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Lauenburg „Keine Werbung für Ratzeburg“
Lokales Lauenburg „Keine Werbung für Ratzeburg“
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23:22 13.06.2018
Ratzeburgs Seniorenbeirat bemängelt Zustand und Zugang der öffentlichen Toiletten in der Kreisstadt. Hier Beiratsmitglied Günter Deutschmann am mehr als ungepflegten Bahnhofs-WC. Quelle: Fotos: Strunk
Ratzeburg

Günter Deutschmann und Jürgen Pfeiffer vom Seniorenbeirat haben zum Ortstermin gebeten. Am Ratzeburger Bahnhof, dem „Entrée“ in die Stadt, weisen sie auf das zerbeulte blaue Dixi-Klo, das an den Fahrradständern aufgestellt ist und „auffällig in der Sichtachse der Besucher, der ankommenden und der abreisenden, liegt“. Daran kommt niemand vorbei, der links vom Gebäude zum Bahnsteig will. Keine angenehme Situation. Weder für die Passanten noch für die Benutzer, die ohnehin etwas Kraft aufwenden müssen, um die verzogene Tür von innen zu schließen.

Ratzeburg stand in den vergangenen Wochen wiederholt im Rampenlicht der Öffentlichkeit: NDR-Landpartie, Internationale Ruderregatta oder Besuche des Kieler Ministerpräsidenten und der Finanzministerin. „Da passt es überhaupt nicht ins Bild, wie sich die Stadt mit ihren öffentlichen Toiletten präsentiert“, kritisiert der Seniorenbeirat.

„Das halten wir für absolut unbefriedigend.Uwe Martens,

Ratzeburgs SPD-Fraktionschef zur Toilettensituation

„Das Objekt ist mehr als unschön und einer Touristenstadt nicht würdig“, sagt Günter Deutschmann. Eigentlich könne man das den Gästen der Stadt gar nicht zumuten, pflichtet ihm Jürgen Pfeiffer, Vorsitzender des Seniorenbeirats, bei.

Ähnlich verhalte es sich bei anderen öffentlichen WC-Anlagen. Etwa an der Segelschule Morgenroth auf der anderen Seite der Stadtinsel. Hier weist an der Straße ein Schild auf die „Örtlichkeit“ hin.

Zuerst geht der Besucher zum näher gelegenen Eiscafé Bruhn. Hier wird der Gast darauf hingewiesen, dass die Benutzung der Toilette im Café gebührenpflichtig sei. Die „öffentliche Toilette“ befinde sich einige Dutzend Meter entfernt im Keller der Segelschule. Vor dem Kellerabgang – mit Tor – hängt ein weiteres Schild und ein Kasten: „Nutzungsentgelt 0,50 Euro, nächstes WC im Eiscafé Bruhn“. Hm.

Behindertengerecht ist der Treppenabgang ohnehin nicht.

Kritisiert wird auch das Behinderten-WC im Hinterhof des Alten Kreishauses am Marktplatz. „Da muss man entweder einen Spezialschlüssel haben oder sich extra im Rathaus eine Chipkarte besorgen. Aber welcher Tourist, der auf der Durchreise ist, macht das dann tatsächlich?“, fragt Jürgen Pfeiffer.

Uwe Martens, Fraktionschef der SPD, erklärt zur Situation am Bahnhof: „Das halten wir für absolut unbefriedigend. Wir sind der Auffassung, dass mit dem Eigentümer des Bahnhofes noch einmal wegen der Einrichtung einer Toilette im Gebäude verhandelt werden sollte. Alternativ wäre nach einem dauerhaften Standort einer WC-Anlage (massive Bauweise) in unmittelbarer Nähe zu suchen.“ Man werde das Thema demnächst in einen der zuständigen Ausschüsse (Bau und AWTS) einbringen.

Sein Kollege bei den Freien Wählern, Jürgen Hentschel, erklärt: „Leider ist die Unterhaltung der Toilettenanlagen keine Angelegenheit der Selbstverwaltung. Vielmehr ist der Eigenbetrieb für die Unterhaltung, Reinigung und Überwachung der Sauberkeit zuständig.“ Regelmäßig frage die FRW nach, „weil wir natürlich auch von Bürgern dieser Stadt auf Mißstände hingewiesen werden. Und regelmäßig bekommen wir vom Werksleiter die Auskunft, dass die WC-Anlagen mehrmals täglich gereinigt werden und es nur in seltenen Ausnahmefällen zu Unzulänglichkeiten kommt.“ Thomas Kuehn von der FDP ärgert sich ebenfalls über das leidige Thema. Vor allem über die Situation am Bahnhof. „Das Dixi-Klo steht dort ja bereits seit Jahren, wird zwar in regelmässigen Abständen ausgetauscht, trotzdem ist ein Dixi-Klo am Bahnhof einer Kreisstadt ein Ding der Unmöglichkeit. Da muss dringend Abhilfe geschaffen werden.“

Bürgermeister Rainer Voß erläutert aus seiner Sicht den Stand der Dinge: „Für die Unterhaltung und den Betrieb wendet die Stadt Ratzeburg jährlich rund 107000 Euro auf. Die Bewirtschaftung der Toiletten haben seit 2017 die Ratzeburger Wirtschaftsbetriebe übernommen. Die Toilette am Bahnhof sollte eigentlich nur ein kurzes Provisorium darstellen und ist wahrlich kein Aushängeschild für die Stadt. Ich habe daher veranlasst, dass dem Planungs-, Bau und Umweltausschuss im Zusammenarbeit mit dem Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH), der für Bike + Ride- und Park +

Ride-Angebote an Bahnhöfen Fördermittel des Landes Schleswig-Holstein anbietet, eine Gesamtkonzeption erarbeitet wird, um insbesondere den jetzigen Zustand dort zu verbessern.“

Diese Lösung solle abschließbare Bereiche für Fahrräder, aber auch eine neue Toilette wie etwa am Aqua Siwa umfassen. Das sei voraussichtlich mit hohen Kosten verbunden. Daher wolle man – „wenn dies auch politisch gewollt wird – alle Fördermöglichkeiten ausschöpfen und 2019 möglichst in die Umsetzung gehen“. Ob auch ein Park-and-Ride-Parkplatz für Autos eingerichtet wird, müsse noch überlegt werden.

 Joachim Strunk

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