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Lauenburg Gewaltiges Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit
Lokales Lauenburg Gewaltiges Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit
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18:56 31.10.2018
Großartige Beteiligung mit rund 1000 Menschen an Demonstration und Kundgebung für Mitmenschlichkeit und Toleranz sowie gegen Rassismus und Populismus in Berkenthin am Reformationstag 2018. Quelle: Joachim Strunk
Berkenthin

 Mit dieser Anteilnahme, diesem Interesse und Engagement, der Begeisterung und dem Bekenntnis der etwa 1000 Menschen, die am Vormittag des Reformationstages 2018 zur Demonstration und Kundgebung der Kirchengemeinde Berkenthin für Mitmenschlichkeit und Toleranz – und gegen Rassismus und Populismus angereist waren, hatten sie nicht gerechnet.

„Überhaupt nicht“, gestand Pastor Wolfgang Runge hinterher. „Aber es war gewaltig, überwältigend, schön!“ Obwohl . . . – gehofft hatten er und seine Mitstreiter vom Runden Tisch Willkommenskultur, Annelie Tesche, Andrea Fernandes und Marc Hamdorf schon. Aber dann auf vielleicht 600 bis 800 Teilnehmer.

Größte Demo in Berkenthin

Die Polizei gab sich wie gewohnt zurückhaltend. Hauptkommissar Ralf Zabel, der den Demonstrationszug von der Amtsverwaltung über die Oldesloer- und Poststraße, am Gasthof Meier vorbei über die Kirchsteigbrücke zum Pastoratsvorplatz mit einem Kollegen und sechs Freiwilligen der Berkenthiner Feuerwehr begleitete, schätzte die Zahl bei „um 800 bis 850“ ein.

Bunt, viel und laut

Andere, wie der Amtsdirektor Frank Hase, waren optimistischer, so dass Wolfgang Runge die Gäste nach dem kurzen Gang durchs Dorf mit den Worten begrüßte: „Das war wohl die größte Demonstration, die Berkenthin bisher erlebt hat – mit mehr als 1000 Menschen“.

„Wir sind laut, wir sind laut!“

Und wenn es auch nur 999 Leute gewesen wären – Väter, Mütter, Kinder, Großeltern und Familien, Freunde und Vereinskollegen, Ehrenamtler und Aufrichtige, aus den Nachbardörfern und -ämtern, aus Ratzeburg, Mölln oder Lübeck –, sie machten auf jeden Fall Lärm für weit mehr als 1000. Denn das Motto, das Wolfgang Runge und seine Koordinatoren ausgegeben hatten, lautete „Wir sind nicht still!“.

Diesen Satz rief er den Menschen auch zu, als sich alle nach dem knapp halbstündigen Marsch am Pastorat versammelt hatten. Und die Menge skandierte zurück: „Wir sind laut, wir sind laut!“ Dabei ging es allen um „grundlegende Werte der Gesellschaft: Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Anstand, Toleranz und Integration“, so Pastor Runge. „Dass wir zusammen stehen – hier in Berkenthin und in der ganzen Gesellschaft.“

„Wünsche spürbares Echo“

Für seine Worte bekam er immer wieder – wie auch die anderen Redner der Grußworte – spontanen Applaus und begeisternde Zurufe. „Wir brauchen keine Angstmacherei und keine Hetze, sondern wir sind mutig und wir sind stark – und wir sind viele!“, sprach er den versammelten Menschen aus dem Herzen.

Landrat Dr. Christoph Mager ließ sich persönlich entschuldigen, schickte aber ein Grußwort: „Ich wünsche Ihnen für Ihre Kundgebung ein gutes, spürbares Echo. Vieles in unserem Land, in unserem Kreis und in unseren Gemeinden ist verbesserbar. Allerdings geht es den Menschen bei Lichte betrachtet besser als vor wenigen Jahren.

