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Lauenburg Kommt jetzt die Wertstoff-Tonne?
Lokales Lauenburg Kommt jetzt die Wertstoff-Tonne?
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09:31 06.07.2017
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt eine Mülltrennung und eine Abfallhierarchie vor. Nach der Müllvermeidung haben die Vorbereitung zur Wiederverwertung, das Recycling und die sonstige Verwertung – insbesondere die energetische Verwertung – Vorrang. Quelle: Foto: V. Schulz/keystone
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Der Bundestag hat ein neues Verpackungsgesetz beschlossen. Ziel ist es, mehr Wertstoffe möglichst schon in den Haushalten getrennt zu sammeln. Für die kommunalen Abfallentsorger wie die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) oder der Wegezweckverband Segeberg (WZV) bedeutet das vor allem mehr Arbeit – und bis es soweit sein wird jede Menge Diskussionen mit den Vertretern des Dualen Systems. Denn es geht um viel Geld. Bei den Bürgern könnte am Ende eine weitere Tonne auf dem Hof stehen – die Wertstoff- Tonne.

Recyclebare Abfälle sollen künftig stärker getrennt gesammelt werden.

Im Idealfall werden darin künftig dann nicht nur der bisherige Inhalt der Gelben Säcke gesammelt, sondern auch nicht mehr benötigte Haushaltsgegenstände vom Quietsche-Entchen bis zum Gartenschlauch.

Sie gehören zu den „stoffgleichen Nichtverpackungen“ (SNVP). Damit es soweit kommt, müssten sich AWSH, WZV und Co. zunächst mit den profitorientierten Vertretern des Dualen Systems einigen, wie sich dann die Kosten verteilen. In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg ist das die zur Buhck-Gruppe gehörende Möllner Firma Damm, im Kreis Segeberg die Elbe Containerdienst GmbH aus Wedel. Eine parallele Sammlung von den Leichtstoffverpackungen in den Gelben Säcken durch diese Firmen und einer Entleerung der neuen Wertstoff-Tonnen durch die AWSH oder den WZV gilt als unwirtschaftlich und technisch nicht realisierbar.

„Das 1994 eingeführte Duale System für den Verpackungsmüll ist ein Milliardengeschäft. Entsprechend schwierig sind da die Verhandlungen mit den Betreibern“, prognostiziert dennoch AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel. Denn der Gesetzgeber habe sich – wie so oft – zu der konkreten Umsetzung nicht genau geäußert. In den beiden Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn geht es allerdings voraussichtlich nur um rund 2000 Tonnen pro Jahr, die zusätzlich anfallen, sortiert und verwertet werden müssten.

Dafür müssten aber etwa 120000 Wertstoff-Tonnen im Verbreitungsgebiet der AWSH regelmäßig geleert werden. Die zusätzlichen Kosten dafür schätzt Kissel auf „um die sechs Euro im Jahr“ – ein Kostenvolumen von 700000 bis 800 000 Euro. Da die öffentlichen Abfallentsorger per Gesetz zu einer getrennten Sammlung verpflichtet seien, müssten diese umgelegt werden. Eine Alternative wäre, dass die Bürger den SNVP- „Abfall“ selbst zu den Recyclinghöfen bringen müssten.

In den Verhandlungen zwischen Vertretern des für die Gelben Säcke zuständigen privatwirtschaftlichen Dualen Systems und der kommunalen Abfallwirtschaft geht es vor allem um den Anteil, den Quietsche-Entchen und Co. am späteren Gesamtaufkommen der Wertstoff-Tonne haben werden.

Kompliziert wird es, weil schon jetzt immer wieder kommunaler SNVP-Abfall in den privatwirtschaftlichen Gelben Säcken entsorgt wird – die Abfallwirtschaft spricht von „intelligenten Fehlwürfen“ – und umgekehrt auch Verpackungsmüll wie Jogurtbecker – für den wiederum die Privatwirtschaft verantwortlich ist – im Restmüll landet. Hinzu kommt Verpackungsmüll, deren Produzenten sich um eine Kostenbeteiligung im Dualen System illegalerweise drücken – „nicht lizensierter Verpackungsabfall“. AWSH-Chef Kissel erwartet, dass daher am Ende auch Gutachter diese Anteile werden ermitteln müssen.

Im Kreis Segeberg hat es bereits erste Modellversuche mit einer Wertstoff-Tonne gegeben, wenn auch nur als Sammelbehälter für den Gelben-Sack-Wertstoff. Auch ein Bringsystem an den Recyclinghöfen ist dort beim Wegezweckverband bereits etabliert.

„Die dort gesammelten Mengen sind aber sehr überschaubar und werden sicher nicht reichen, um das Ziel zu erreichen“, sagt Verbandssprecher Jens Kretschmer, der auch im Vorstand der Landesgruppe Nord des Verbandes kommunaler Unternehmen ist. Außerdem sei so ein Bring-System genauso wie eine getrennte Sammlung dem Kunden nicht vermittelbar. Umgesetzt werden muss das neue Gesetz bis 2019.

Kretschmer geht davon aus, dass die Auswirkungen des gerade verabschiedeten neuen Verpackungsgesetzes in den kommenden Monaten erst einmal genau analysiert werden. Dazu werde es nach den Sommerferien erste Informationsveranstaltungen des Verbandes geben. Ziel werde sein, mit den kommunalen Verbänden erst eine einheitliche Linie zu finden und sich dann mit den einzelnen Anbietern des Dualen Systems zusammenzusetzen. Denn über eines ist sich Kretschmer auch klar. „Für den Bürger ist alles Müllabfuhr.“ Wenn es Probleme gebe, würden die Bürger beim Wegezweckverband oder der AWSH anrufen – auch wenn es die meisten Beschwerden über die Gelben Säcke des Dualen Systems gebe.

Abfallentsorgung

Für die klassische Müllabfuhr privater Haushalte samt Altpapier und Biotonne sind die Kommunen verantwortlich. Gewerbebetriebe müssen ihre Abfallentsorgung selbst regeln.

Verpackungen müssen von den Verursachern entsorgt werden. Dafür zahlen die Hersteller eine Lizenzgebühr an das Duale System und dürfen den Grünen Punkt auf ihre Verpackungen drucken. Die Gelben Säcke sammelt das Duale System ein.

 Holger Marohn

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