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Lauenburg Krebskranker Notarzt will wieder helfen
Lokales Lauenburg Krebskranker Notarzt will wieder helfen
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10:05 22.02.2016
Notarzt Thorsten Salamon (links) geht es deutlich besser. Mit LN-Reporter Jens Burmester spricht er erstmals über seine Erkrankung und die bangen Momente, die er durchlebt hat. Die LN trafen ihn im Hangar des Helikopters „Christoph Hansa“ in Hamburg-Boberg. Quelle: Fotos: Jens Burmester
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Hamburg-Boberg

Drei Monate sind seit der Diagnose „Leukämie“ vergangen. Jetzt spricht Dr. Thorsten Salamon erstmals öffentlich über bange Momente und ganz viel Hoffnung.

Ich will am liebsten im Mai wieder anfangen zu arbeiten.“Dr. Thorsten Salamon, an Leukämie erkrankter Notarzt

Die LN hatten die Gelegenheit, den erkrankten Notarzt zu treffen, dessen Schicksal in der Region eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst hatte.

Bislang galt Salamon als Hochrisikopatient, schon allein wegen der Tatsache, dass diese Form der Krankheit äußerst selten ist. Doch als der LN-Reporter in die Hallen der Basis des Rettungshubschraubers „Christoph Hansa“ am Berufsgenossenschaftlichen Krankenhaus in Hamburg-Boberg kommt, empfängt ihn ein Mensch, dem man seine Krankheit überhaupt nicht ansieht. „Hallo, ich bin Thorsten“, sagt der Doktor und bietet einen Platz an einem Tisch an, an dem eigentlich eine strenge Sitzordnung herrscht. „Hier frühstücken wir jeden Morgen und da hat halt jeder seinen Platz, Notarzt, Pilot und Rettungsassistent“, erklärt Salamon.

Auf die Frage, wie es ihm denn zur Zeit gehe, antwortet er wie selbstverständlich: „Mir geht es gut.“ Und er lacht dabei. Man merkt ihm an, dass er sich selbst wohl am meisten über genau diese Antwort freut. Natürlich bemerkt der Doktor die fragenden Augen des Reporters und dann erzählt er ohne Aufforderung seine Geschichte. Erzählt, wie er ein großes Blutbild machen ließ und dann von einer Schwester gerufen wurde, die ihm dann das Ergebnis präsentierte.

Von einem Tag auf den anderen unheilbar krank zu sein, Blutkrebs zu haben, sei schon ein Schlag ins Kontor gewesen. „Da gehen einem 1000 Gedanken durch den Kopf. Familie, Beruf, Freunde.“ Er habe dann erst einmal weitergearbeitet, seine Schicht zu Ende gemacht. Er habe mit niemandem darüber gesprochen. Erst am nächsten Tag hat er sich dann seiner Frau anvertraut, später auch seinen Kindern.

Natürlich sei da die wohl völlig normale Frage „Warum Du? Warum ausgerechnet Du?“ aufgekommen.

Es ist Thorsten Salamon anzumerken, dass ihn die Sache noch immer bewegt, aber dennoch hat man das Gefühl, dass er über den Berg ist, dass er den Kampf längst aufgenommen hat. Mit dem Ziel vor Augen:

Ich will weiter leben. Ich gebe nicht auf. Niemals. Dann redet er mit seiner weichen, sonoren Stimme davon, was er für eine Therapie macht. Es sind Tabletten, die er seit einiger Zeit täglich schlucken muss. „Das ist eine Art der Chemotherapie, die allerdings gute Wirkung zeigt. Meine Blutwerte sind inzwischen fast normal“, sagt Salamon.

Ob allerdings die Werte seines Knochenmarks sich auch verbessert haben, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen. Gerade erst hat er im Krankenhaus St. Georg eine Punktion des Knochenmarks am Beckenkamm über sich ergehen lassen müssen. Die Proben seien nun nach München in ein Speziallabor geschickt worden und die Ergebnisse stehen noch aus.

„Momentan kann ich mit den Medikamenten gut leben“, sagt der Patient, der zugleich auch Arzt ist. „Zumindest gibt das Zeit. Zeit, nach einem Spender zu suchen, der quasi mein genetischer Zwilling ist.“

„Und was ist mit den Nebenwirkungen?“ Salamon lacht und zieht sein Hosenbein hoch. „Die Thrombosestrümpfe führen dazu, dass es juckt. Und das ist schon sehr nervig. Und ich habe ein wenig Wasser in den Beinen, aber das kann man ja mit Medikamenten behandeln.“ Der nächste Satz von Thorsten Salamon wird alle Menschen freuen, die an den Typisierungsaktionen teilgenommen haben oder Geld für den Notarzt in Not und andere Leukämiepatienten gespendet haben: „Ich hatte vor der Diagnose Leukämie geplant, mich an der Leiste operieren zu lassen. Das will ich jetzt schnell nachholen lassen und dann am liebsten im Mai wieder anfangen zu arbeiten.“

Und da ist es wieder, das listige Funkeln in seinen Augen und dieses Lächeln, das einen mitnimmt. Natürlich möchte Salamon auch gern wieder im Hubschrauber sitzen und fliegen. Diese grenzenlose Freiheit am Himmel genießen, die einst Reinhard Mey besang. Ihm geht es dabei aber darum, Menschen in Not zu helfen. Und das möchte er schnell wieder tun. Ob mit dem „Christoph Hansa“, ob als Notarzt an den Rettungswachen in Mölln und Geesthacht oder in Hamburg, wo er immer wieder in seiner Freizeit tätig war. Er ist Mitglied des Vereins „Notärzte im Herzogtum Lauenburg“.

Als wir uns nach über zwei Stunden voneinander verabschieden, weiß ich eines sicher: Dieser Mann gibt nicht auf. Er wird es packen. Und er wird als Notarzt wieder im Einsatz sein, um anderen Menschen zu helfen. Ich habe einen tollen Menschen mit einem großen Herzen getroffen, der der Realität ins Auge sieht und dennoch immer auch an die anderen denkt, die es vielleicht nicht so gut haben wie er.

Jens Burmester

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