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Lauenburg „Kino – das ist auch Kulturarbeit“
Lokales Lauenburg „Kino – das ist auch Kulturarbeit“
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11:17 26.06.2016
Geschäftsführer Martin Turowski (43), der jetzt einen der schleswig-holsteinischen Kinopreise in Höhe von 2000 Euro in Empfang nahm, betont stolz: „Wir bieten alle deutschen Filmstarts zeitgleich mit dem Bundesstart und können technisch mit jedem deutschen Kino mithalten.“ Quelle: hfr

Full HD, curved 4K-Bildschirme und Home-Dolby-Surround zum Trotz: Die Kino-Szene im Lauenburgischen boomt und ist im wahrsten Wortsinne ausgezeichnet. Bei der Verleihung des diesjährigen Landeskinopreises am Dienstag in Ratzeburg (die LN berichteten) gingen zwei Preise in den Kreis Herzogtum Lauenburg. Aber auch ohne offiziellen Lorbeer blüht zwischen Ratzeburg und Elbe eine rege Cineasten-Szene.

Das immer wieder totgesagte Kino lebt. Das trifft im Lauenburgischen sowohl für die kommerziellen Kinobetriebe als auch für die nichtkommerziellen Initiativen zu. Alle zusammen profitierten nicht nur von dem bundesweit besten Kinojahr 2015, sondern werden vor allem getragen von einer wachsenden Gruppe von Filmkunstfreunden, die etwas Besonderes schätzen: Das Erlebnis, sich gezielt und uneingeschränkt auf ein Filmwerk mit Gleichgesinnten einzulassen. Das kann auch der tollste 4K 60-Zöller zu Hause nicht bieten.

Als sich nach dem Kinosterben der 70er Jahre die Spielstätten in Richtung Lichtspielcenter wandelten, schien der Niedergang der Kinos im ländlichen Raum zu Gunsten der Großstädte besiegelt. Noch in den 90er Jahren dämmerte das altehrwürdige Burgtheater in Ratzeburg ohne Zukunft vor sich hin. Nach überambitionierten Plänen in Richtung Eventcenter mit Kino-, Restaurant und Theaterangebot eines rheinischen Investors etablierte sich das Kinohaus schließlich doch als konkurrenzfähiger Anbieter von aktuellem Kinoprogramm. Geschäftsführer Martin Turowski (43), der jetzt einen der schleswig-holsteinischen Kinopreise in Höhe von 2000 Euro in Empfang nahm, betont stolz: „Wir bieten alle deutschen Filmstarts zeitgleich mit dem Bundesstart und können technisch mit jedem deutschen Kino mithalten.“ Turowski, im Brotberuf Unternehmensberater und eingefleischter „Ratzeburger Jung“ gibt zu, dass der Kinobetrieb mehr Herzenssache als lukrative Einnahmequelle ist. „In der Branche gilt ein Kinobetrieb in Städten von 14000 Einwohnern als nicht rentabel.“ Dennoch sei er das Wagnis eingegangen und stehe damit zumindest so da, das man sich technische Investitionen leisten und Geld in die Ausstattung stecken könne. Den Kinopreis hat das Burgtheater aber hauptsächlich für sein Programmkonzept erhalten. Neben den obligatorischen Blockbustern gibt es ein umfangreiches Familien- und Kinderfilmangebot. Und das cineastisch orientierte Publikum kommt mit dem Montags-Filmclub-Programm auf seine Kosten. Hinzu kommt das im 13. Jahr laufende Freiluftkino im Sommer mit wechselnden Aufführungsorten. Filmfan Turowskis Bilanz: „Wir haben einen Zuschauerzuwachs von 29 Prozent; bundesweit waren es 18 Prozent. Ich bin guten Mutes, dass wir bald vom Burgtheaterbetrieb leben können.“

Rein kommerziell ausgerichtet ist das Kino Grimm in Schwarzenbek, dessen Betreiber Frank Grimm den Zuschauerzuwachs auch für seine Spielstätte mit drei Sälen bestätigt. Der zweite Preisträger bei der Landes-Kinopreisverleihung war der nicht-gewerbliche Anbieter Kino in Mölln. Und das bereits im dritten Jahr in Folge. 1000 Euro erhielten die Initiatoren Marc Fiebig und Torben Schiller für ihr ausgefeiltes Programm, mit dem sie an zwei Wochenenden im Monat „mit unheimlich viel Freude ein Kino-affines Publikum ins Augustinum locken“, so Marc Fiebig, im Hauptberuf Hausarzt, gegenüber den LN.

Die Idee kam ihm und Schiller, der bei einem großen Filmverleih in Berlin tätig ist, als in Ratzeburg und Mölln in den 90er Jahren die alten Kinos aufgeben wurden. Mit 8000 Zuschauern im vergangenen Jahr sehen sich die beiden Filmbegeisterten in ihrem Konzept bestätigt. Fiebig: „Das Geheimnis unseres Erfolges liegt nicht in Spitzenvorführtechnik, sondern im Angebot eines besonderen gemeinschaftlichen Kinoerlebnisses.

Auch das Kinoangebot des Kleinen Theaters Schillerstraße Geesthacht liegt auf Erfolgskurs. Stolze 80 Prozent Zuschauerzuwachs vermeldet kTS-Geschäftsführer Torsten Winkler. Auch hier hat sich über den Verein Filmkiste ein festes Publikum für Filmkunst abseits des Mainstreams etabliert, das ein besonderes Kinoerlebnis zu schätzen weiß. Etwa mit kulinarischem Angebot passend zum Filmthema.

Kino im Lauenburgischen ist also lebendiger den je. Und, wie Martin Turowski sagt, „auch ein wichtiges Stück Kulturarbeit“.

 Matthias Wiemer

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