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10:49 13.10.2018
Die intensive Ausweisung von Baugebieten wie hier mit dem symbolischen Spatenstich im Neubaugebiet Barkenkamp hat in Ratzeburg in den vergangenen Jahren für ein deutliches Bevölkerungswachstum gesorgt. Denn gerade in der Kreisstadt ist der Sterbeüberschuss so hoch wie in keiner anderen Region des Kreises. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Der Kreis Herzogtum Lauenburg wächst. Wohnten vor 18 Jahren knapp 180000 Menschen im Kreis, waren es 2015 schon 193000 Einwohner. Und 2030 sollen sogar knapp 195000 Menschen im südöstlichsten Kreis des Landes Schleswig-Holstein leben. Doch diese Erkenntnis allein reicht nicht. Um den Gemeinden zuverlässige Grundlagen für die weitere Entwicklung zu liefern, hat der Kreis eine kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose erstellen lassen. Und die liefert einige interessante Erkenntnisse. „Das Ziel ist zu schauen, wie die Entwicklung innerhalb des Kreises stattfindet und welche Folgen dies für den Bedarf an Wohnraumkapazitäten hat“, sagt Landrat Dr. Christoph Mager.  

„Neben der Bevölkerungsprognose für Schleswig-Holstein stehen mit dem Zensus 2011 nach langer Zeit auch wieder differenzierte Daten zur Zahl und zur Struktur der Privathaushalte in den einzelnen Gemeinden zur Verfügung“, heißt es zum Hintergrund der Studie. Die ermögliche nun eine „deutliche fundiertere Prognose zu erstellen, als dies mit den bisher eingesetzten Quotenverfahren möglich war“.

Grundlage für die neue Prognose sind dabei nicht nur der Zensus 2011 und Daten des statistischen Landesamtes, sondern auch Neubaugebiete der Vergangenheit und größere Siedlungsentwicklungsmaßnahmen in der Zukunft, größere Arbeitgeber und im speziellen der bereits getätigte und geplante Neubau von Seniorenwohnungen. Entsprechende Daten hatten die Gutachter bei den Städten und Gemeinden abgefragt. Und auch die Flüchtlingszuwanderung ist berücksichtigt, wenn auch gesondert ausgewiesen.

Sterbeüberschüsse sind ein Problem

Da sich die realen Einwohnerdaten in den vergangenen Jahren deutlich positiver entwickelt haben, als in der Landesprognose vorhergesehen, haben die Gutachter in ihre Studie ein zusätzliches Szenario „verstärkter Zuzug im gesamten Kreisgebiet“ definiert und gesondert ausgewiesen. Danach würde die Bevölkerungszahl 2030 an der 200000-Einwohner-Marke kratzen. Die großen Gewinner werden dabei erneut die Stadt Schwarzenbek (+900 Einwohner, +6 Prozent) aber vor allem Geesthacht (+2250 Einwohner, +8 Prozent) sein, Verlierer hingegen viele Ämter wie Berkenthien, Sandesneben-Nusse, das Amt Büchen ohne die Gemeinde Büchen und Lütau. Für den Bereich Büchen und das Amt Lütau würde diesen Trend auch das Szenario „verstärkter Zuzug im gesamten Kreisgebiet“ nicht umkehren.

Klar ist für die Gutachter: Nur weil immer mehr Menschen in den Kreis ziehen, kann die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung kompensiert werden. So werden in den betrachteten 15 Jahren bis zum Jahr 2030 zwar 14200 Menschen mehr sterben als geboren werden, dafür aber 18500 Menschen mehr in den Kreis ziehen als wegziehen.

Anteil der Senioren steigt

Allerdings warnen die Forscher, dass dieser Trend nur bis zum Jahr 2025 anhalten werden. Aufgrund kontinuierlich steigender Sterbeüberschüsse werde ab dann keine vollständiger Ausgleich mehr möglich sein und es zu einer „negativen Gesamtentwicklung kommen“, heißt es. Klares Zeichen dafür sei auch, dass der Anteil der über 65-Jährigen um 25 Prozent bis 2030 zunehmen werde.

In den vergangenen Jahren waren vor allem der Hamburg-Rand-Bereich mit der Gemeinde Wentorf mit einem Wachstum von 2234 Einwohner (22 Prozent) und das Amt Hohe Elbgeest (+2359 Einwohner, +14 Prozent) sowie die Stadt Schwarzenbek (+1433 Einwohner, +10 Prozent) die Gewinner. Aber auch der Kreisnorden mit der Stadt Ratzeburg (+944 Einwohner, +7 Prozent) und das Amt Berkenthin (+832 Einwohner, +11 Prozent) gehören zu den Boomregionen des Kreises. Im Vergleich der Regionen musste einzig die Stadt Lauenburg mit minus 557 Einwohner (-5 Prozent) einen deutlichen Bevölkerungsschwund verkraften. Auffallend ist dabei, dass praktisch alle Ämter und Städte ohne einen Zuzug von Menschen allein angesichts der Geburten und Sterbefälle geschrumpft wären. Nur in den Ämtern Hohe Elbgeest, Berkenthin, Breitenfelde und Lütau sowie der Stadt Schwarzenbek hielt sich diese natürliche Entwicklung fast die Waage.

Kreis will aus Daten Konsequenzen ziehen

Für den Kreis geht es nun darum, auch der Bevölkerungsanalyse die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Deshalb wird nun in einem zweiten Schritt aus der kleinräumigen Bevölkerungsprognose, die in der Endabstimmung befindliche Wohnraumbedarfsprognose 2030 entwickelt“, sagt Mager. Diese wiederum solle dann Eingang in die Entwicklungsziele des aufzustellenden Regionalplanes finden, sodass die Vorstellungen der Städte und Gemeinden im Kreis zur weiteren Entwicklung möglichst passgenau einfließen. „Damit könnte auch nicht zentrale Orten im Einzelfall bei guter Infrastruktur gestattet werden, sich in Bezug auf den Wohnraum mehr als zehn oder 20 Prozent zu entwickeln“, sagt Mager.

Der Zensus 2011, die letzte Volkszählung, hatte übrigens praktisch keinen Einfluss. Die Bevölkerungszahl des Kreises musste lediglich um 72 Personen nach oben korrigiert werden. Die Kosten für das Gutachten in der Höhe von 9500 Euro hat übrigens das Land übernommen.

Holger Marohn

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