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Kranführer aus Mölln verurteilt: Fallende Steine töteten Polier

Ratzeburg Kranführer aus Mölln verurteilt: Fallende Steine töteten Polier

Aus sechs Metern Höhe fielen Steine auf einen 30-Jährigen Polier - die Ladung war nicht ordentlich gesichert. Nun sprach das Amtsgericht Ratzburg das Urteil: Es lautet auf fahrlässige Tötung.

Ratzeburg. Starker Schneefall machte die Arbeit auf der Baustelle des Möllner Neubaugebietes „Auf dem Steinfeld“ immer schwerer. Die Arbeiter waren kurz davor, die Maurerarbeiten an den Reihenhäusern abzubrechen. Nur den Mörtel aufbrauchen, nur noch ein paar Paletten mit Steinen für den kommenden Tag in den Rohbau bringen. Für den 30-jährigen Polier Marco B. endeten diese letzten Handgriffe tödlich.

Kranführer Michael B. (44) nahm nach Erkenntnissen des Gerichts eine schwere Palette mit Steinen auf die Gabel und lenkte sie am Kran in etwa sechs Metern Höhe mittels Fernbedienung über den Rohbau. Plötzlich rutschte die Palette ab, Michael B. sah nur noch aus dem Augenwinkel, dass sein Kollege Marco B. von der Last getroffen wurde.

Der Warnruf des Kranführers verhallte wirkungslos. Der 30-Jährige verblutete am 2. Februar 2013 auf der Baustelle. Gestern ist Michael B. wegen fahrlässiger Tötung vom Amtsgericht Ratzeburg zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden, weil er die Last nicht ordnungsgemäß gesichert hatte.

„Es kommt immer wieder hoch, wenn ich den Kran bewege“, sagte Michael B. und blickte zu Boden. Der Mann auf der Anklagebank zeigte sich von Anfang an geständig, machte während des Prozesses nicht den Eindruck, zu taktieren. Er habe auch privat mit Marco B. Zeit verbracht, mit ihm zusammen Motorradtouren gemacht. Und Richter Martin Mrozek ist sich sicher, „den Angeklagten wird dieses Ereignis ein Leben lang verfolgen“.

Doch vor allem die Familie des Verstorbenen, die als Nebenklägerin auftrat, wirkte schwer gezeichnet. Blass und mit trauriger Miene verfolgte die Schwester den Prozess am Pult der Nebenklage. Keiner unterstellte Michael B. Vorsatz. Mit Fingerspitzengefühl versuchten Staatsanwaltschaft, Richter und Verteidigung, die Tragödie aufzuklären und allen Parteien gerecht zu werden. Eines steht wohl fest:

Michael B. sicherte die in Plastikfolie eingeschweißten Porenbetonsteine nicht mittels Kette an der Krangabel, was den Tod des Poliers hätte verhindern können. Die so genannte „Laufkatze“ des Krans, welche die Last nach hinten und vorn bewegt, kam über dem Rohbau zum Stehen. Dabei rutschte die Palette ab. „Bei losen Steinen mache ich immer die Kette rum. Bei eingeschweißten ist noch nie etwas passiert“, erklärte der Angeklagte.

Staatsanwalt Dirk Hartmann plädierte für eine sechsmonatige Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit. Er nannte die Tat „Augenblicksversagen“. Auch die Verteidigung forderte sechs Monate, plädierte jedoch darauf, die Bewährungszeit auf zwei Jahre festzusetzen. Die Nebenklage forderte ein Jahr Freiheitsstrafe, sah bei Michael B. eine „strukturell bedingte Verletzung der Arbeitssicherheit“. Dieser Meinung schloss sich Mrozek an: „Es war eine tödliche Routine.“ Sein Urteil fiel jedoch aus drei Gründen milder aus: Der Angeklagte ist nicht vorbestraft, zeigte sich von Anfang an geständig und leidet unter der Tragödie. Michael B. hatte der Familie des Verstorbenen einen „Kondolenzbrief“ zukommen lassen.

Der Verurteilte trägt die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage. Für die Strafe gilt eine Bewährungszeit von zwei Jahren, ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Er muss außerdem 2000 Euro anteilig an das Don-Bosco-Haus in Mölln und die Jugendhandballer „Tills Löwen“ zahlen.

Strafmaß des Vergehens
Fahrlässige Tötung wird in Paragraph 222 des Strafgesetzbuches erläutert. „Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es dort.

Florian Grombein

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