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Lauenburg Kontrolle und Inkasso: Sky macht Druck auf „abtrünnige“ Kunden
Lokales Lauenburg Kontrolle und Inkasso: Sky macht Druck auf „abtrünnige“ Kunden
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11:27 25.10.2013
Jetzt bleibt der Fernseher aus — zumindest für Bezahlsender: Dirk Freinsheimer betreibt den Lauenburger Hof in Sandesneben. Bis Anfang September war er Sky-Kunde und übertrug Fußball-Bundesligaspiele in seiner Gaststätte. Nach der Kündigung soll er nun wegen angeblich illegaler Vorführung eine hohe Geldstrafe zahlen. Quelle: Burmester
Sandesneben

Einige Jahre hat Dirk Freinsheimer in seiner Gaststätte „Lauenburger Hof“ in Sandesneben regelmäßig sonnabends die Spiele der Fußball-Bundesliga übertragen. Doch damit ist jetzt erst mal Schluss. Denn vor einiger Zeit hatte der Bezahlsender Sky seine Gebühren erhöht. Kurze Zeit später schickte Sky einen Kontrolleur. Der kam inkognito und erstattete seinem Auftraggeber Bericht. Nun soll Freinsheimer satte 5000 Euro Strafe und noch einmal über 1000 Euro Anwaltskosten zahlen, weil er angeblich unerlaubt das Programm des Bezahlsenders öffentlich gezeigt habe. Freinsheimer weist diesen Vorwurf, den die Anwaltskanzlei Komning aus Neubrandenburg ihm per Einschreiben zugestellt hat, entschieden zurück. In seinem TV sei nur die Übertragung der öffentlich-rechtlichen Sender ARD oder ZDF gelaufen.

Schon am frühen Abend jenes 24. September, wenige Stunden bevor der Kontrolleur plötzlich auftauchte, hatte der Gastwirt seinem Unmut über die Preiserhöhung gegenüber einem Journalisten Luft gemacht.

Dabei legte er Zahlen auf den Tisch, die die Erhöhung deutlich aufzeigten. Bis Ende August waren pro Monat für die Übertragungsrechte von „Sky“ in der Gaststätte 224,91 Euro netto fällig. Ab dem 1.

September zog der Sender seine Preise für Gaststätten an, fortan sollte Freinsheimer pro Monat 367,71 Euro netto zahlen. Das sind stolze 142,80 Euro mehr.

„Ich habe daraufhin zum 31. August gekündigt und bekam schnell Post von Sky“, erklärte der Gastwirt. In dem Schreiben sei er aufgefordert worden, seine Schlüssel-Karte zurückzusenden. Dem sei er auch nachgekommen. Der Sender hatte ihm eine Frist von acht Tagen eingeräumt und bei Nichterfüllung mit einem Inkassounternehmen gedroht. „Für mich völlig unverständlich, zumal ich während meiner Zeit als Kunde von Sky mir nie etwas zu Schulden habe kommen lassen. Auch bezahlt wurde dank Abbuchung immer pünktlich.“

Auf LN-Anfrage bestätigte Sky-Sprecherin Britta Krämer die Preiserhöhungen zum 1. September. Dafür habe ihr Unternehmen eine Studie und Marktforschung in Auftrag gegeben. Früher habe man die Gebühren nach der Fläche der Gaststätte berechnet. „Jetzt spielen regionale Faktoren eine Rolle. Wir gehen dabei nach der Bevölkerungsdichte, nach der Kaufkraft, nach der Sportaffinität der Bevölkerung und danach, ob ein Bundesligaverein in der Nähe ist oder nicht“, so Krämer. Dass Sky gerade nach Kündigungen bei öffentlichen Vorführungsstätten Kontrolleure über einen externen Dienstleister schickt, ist der Pressesprecherin bekannt. Über deren Arbeitsweise konnte Krämer allerdings keine Angaben machen. Den LN sagte Krämer, dass trotz der Preiserhöhung kaum Gaststätten gekündigt hätten. Die Zahl derer, die es getan hätten, nannte sie verschwindend gering. Anwalt Komning aus Neubrandenburg berief sich auf seine anwaltliche Schweigepflicht und wollte nichts zu dem Thema sagen. Gastwirt Freinsheimer wird nicht zahlen und sieht einem eventuellen Prozess gelassen entgegen.

Bezahl-TV in der Gastronomie: Ganz oder gar nicht
Sky-Sprecherin Britta Krämer erklärte, nur wenige Gastwirte hätten nach der Preiserhöhung des Bezahlsenders Anfang September ihre Verträge gekündigt. Zu denen, die kein Bezahlfernsehen mehr öffentlich zeigen, gehört auch Dennis Freinsheimer vom Linauer Hof in Linau. Ihm sei es schlicht zu teuer geworden, erklärt er im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten.

In Gothmanns Hotel in Breitenfelde, Fußballhochburg und Vereinslokal eines HSV-Fanclubs, gibt es keine Sky-Übertragungen. Dort wurde zu letzt öffentlich das Bezahlfernsehen von „Premiere“ gezeigt.
Im Sportheim Berkenthin gehen die Übertragungen vorerst noch weiter. Gastwirt Thomas Scharbow ist erst seit wenigen Wochen Pächter dort und will beobachten, wie dieses Angebot von seinen Gästen überhaupt angenommen wird. Er muss 179 Euro netto zahlen, vorher waren es etwa 130 Euro.

Bei Lars Hörchert im Sportheim Krummesse ist eine Kündigung überhaupt kein Thema. „Hier ist immer viel Betrieb während der Übertragungen. Als Sportlerheim mit dem Sportverein im Rücken zahlt Hörchert nach der Erhöhung 233 Euro netto im Monat. Vorher waren es 157 Euro.

Jens Burmester

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