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Kontroverse Diskussionen um lang ersehnte Gutachten

Lauenburg Kontroverse Diskussionen um lang ersehnte Gutachten

Applaus für die Ergebnisse der Untersuchungen zum Lauenburger Hochwasserschutz — Anwohner fordern schnelle Umsetzung — Gegner vermissen wirksamen Schutz.

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Bei 9,40 Metern stand die Elbe beim Hochwasser 2013. Heute erinnern in der Altstadt Banner daran.

Lauenburg. 34 Millionen Euro sollen in Lauenburg in den Hochwasserschutz investiert werden. 19 Millionen davon in der Altstadt. Doch nicht alle Anwohner der historischen Bauten sind damit zufrieden. So gab es bei der Vorstellung der Gutachten in der rappelvollen Lauenburger Osterwold-Halle nicht nur viel Applaus für Umweltminister Robert Habeck (Grüne), sondern auch Kritik. Vor allem, weil es nicht die von einigen gewünschte Spundwand mit neuer Promenade gibt. Die Kritik konterte der Minister mit Zitaten aus den Protokollen.

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Applaus für die Ergebnisse der Untersuchungen zum Lauenburger Hochwasserschutz — Anwohner fordern schnelle Umsetzung — Gegner vermissen wirksamen Schutz.

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Holger Marohn über

den Hochwasserschutz der Lauenburger Altstadt

„Was wir hier präsentieren, sind die ersten Erkenntnisse zur Situation am Elbhang, die es jemals gegeben hat“, sagte Geologe Hanjo Hamer. Zwar dringe bei Hochwasser von der Elbe Wasser in den Untergrund ein, aber das sorge nicht dafür, „dass die Bodenteilchen anfangen zu tanzen“. Es gebe Hebungen und Setzungen im Millimeterbereich, aber keine Ausspülungen. Aber da sei seit Jahrhunderten so. Und auch der Hang rutsche nicht deshalb. „Letztlich kann man bei so etwas nicht gegen die Auswirkungen der Natur arbeiten“, sagte Hamer. Und weil keine Ausspülungen stattfänden, sei eben auch keine Spundwand als Sickerschürze erforderlich. „Der Boden hatte tausende Jahr Zeit, ausgespült zu werden, ist er aber nicht“, sagte Hamer. Grund für die Probleme der Standfestigkeit der Häuser sind nach Ansicht der Gutachter vielmehr Fehler bei der Gründung der Häuser vor hunderten von Jahren. So sei der Grund vielfach einfach mit Sand aufgefüllt werden und schlechter Untergrund nicht ausgetauscht worden. Eine Abdichtung der vorhandenen Mauern mit entsprechenden Erhöhungen, Schotte vor tieferen Fenstern und Türen und an einigen Stellen vorgesetzte neue Mauerabschnitte in Kombination mit mobilen Schutzwänden in den Twieten, Dränagen und Pumpen, seien daher ausreichend, so die Gutachter.

„Ich habe das Gefühl, wir bekommen gar nichts“, sagte Peter Willbrandt als Vertreter der Anwohner vor den gut 150 Besuchern der Veranstaltung. Es gebe mehr Fragen als vorher. Wir sind weit weg von dem, von dem man einmal ausgegangen sei. Die vorgestellten Varianten seien kein öffentlicher Hochwasserschutz. In die gleiche Kerbe schlug Professor Manfred Voigt vom Wissenschaftlichen Beirat. Man habe sich deutlich von dem entfernt, was man in der Bürgerbeteiligung erarbeitet habe. Statt die Grundwasserbewegung im Hang zu untersuchen, hätte der Untergrund der Häuser in der ersten Reihe im Mittelpunkt stehen müssen. „Die Umlagerungen sind die einzigen Gründe, warum wir die Schrägstellung in den Gebäuden haben“, sagte Voigt. Vorwürfe, bei denen Minister Habeck sauer wurde. „Sie verändern jetzt ihre Argumentation. Es ging immer darum, dass der Hang nicht rutscht“, sagt Habeck und zitierte aus der geschlossenen Vereinbarung. „Jetzt zu unterstellen, wir machen etwas, was nicht vereinbart war, stimmt nicht“, sagte Habeck. „Jetzt kann man sagen, uns gefallen die Gutachten nicht. Aber man kann nicht sagen, dass wir hier etwas gedreht haben und nicht gründlich waren“, sagte Habeck.

Die Gutachten basierten auf der Vereinbarung, die man vor eineinhalb Jahren geschlossen habe. Man habe die Gutachter gemeinsam ausgesucht. Das Land habe die Kosten übernommen und man habe vereinbart, die Ergebnisse zu akzeptieren. Wenn das nun nicht mehr gelten solle, müsse Lauenburg eben „in die Extrarunde gehen“. „Aber wir haben hier als Land 450000 Euro für Gutachten ausgegeben und da kann ich als Minister nicht sagen, mich interessieren die Gutachten nicht“, sagte Habeck und erntete Applaus. Voigt sieht sich nicht an die Vereinbarung gebunden: „Ich gehöre nicht zu den Unterzeichnern. Ich bin ein freier Wissenschaftler.“

Doch die Kritiker bekamen Gegenwind. „Mich nervt der Diskussionston, der hier herrscht. Wir leben mit den Häusern. Ich bin glücklich mit den Ergebnissen“, sagte Grünen-Stadtvertreterin Katharina Bunzel. Friederike Bethge forderte eine schnelle Umsetzung. „Wenn es das ist, was uns schützt, bin ich sehr dafür, dass wir die Ergebnisse heute hier akzeptieren, damit wir zügig mit dem Hochwasserschutz loslegen können“, sagte Bethge.

Erster Stadtrat Jens Meyer (SPD) gab die Marschroute der Stadt aus. „Es macht nach den Ergebnissen der Gutachten keinen Sinn, die konkreten Planungen jetzt weiter hinauszuzögern. Wir konnten hier heute nicht den Eindruck erlangen, dass es sich um gekaufte Gutachten gehandelt hat“, sagte Meyer.

Die Chance ist da — packt es an

Die Gutachten liegen auf dem Tisch. Die Ergebnisse sind eindeutig. Eine Spundwand ist nicht erforderlich, weil der Hang nicht wegen des Grundwassers rutscht. Dass diese Ergebnisse nicht allen gefallen würden, war zu erwarten. Doch die Häuser in vorderster Elbefront haben die Vorväter bereits vor Jahrhunderten buchstäblich auf Sand gebaut. Wer dort wohnt, muss das wissen. Genauso, wie dass die Elbe seit Jahrhunderten regelmäßig über ihre Ufer tritt.

Wenn es jetzt durch den neuen Hochwasserschutz gelingt, dass die Elbstraße trocken bleibt, Möbel nicht mehr aus dem Erdgeschoss geräumt werden müssen und allenfalls eine gute Handvoll Keller unter Wasser stehen, ist für die Anwohner viel gewonnen.

Keinesfalls darf es wieder so laufen wie vor zehn Jahren. Kaum war das Hochwasser vergessen, verhinderten einige Wenige einen wirksamen Schutz. Und als die Flut 2013 dann kam, war das Gejammer groß.

Also: Das Geld steht bereit, die Chance ist da — genau wie die politische Unterstützung. Packt es an.

Von Holger Marohn

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