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Lauenburg Lässt Kreis die VHS im Regen stehen?
Lokales Lauenburg Lässt Kreis die VHS im Regen stehen?
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19:46 30.11.2018
Der Vorsitzende des Kreis-Volkshochschulvereins und Leiter der VHS Ratzeburg Holger Martens mit dem aktuellen Programmheft in seinem Büro in der ehemaligen Barlach-Realschule. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Das Credo unserer Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und jetzt Olaf Scholz war und ist die „schwarze Null“: Sparen, bis der Arzt kommt. Das scheint auf Kreisebene kaum anders zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass gerade die Kommunen in einem offenen Brief an die Kreispolitiker eine Wiederherabsetzung der Kreisumlage und eine 4,5-Millionen-Euro-Förderung für das Kita-Sofortprogramm einforderten?

Nicht anders ergeht es Institutionen wie den Kreisvolkshochschulen oder dem Kreissportbund. Sie fühlen sich angesichts der verbesserten finanziellen Situation des Kreises stark benachteiligt. In den jüngsten Sitzungen des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses hatte die Kreisvolkshochschule die Anhebung der Jahresförderung von 10000 auf 80000 Euro beantragt.

Förderanträge im Einzelnen

Kreis-VHS: Antrag 80 000 Euro, bewilligt 15 000 Euro;

KIBIS: 30 000 Euro, 20 000 Euro;

Hilfe für Frauen in Not: 30 000 Euro, 30 000 Euro;

Awo interkulturell – Sprach-/Kulturmittlung: 1471,87 Euro, 1471,87 Euro;

Künstlerhaus Lauenburg – Stadtgalerie: 10 000 Euro, 10 000 Euro;

Stiftung Herzogtum Lauenburg – Jugendkulturarbeit: 10 000 Euro, 10 000 Euro;

KSV – Sportförderung: 620 000 Euro, 272 000 Euro

Vor dem Konsolidierungsprogramm des Kreises bis 2013 hatte die jährliche Förderung für die insgesamt elf VHS im Herzogtum Lauenburg 63 000 Euro betragen. Danach wurde die Unterstützung halbiert auf 33 000 Euro, in diesem Jahr wurde sie sogar auf 10 000 Euro gesenkt und für 2019 ebenso im Haushalt eingeplant.

„Der Kreis stiehlt sich aus der Verantwortung“

Der Vorsitzende des Kreis-Volkshochschulen-Vereins und Leiter der VHS Ratzeburg Holger Martens und seine Mitstreiter in den übrigen zehn VHS im Kreis finden die Entscheidung der CDU- und Grünen-Abgeordneten, die Förderung um 5000 auf 15 000 Euro anzuheben, „empörend“. Der Kreis, so Martens, „stiehlt sich – anders als das Land und die Kommunen – aus der Verantwortung“.

Die Aufstockung der Fördersumme auf 80 000 Euro jährlich begründet Martens mit der kreisweiten und flächendeckenden Bildungsversorgung (inklusive Angebot des ersten (Haupt-)Schulabschlusses), dem Ausbau der politischen Bildung, der Professionalisierung der meist ehrenamtlich geführten VHS-Leitungen durch passgenaue Fortbildungen, dem Voranbringen des Digitalisierungs-Prozesses sowie der überaus wichtigen Aufgabe der (nicht nur sprachlichen) Integration von Migranten.

Kein Bittsteller, sondern Pflicht zur Unterstützung

Die 80000 Euro verteilen sich so, dass im Schnitt jede VHS pro Semester 3600, die kleineren wie Dassendorf oder Berkenthin sogar weniger als 2000 Euro erhielten. Bei der Förderung in Höhe von 15 000 Euro erhält Dassendorf 198 Euro, Breitenfelde 241 und Aumühle 244 Euro.

VHS-Kostenbereiche

Auf Anfrage des Ausschusses listete Holger Martens die Kosten für einzelne Bereiche wie folgt auf:

27500 Euro für Digitalisierung (Fortbildung eigener Dozenten; Angebotserweiterung durch Webinare; Erweiterung der technischen Infrastruktur)

7700 Euro für politische Bildung

20000 Euro für den Erhalt der VHS im ländlichen Raum (Defizitabdeckung kleinerer VHS; Netzwerkarbeit)

5500 Euro Koordination der Kreis-Volkshochschul-Arbeit (finanzieller Ausgleich, Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Leitungen)

20000 Euro für das Kreis-Programmheft (Herstellung und Verteilung der beiden Semesterhefte kosten tatsächlich ca. 42000 Euro im Jahr)

Martens sieht die Kreis-VHS dabei nicht als Bittsteller: „Ich darf vielleicht darauf hinweisen, dass im Paragraf 13 unserer Landesverfassung dezidiert auf die Pflicht zur Unterstützung der Volkshochschulen hingewiesen wird und dass auch die bisherige Unterstützung seitens des Kreises nicht an konkrete Projekte gekoppelt war oder ist.“

Forderung nach digitaler Info und Anmeldung

An der Finanzierung des halbjährlichen VHS-Programmheftes entzündete sich zuletzt besonders Kritik. Die Forderung: Abschaffung des Heftes und Umstellung auf digitale Information und Anmeldung (Internet/E-Mail). Gitta Neemann-Güntner (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses, sagt: „Wir haben aus diesem Grund diese 20 000 von dem 80 000-Euro-Antrag der VHS abgezogen.“ Doch der SPD-Antrag für 60 000 Euro fiel trotzdem durch. CDU und Grüne stimmten mit sechs zu vier Stimmen dagegen beziehungsweise für die Aufstockung auf lediglich 15000 Euro.

„Im Nachhinein halte ich die Forderung nach einem Zuschuss von 80 000 Euro für grundsätzlich angemessen“, erklärte Neemann-Güntner gegenüber den Lübecker Nachrichten. Insbesondere im ländlichen Bereich würden viele Menschen immer noch nur mit dem Heft erreicht werden. Jedenfalls sei es nicht nachvollziehbar, dass beispielsweise das Künstlerhaus Lauenburg für die Stadtgalerie sowie die Stiftung Herzogtum Lauenburg zur Förderung der Jugendkulturarbeit jeweils auf Anhieb 10 000 Euro bewilligt bekämen, so wichtige traditionelle Institutionen wie die VHS oder der Kreissportbund dagegen arg beschnitten würden.

Wenig Auskunftsfreude bei CDU und Grünen

Auf Anfrage der LN nach Gründen der Ablehnung erklärte Michael Stark, CDU-Ausschussmitglied, dass man sich in der Fraktionssitzung am kommenden Montag (3.12.) erneut beraten würde. Vorher wolle er dazu keine Stellung nehmen. Die grünen Ausschussmitglieder Klaus Tormählen und Bettina Best äußerten sich schriftlich ebenso (Fraktion am 3.12.).

Neemann-Güntner erklärte, dass die SPD sowohl den Antrag der Volkshochschulen als auch den des Kreissportbundes erneut in der Sitzung des Kreistages am nächsten Donnerstag, 6. Dezember, auf die Tagesordnung bringen wolle.

Joachim Strunk

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