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Knicken: Wer hat den schwarzen Peter?

Ratzeburg Knicken: Wer hat den schwarzen Peter?

Grüne kritisieren „unverhältnismäßigen Kahlschlag“ — Straßenbau-Chef Sommerburg rechtfertigt sich und moniert, dass Naturschützer oftmals die Einladungen des LBV zur Ortsbegehung nicht wahrnehmen.

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Auch an den beiden Ab- und Zufahrten an der Bundesstraße 207 bei Mölln (links Mölln-Nord, rechts Mölln-Süd/Alt-Mölln) wurde im Winter 2013/14 das so genannte „Straßenbegleitgrün“ großflächig entfernt. Kritiker sprachen von einem „Kettensägen-Massaker“.

Ratzeburg. Die Forderung der Kreis-Grünen, dass sich der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) stärker mit den Naturschutzbehörden ins Benehmen setzen soll, sofern Baumfällungen oder Knick-Maßnahmen an den Straßenrändern geplant sind, hält Jens Sommerburg für überflüssig. Diese Absprachen seien längst Praxis, so der LBV-Chef gegenüber den Lübecker Nachrichten.

Rechtzeitig vor der beginnenden „Knick-Saison“ meldeten sich die Kreis-Grünen vergangene Woche zu Wort: Bevor es in den kommenden Wochen bis Mitte März wieder reihenweise zu Baumfällungen entlang der Straßen im Kreis Herzogtum Lauenburg kommt, fordern sie vehement die Beteiligung des Naturschutzes bei solchen Unterhaltungsmaßnahmen ein.

Hintergrund seien massive Eingriffe in den Baumbestand in den vergangenen Jahren, die zum Teil zu heftigen Protesten in der Bevölkerung geführt hatten. Insofern hatte sich die grüne Kreistagsfraktion ausgiebig mit den Rahmenbedingungen der Gehölzpflege befasst und mit den Behörden die Eingriffe erörtert. Ihr Fazit nach eigenen Recherchen: Es sei vielfach völlig überzogen in den Baumbestand eingegriffen worden.

In der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Energie, Umwelt und Regionales hatten daraufhin Manfred Schmidt vom Umweltministerium und Mathias Werner vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr aus Kiel den überarbeiteten Leitfaden für die Gehölzpflege vorgestellt (www.lbv-sh.de — Aufgaben — Umwelt — Leitfaden Gehölzpflege). Darin ist vorgesehen, die Arbeiten in einem Jahresplan festzulegen.

Vor der Maßnahme müsse ein Ortstermin zur Begutachtung anberaumt werden, zu dem auch die Untere Naturschutzbehörde einzuladen sei. Dem Naturschutzbeirat und Vertretern der Naturschutzverbände sei eine Teilnahme ausdrücklich erlaubt, vor größeren Eingriffen sei auch die Öffentlichkeit zu informieren.

„Schon seit Jahren praktizieren wir das. Vor der Umsetzung eines entsprechenden Grünpflegeprogramms laden wir regelmäßig zu Gehölz- und Baumschauen ein. Das wird bloß nicht immer von den Vertretern des Naturschutzes wahrgenommen“, gibt Sommerburg die Kritik zurück.

In der Regel seien die Maßnahmen ohne Beanstandung. Das ginge auch nicht anders: „Wenn wir Aufträge an Fremdfirmen vergeben, dann geht damit einher die Kontrolle während der Arbeiten und eine Abnahme zum Schluss.“ Früher sei es wohl häufiger zu radikalen Fällungen gekommen. Das sei allerdings im Zusammenhang mit dem Knickverbot bis in die 90er Jahre zu sehen gewesen. Normalerweise sollen Knicks alle zehn bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt werden, damit sie innen nicht vertrocknen und zum Frühjahr neu austreiben. Bei damals noch längeren Zeiträumen des wilden Wucherns seien dann Knicks radikal abrasiert worden. In Einzelfällen sei das in den vergangenen Jahren auch noch an der ehemaligen Landesstraße 221 zwischen Klempau und Berkenthin oder an den beiden Möllner Abfahrten an der B 207 vorgekommen. Diese Abholzungen seien „des Guten zu viel“ und somit Fehler gewesen, gesteht Sommerburg.

Henner Niemann, Leiter des Eigenbetriebs Kreisforsten, war vor dieser Tätigkeit Forstamtsleiter im Neckar-Odenwald-Kreis an der bayrisch-hessischen Grenze von Baden-Württemberg und zugleich ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter: „Dort gab es eine Vereinbarung zwischen Straßenmeisterei, dem städtischen Grün und dem Naturschutz über gegenseitige Information.“ In Einzelfällen habe es bei den Grünschnitten tatsächlich Nachholbedarf gegeben, wenn aus bestimmten Gründen wie später Schneefall oder Straßenräumdiensten im Frühjahr länger nichts gemacht werden konnte. „Aber wenn, dann mit Augenmaß. Also nicht ganze Heckenstreifen niedermähen, sondern nur abschnittsweise. Da ist schon eine höhere Sensibilität angezeigt.“

Jörg Thun, Leiter des Forst- und Grünflächenamtes der Stadt Mölln, kann manche Proteste in der Vergangenheit nachvollziehen. Der Straßenbau habe oftmals ein größeres Privileg bei solchen Baumfällmaßnahmen. Formal sei es meist nicht zu beanstanden. In den Augen des normalen Betrachters seien rigorose Schnitte, vor allem wenn es sich um anscheinend gesunde Gehölze handele, dagegen eine Provokation. In Mölln werde aus diesen Gründen seit Jahren Wert gelegt auf umfassende Information der Entscheidungsträger, der Politik und der Öffentlichkeit.

„Schnitt-Griffy HS 760“ setzt Gehölz auf den Stock
Im Ziegeleier Weg in Nusse wird ein Knick auf den Stock gesetzt. Die Arbeit wird von einem „Yanmar“-Bagger (74 PS) bewältigt. Die Gummiketten gewährleisten die Schonung des Untergrundes — und damit der Wintersaaten. Am Bagger ist die „Schnitt-Griffy HS 760“ angebaut. Sie zeigt Büschen und Geäst, was in ihr steckt, seitlich überragendes Astwerk wird abgeschnitten. Während des Schnitts wird das Holz von den vier Greifern als Bündel festgehalten. Zuletzt „putzt“ ein Mitarbeiter mit der Motorsäge nochmals nach, damit es schön sauber aussieht. F. J. Flint

Joachim Strunk

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