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Lauenburg Kirchtürme als Lebensraum für Greifvögel
Lokales Lauenburg Kirchtürme als Lebensraum für Greifvögel
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14:20 19.01.2017
Heinz-Achim Borck (l.), Vorsitzender des Nabu Mölln, und Martin Behrens, Pastor zu St. Petri Ratzeburg im dortigen Kirchturm, wo ein Kombi-Brutkasten für Turmfalke und Schleiereule hängt. Quelle: Foto: Unk

Gert-Axel Reuß, Domprobst zu Ratzeburg, hatte mit einem jungen Uhu im vergangenen Jahr sicherlich den spektakulärsten Nachwuchs in seiner Kathedrale zu vermelden. Doch auch in vielen anderen Kirchtürmen und ihren Nebengebäuden sind etliche Greifvögel und Fledermäuse heimisch geworden. Diese positive Bilanz zog der Nabu-Ortsverein Mölln bei der Ehrung von insgesamt 14 Kirchengemeinden im Nordkreis, die durch die Bereitstellung und auch Wiedernutzbarmachung ihrer Gebäude ein besonderes umwelt- und naturfreundliches Engagement zeigten.

Ausgezeichnet

Folgende Kirchengemeinden erhielten eine Plakette und eine Urkunde vom Nabu: Basthorst, Berkenthin, Behlendorf, Breitenfelde, Krummesse, Mölln (St. Nicolai), Mustin, in Ratzeburg die Kirchengemeinden Dom, St. Georgsberg und St. Petri, Salem, Sandesneben, Seedorf, Sterley und Ziethen. Der Dom und Ziethen waren bereits 2015 geehrt worden.

Je eine Urkunde und die Plakette „Lebensraum Kirchturm“, die an das jeweilige Kirchengebäude angebracht werden kann, erhielten stellvertretend für ihre Gemeinden die Seelsorgerinnen und Seelsorger im Anschluss an den gestrigen Pastorenkonvent im Petri-Forum in Ratzeburg. „Ich bin sehr dankbar, dass meiner Bitte vor einiger Zeit von so vielen Pastorinnen und Pastoren nachgekommen ist, die Kirchtürme für Turmfalken, Schleiereulen und andere Greifvögel zu öffnen“, erklärte der Möllner Nabu-Vorsitzende Heinz- Achim Borck, der gemeinsam mit seinem Mitstreiter Werner Demski die Ehrung vornahm.

Den Erfolgsmeldungen zu diesen Greifvögeln gegenüber stehen dagegen derzeit katastrophale Zahlen im Vogelbestand insgesamt in Deutschland. Bei der jüngsten Zählung der Wintervögel am vergangenen Wochenende wurde ein „erheblicher, zum Teil drastischer Rückgang an Singvögeln“ registriert. „2016 war das schlechteste Brutjahr seit zwanzig Jahren“, so Borck. Die Ursachen dafür seien vielfältig.

So habe es aufgrund widriger Witterungsbedingungen im letzten Frühjahr kaum Blühpflanzen und damit auch viel weniger Insekten gegeben. „Somit fehlte den Vögeln ihre Nahrungsgrundlage.“ Was wiederum dazu führte, dass sie ihre Brut abbrachen oder sich gar nicht erst ins Nest setzten. Demski wies zudem darauf hin, das die Biomasse an Insekten im Zeitraum von 1950/55 bis 2016 um 90 Prozent zurück gegangen sei.

Einen Grund dafür sehen die Naturschützer in der konventionellen Landwirtschaft mit deren Einsatz von Insektiziden und Herbiziden sowie von Monokulturen. Borck appellierte an die Kirche als Grundeigentümer und Verpächter landwirtschaftlicher Flächen diesbezüglich künftig auf die Bauern Einfluss zu nehmen. „Auf einer ökologisch bewirtschafteten Fläche tummeln sich Blumen, Gräser und Insekten – und Vögel finden genug zu fressen.“

Übrigens beherbergen die Kirchtürme und Kirchendächer nicht nur Vögel, sondern oft auch Fledermäuse. Beispielsweise bietet die Möllner St. Nicolai-Kirche seit Jahren rund 90 Zwergfledermäusen ein geschütztes und großes Winterquartier.

 Joachim Strunk

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