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Lauenburg Kinder-Kaperfahrt und Plündertour
Lokales Lauenburg Kinder-Kaperfahrt und Plündertour
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07:20 04.08.2016
Plündern des Wylags: Im Kampf gegen die Soldaten versuchen die Kinder, möglichst viele der an der Rüstung befestigten Süßigkeiten abzuschlagen. Quelle: Dorothea Baumm
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Ratzeburg

Klein, aber oho. Wenn beim Ratzeburger Wylag die beliebte Kinder-Kaperfahrt mit Plündern des Wylags auf dem Programm steht, sieht man keinen Kämpfer, egal, von welchem Stamm, der nicht in voller Montur unterwegs ist. Warum? Egal, ob Römer, Wikinger oder Normanne: Alle kriegen von den Kindern gewaltig auf die Mütze. Oder besser auf den Helm. Im Kampf und Kaugummis, Lutscher und Co. sind die lieben Kleinen nämlich alles andere als zimperlich.

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Das Racesburg Wylag ist nicht nur für Erwachsene ein Spaß: Für die kleinen Besucher ist es ein großes Abenteuer.

Frei nach der Devise „immer feste druff“ schwingen sie ihre Holzschwerter. Die Zuschauer, die dicht gedrängt um den Thingplatz das wüste Treiben beobachten und dabei einen Heidenspaß haben, tun gut daran, die Kampfzwerge im Blick zu behalten. So ein Holzschwert vors Schienbein gedroschen zu bekommen, ist echt ätzend – da ist dann schnell Schluss mit lustig.

Aber soweit muss es ja nicht kommen. Und überhaupt sollen die mit Helm, Kettenhemd und Lederhandschuhen geschützten Kämpfer des Racesburg Wylag die Prügel einstecken. Bevor die Knirpse allerdings mit viel Trara und angefeuert von ihrem Chef, Heiko, dem Ruswikinger, den Angriff starten, absolvieren sie erst einmal eine Fahrt über den See vor dem Lager. Der Verein „Alte Schule“ ist mit seinem Wikingerboot von der Partie. Besucherkinder und Lagerkinder entern den Kahn und haben an Bord eine Menge Spaß.

„Das ist das Schöne an unserem Lager“, erklärt Tim Schneider, Geschäftsführer des Vereins Racesburg Wylag, „hier sind die Kinder einfach Kinder. Denen ist es egal, ob sie hier im Lager wohnen, oder mit ihren Eltern als zahlende Gäste hier sind. Sie spielen, gucken alles an, haben einfach unbeschwert Spaß. Ohne Gameboy.“

Man sieht es. Heiko, der Ruswikinger, steht schon bereit, seine räuberische Horde in Empfang zu nehmen. Die Kleinen werden vom Schiff gehoben, die größeren springen mutig und platsch-entschlossen von Bord. Heiko röhrt mit tiefer, heiserer Stimme“ „Hey, hey, alle her zu mir!“ Junge, Junge, was für ein Organ. Die Kaper-Kids schreckt es nicht ab, nur ein Knirps, sicher auf dem Arm der Mutter geborgen, fragt ein wenig piepsig, warum der Mann so komisch schreit. Die Mutter glaubt, er habe einfach schon so viel gesprochen an dem Tag, da sei er ein wenig heiser. Wir wissen es besser: Er ist Ruswikinger, und was auch immer das ist, es klingt gefährlich, und so einer muss einfach röhren, wie ein angriffslustiger Hirsch.

Hirsch-Heiko und der Anführer der gegnerischen Kämpfer begutachten sich, umkreisen einander, verspotten sich. Der Ruswikinger macht sich über die Montur der Recken lustig. Dann sucht er „einen meiner gefährlichsten Kämpfer“ aus. Ein kleines Mädchen. Lange blonde Haare. Mit Holzschwert und Schild ausgerüstet. Und hast Du nicht gesehen, tänzelt es, von Heiko in die Schlacht geschickt, auf den Gegner zu. Hohoho, da muss der Ritter sich aber bewegen. Die Kleine schwingt ihr Schwert, klopft mal hier, mal da an Rüstung und Mann an, und hurra! schon segeln die ersten Süßigkeiten durch die Luft.

Bald liegt der Ritter am Boden. Die Kleine guckt, sie ist wohl selbst ein bisschen perplex, aber wurscht, Hauptsache, der Lolli schmeckt. Und als nun Heiko, der Ruswikinger, erneut über den Platz röhrt und seine Kinderhorden zum Angriff anfeuert, gibt es auf dem Thingplatz und in den Zuschauerreihen kein Halten mehr. Der eine oder andere Ritter hat tatsächlich Mühe, die ungeschützte Nase oder das Schienbein zu retten. Eine Zuschauerin bekommt einen kühnen Schubs ab, tja, so geht es zu im Eifer des Gefechts, es ist ja auch nichts passiert.

Viel zu schnell ist die Schlacht geschlagen. Die Kinder sammeln die Süßigkeiten auf, selbst für Zuschauerkinder am Rande des Geschehens fällt etwas ab. Eltern sammeln ihre Knirpse ein und sind des Lobes voll. Die erwachsenen Kämpfer dürfen sich ihrer Montur entledigen, für heute haben sie es überlebt. Das Adrenalin der Schlacht ist nicht so schnell abgebaut: Am Rande des Platzes drischt Heikos erste Kämpferin voller Elan auf die herabhängenden Zweige einer Weide ein. Es geht doch nichts über eine Plündertour durchs Wylag.

Eintritt und Programm

Noch bis Sonntag öffnet das Racesburg Wylag täglich um 11 Uhr. Kinder unter „Schwertmaß“ (Kleinkinder) haben freien Eintritt. Bis 14 Jahre kostet es 3, ab 15 Jahren 6 Euro Eintritt.

Speziell für Kinder gibt es heute um 13.30 Uhr das Kinder-Ritterturnier an dem Römerplatz. Ab 15 Uhr Treffen sich die Besucherkinder für die Kinderplünderfahrt am Wachturm im Normannenlager, und um 15.30 Uhr beginnt die Kinder-Kaperfahrt mit anschließendem Plündern des Wylags.

 Dorothea Baumm

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