnen finden werden, die Zeit und Interesse haben, dieses Ehrenamt auszufüllen“, heißt es abschließend in dem Flugblatt, das sie in Linau verteilt hat. Immerhin habe sich ja vor fünf Jahren schon einmal eine Gruppe gefunden, die dann allerdings aber offenbar nicht rechtzeitig alle Unterlagen abgeben konnte. „Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn hier bei uns eine Wählergemeinschaft antritt“, sagt Scharfenberg. Ihre 27 Jahre in der Kommunalpolitik bereut Scharfenberg hingegen nicht. „Ich bereue nix. Man tut es für sein Dorf“, sagt die scheidende Kommunalpolitikerin.

Parteipolitik habe in Linau nichts zu suchen.

Der GroKo wird Petra Scharfenberg bei der bundesweiten Mitgliederbefragung der SPD übrigens zustimmen. „Ich habe lange überlegt. Alles andere macht aus meiner Sicht keinen Sinn.“

 Von Holger Marohn

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