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Kirchenraum wie ein Theater

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – St. Abundus-Kirche zu Lassahn Kirchenraum wie ein Theater

Von West nach Ost getauscht – und der Wetterhahn wurde im Siegestaumel vom Dach geschossen.

Lassahn. Hier ist der Ausdruck „altehrwürdiges Gemäuer“ tatsächlich mal angebracht: St. Abundus zu Lassahn wurde Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Sie ist die Pfarrkirche der zum Kirchenkreis Parchim gehörenden Kirchengemeinde Lassahn. St Abundus blickt auf eine anekdoten- und erlebnisreiche Geschichte zurück.

Im 13. Jahrhundert war das Baugeschäft ein sehr, sehr schweres. Entsprechend dauerte es, ein so schönes Gotteshaus zu errichten. Peter Helms, Pastor im Ruhestand, liebt die Kirche, kennt sich in ihrer Geschichte bestens aus – kurz, er ist die perfekte Begleitung für einen Besuch von St. Abundus.

Das erste Mal bleibt er schon in einiger Entfernung zur Kirche stehen und lenkt den Blick auf das Mauerwerk. „Der Chor mit der Sakristei aus Feldsteinen wurde zuerst gebaut, und zwar Mitte des 13.

Jahrhunderts. Weiter ging es dann im 14. Jahrhundert, und erst im 17. Jahrhundert wurde die Kirche mit dem Anbau mit Turm fertiggestellt. „Die Treppe dort“ – er zeigt auf eine Holztreppe an der Feldsteinmauer – „das war der Aufgang der Adligen.“ Klar, die Herrschaften sollten nicht genötigt sein, mit Bauern und Handwerken gemeinsam das Gotteshaus zu betreten. Das herrschaftliche Patronat über die Kirche lag übrigens in den Händen der Grafen von Bernstorff auf Stintenburg im Herzogtum Lauenburg, zahlreiche Gedenktafeln an den Wänden des Altarraumes erinnern an die Verdienste der Familie. Und die Schnitzfigur „Anna Selbdritt“ aus dem 15. Jahrhundert wurde laut einer Inschrift am Fuß von den Stintenburgs 1640 an die „ehrw. Herzogin Christine Margarethe v. Mecklenburg-Güstrow“

übergeben.

„Und nun gucken Sie mal hoch“, bittet Peter Helms. Auf dem Kirchturm thront ein Wetterhahn. Genau genommen thront er auf einer goldfarbenen Kugel. „Der ist noch gar nicht alt“, erzählt der geschichtskundige Pastor, „so sieht das erst seit 1980 aus.“ Und natürlich hat er auch dazu eine Anekdote in petto. Britische Soldaten waren bei ihrer Siegesfeier 1945 so euphorisch, dass sie den damaligen Hahn kurzerhand von der Kirchturmspitze schossen.

Das Kriegsende bedeutete aber nicht nur das Ende des Wetterhahns. Für die ganze Kirche, mehr noch: für den ganzen Ort gab es eine entscheidende Veränderung. Dorf und Kirche hatten bis dato zum Kreis Herzogtum Lauenburg gehört, wurden aber mit dem Barber-Lyaschenko-Abkommen der sowjetisch besetzten Zone zugeschlagen. Die Kirchengemeinde gehörte rechtlich weiter zur Landessuperintendentur Lauenburg, wurde aber Anfang 1989 der Mecklenburgischen Landeskirche zugeordnet.

Helms erzählt es so: „1945 wurde Lassahn ausgetauscht gegen ein Stück Land bei Ratzeburg. Die Lassahner hatten acht Tage Zeit, in den Westen zu gehen – eine Chance, die Fünfsechstel der Einwohner nutzte. Alles, was man tragen konnte, wurde mitgenommen – Kartoffeln und Vieh inklusive. Die Engländer hatten ein Floß zur Verfügung gestellt. Auch der damalige Pastor ging in den Westen. Aber: Es kamen Flüchtlinge aus Bessarabien, Wolhynien und dem Sudetengebiet, „das war für die Kirche ein großes Glück, denn die brachten eine kompakte Frömmigkeit mit“. Und so kam es, dass St. Abundus, kaum dass die Lassahner fast vollständig in den Westen abgezogen waren, zu den Gottesdiensten „gesteckt voll“ war.

Bis heute wissen die Lassahner ihre Kirche zu schätzen. Der Chorraum wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt; Rippen und Fensterbögen sind bemalt. Das Schiff hat eine Holzbalkendecke. „Setzen Sie sich mal in die letzte Bank“, sagt Peter Helms. „Fällt Ihnen auf, dass es wie in einem Theater ist? Eigentlich sollte der Altar der höchste Punkt in einer Kirche sein.“ Diese Besonderheit, erklärt er, sei der Tatsache geschuldet, dass der hintere Anbau der Kirche an den dahinter liegenden Friedhof angepasst wurde.

Die Orgel ist 1902 von Furtwängler und Hammer in Hannover gebaut. Die herrschaftliche Loge an der Südwand hat Holzgitter und stammt aus der Spätrenaissance. Den Altar schmückt ein dreiteiliger Bildaufsatz. „Die 1898 von Mathilde Block-Niendorf gemalten Bilder zeigen in der Mitte den auferstandenen Christus, flankiert von den zweifelnden Emmaus-Jüngern und den trauernden Frauen am Grabe.“

Das große Triumphkreuz stammt aus dem 15. Jahrhundert, „und über der Tür der Priesterpforte hängt unser ältestes Schmuckstück: ein Kreuz mit Evangelistensymbolen aus dem 14. Jahrhundert“.

Dorothea Baumm

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