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Lauenburg Kinderarmut nimmt kreisweit zu
Lokales Lauenburg Kinderarmut nimmt kreisweit zu
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21:39 22.12.2017
In Mölln hat die Kinderarmut stark zugenommen. Sinnbildlich dafür steht der Wunschbaum. Quelle: Grombein

„Es ist schlimm, dass wir in so einem reichen Land wie Deutschland so viele arme Kinder haben“, sagt Paul Büttner, Möllner Stadtvertreter für die Freie Möllner Wählergemeinschaft. 242 Wunschzettel bedürftiger Kinder hingen in diesem Jahr im Stadthaus. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 190. 

Arme Kinder

Wollen Sie wissen, wie arm die Kinder in Ihrem Landkreis sind? Die Agentur für Arbeit veröffentlicht dazu aktuelle Statistiken. Hier geht es zum Kurzlink: www.bit.ly/2BC8wRp

Jedes Jahr organisieren seine Frau Rosemarie, Parteikollegen und er den „Wunschbaum“. Das Jobcenter vermittelt Familien mit Kindern, die Leistungen aus dem „Arbeitslosengeld II“ ( Zweites Buch Sozialgesetzbuch), im Volksmund „Hartz IV“, erhalten. Der Fachterminus lautet: Kinder in Bedarfsgemeinschaften.

Diese dürfen dann Wunschzettel mit Spielzeugwünschen in den Tannenbaum im Stadthaus hängen. Meistens haben die Eltern nicht genug Geld, um dem Nachwuchs Spielzeug- oder Kleiderwünsche zu erfüllen. Die FMW füllt diese Lücke in der Geldbörse seit vielen Jahren. Büttner freut sich darüber, dass 2017 so viele Möllner Bürger und Firmen sich an der wohltätigen Aktion beteiligen und zu Weihnachten damit ein Lächeln in Kindergesichter zaubern. Wer helfen möchte, greift sich einen Wunschzettel aus dem Baum und geht einkaufen. „In diesem Jahr haben nicht nur Möllner gespendet, sondern auch Menschen aus anderen Orten“, sagt Büttner. Doch in diesem Jahr war es sehr schwer, die vielen Wünsche zu erfüllen. „Wir garantieren jedes Jahr, dass alle Wünsche erfüllt werden“, so Büttner.

Doch für seine kleine Partei sei das nicht gerade einfach. Und auch in diesem Jahr blieben gut ein Dutzend Wunschzettel hängen.

„Ein Grund für die Steigerung ist, dass mehr Familien aus Drittstaaten bei uns leben und Leistungen des Jobcenters bekommen“, erklärt Ulrich Elsweier, Chef des Jobcenters in Mölln. Bei Familien mit deutscher Staatsbürgerschaft sei der Trend eigentlich leicht rückläufig, kreisweit von 2983 (August 2016) auf 2881 (August 2017). Im August des Vorjahres lebten im Lauenburgischen insgesamt 3658 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 15 Jahren in Familien, die „Arbeitslosengeld II“ bekommen. Im Jahr 2017 ist dieser Wert kreisweit auf insgesamt 4059 angestiegen. Das ist eine Steigerung um fast 11 Prozent.

In Mölln beträgt die Steigerung fast 12 Prozent. In der Eulenspiegelstadt waren es im Jahr 2016 noch 476 Kinder. Im August 2017, ein Jahr später, waren es trotz rückläufigem Trend laut Statistik dann 532 Kinder (davon 381 mit Deutscher Staatsbürgerschaft) in Bedarfsgemeinschaften.

Schon eine halbe Stunde vor der Bescherung standen gestern Eltern mit ihren Kinder vor dem Stadthaus. Die Verwaltung ließ je 20 Kinder nacheinander herein, um ein Durcheinander zu verhindern. Vor dem Stadthaus gab es an dieser Praxis einzelne Kritik: Denn einige Spender wären gern bei der Bescherung dabei gewesen, gelangten wegen des großen Andrangs aber nicht in den Verwaltungssitz.

 Florian Grombein

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