„Viel Herzblut“

Gleichwohl scheint es jeden Tag mehr Polemik, Desinformation und Vorurteile zu geben. Und damit einhergehend immer mehr Unzufriedenheit. Ich hoffe, dass Ihr Einsatz hier und heute zu mehr Nachdenken führt, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Und ich wünsche Ihnen, dass Ihre Kundgebung zu der Erkenntnis beiträgt, dass wir Menschen sind und alle noch ein klein Bisschen dazu lernen können.“

Danach ergriff Iris Runge, Bürgermeisterin von Sierksrade und Vorsteherin des Amtes Berkenthin, das Wort. Sie dankte den „lieben Mitstreitern und Organisatoren. Danke für das Engagement, danke für die Idee, danke für viel Herzblut“. Die vielen Menschen hier zeigten ihr, dass „viele hinhören, aber nicht alles hinnehmen, was um uns herum passiert“.

„Kompromisse sind keine Schwäche“

Das Amt und die Gemeinden in und um Berkenthin hätten viel getan für die Flüchtlinge. All den Engagierten gelte dafür Dank. Man müsse zwar immer noch Kompromisse machen, „aber Kompromisse sind eine Stärke und keine Schwäche“ (Applaus).

Mit ihr auf der improvisierten Bühne stand der 15-jährige Haseeb aus Afghanistan, der mittlerweile mit seiner Familie in Groß Weeden eine Heimat gefunden hat: „Ich wollte Danke zu Euch sagen an alle, die ihr uns so geholfen habt. Und wir fühlen uns hier sehr wohl – danke sehr!“ (Applaus)

Bei Krakeelern nicht still sein

Bürgermeister Michael Grönheim aus Berkenthin bekam ebenfalls Beifalls für seine Aussage: „In diesen Tagen 2018 habe ich das starke Gefühl, dass sich Geschichte wiederholt. Wenn sich weite Teile einer im demokratischen Verfahren gewählten Partei (= AfD, d. Red.) in den Parlamenten öffentlich hinstellt und offen rassistische, antisemitische und antidemokratische Parolen krakeelt, darf man nicht still sein.“

Pröpstin Frauke Eiben aus Ratzeburg kam auf die aktuelle Diskussion der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit zu sprechen. Das interessiere sie eigentlich gar nicht. Viel mehr sei ihr eine andere Art der Zeitenwende aufgefallen, nicht nur hierzulande, sondern überall in Europa.

Menschlichkeit first

„Ich meine das deutliche Abrücken von demokratischen Werten und Grundhaltungen hin zu einem Nationalismus und ,mein Land zuerst’.“ Ich will das nicht, Sie wollen das auch nicht! Nicht in unserem Namen. Kein Rassismus, keine Menschenfeindlichkeit, kein Rumtrampeln auf den Werten unseres Grundgesetzes. Wir brauchen eine Zeitumstellung in unserem Land, die heißt Menschlichkeit first, Nächstenliebe first und Schutz der Schwachen first. Demokratie stärken, üben und vor allem leben!“

Flagge zeigen

Die Gäste der Veranstaltung wie etwa Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß und Bürgervorsteher Ottfried Feußner waren – wie alle Teilnehmer – des Lobes voll über die Veranstaltung. Feußner: „Ich bin über Gebühr begeistert über die Resonanz derjenigen, die nicht still bleiben wollen. Eine tolle Aktion hier in Berkenthin, die hervorragend organisiert wurde.“ Und Bürgermeister Voß ergänzte: „Gerade im ländlichen Raum, wo oftmals viele rechtspopulistische Tendenzen entstehen und erstarken, ist es wichtig, Flagge zu zeigen. Ich bin auf die Berkenthiner richtig stolz für ihre Veranstaltung.“

Dafür, erklärte nicht nur Voß, sondern auch Pastor Runge und Pröpstin Eiben, sei der Reformationstag ein idealer Tag, um sich laut und fröhlich im Sinne von Bürgersinn und Demokratie zu engagieren. Schlusssatz von Ottfried Feußner, Bürgervorsteher in Ratzeburg: „Gemeinsam sind wir stark!“

Joachim Strunk

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