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Lauenburg Kreisbauernverband kontert Kritik
Lokales Lauenburg Kreisbauernverband kontert Kritik
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21:42 23.01.2018
Weist die Vorwürfe zurück: Peter Koll, Geschäftsführer Kreis verbände Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Quelle: Dorothea von Dahlen
Ratzeburg

„Wir haben bei uns in Duvensee mehrere kleinste Betriebe, die im Bauernverband sind, weil sie diese Vertretung gut finden“, fügt Grell hinzu. Geärgert hat er sich – und mit ihm viele andere Mitglieder aus dem Kreisverband – über die Aussagen von Heinz Elfenkämper-Raymann am vergangenen Freitag. Etliche Ökolandwirte und Kleinbauern hatten sich in einem Trecker-Konvoi auf nach Berlin zur Grünen Woche gemacht, um für fairen Handel und gegen den Einsatz von Glyphosat zu protestieren. Dabei warf der Landwirt aus Stormarn, der auch den Hamfelder Hof (Bauernmeierei) betreibt, dem Bauernverband und speziell Landeschef Werner Schwarz aus Rethwisch einseitige Verbandspolitik zugunsten großer Betriebe und der Agrarindustrie vor.

Peter Koll, Geschäftsführer der beiden Kreisverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn, stellt angesichts der Kritik die rhetorische Frage: „Wenn wir uns nur für die ,großen’ Betriebe einsetzen würden, wieso sind dann circa 70 Prozent der Landwirte im Kreis Mitglied im Bauernverband?“

Laut dem jüngsten Agrarbericht der Landesregierung aus dem Jahr 2016 hat der hiesige Kreisverband rund 800 Mitglieder (gezählt werden Landwirte mit einer Mindestfläche von fünf Hektar Acker), davon sind 570 aktiv in der Landwirtschaft tätig, die übrigen sind Verpächter oder Altenteiler. Insgesamt gibt es im ganzen Kreis etwa 20 ökologisch tätige Betriebe, genaue Angaben kann Koll nicht machen.

„Es gibt da durchaus häufige Wechsel in der Betriebsart. Im Moment haben wir selbst im Kreisverband zehn Öko-Bauern.“

Nach Angaben der schleswig- holsteinischen Landwirtschaftskammer gibt es landesweit 594 ökologisch wirtschaftende Erzeugerbetriebe, die eine Fläche von rund 50000 Hektar bearbeiten. Das wiederum sind fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Schleswig-Holstein. Entsprechend könnte man auf die Relationen im Kreis Herzogtum Lauenburg schließen.

Den Vorwurf Elfenkämper-Raymanns, der Verband würde nur die Interessen großer Betriebe vertreten, verstehen Grell und Koll nicht. „So pauschal auf die Bauern einzudreschen, geht nicht“, sagt Grell.

Und fügt hinzu: „Nur mit Ökolandwirtschaft kriegt man die Leute ja auch nicht satt“.

Und Geschäftsführer Koll weist darauf hin, dass der Hamfelder sich mit seiner bearbeiteten Fläche im statistischen Mittel befände. „Bei uns kann jeder Landwirt Mitglied werden, selbst mit nur einem Hektar Land. Wir haben tatsächlich einige, die weniger als fünf Hektar haben. Die durchschnittliche Fläche unserer Mitglieder liegt allerdings bei 80 Hektar, der Landesschnitt bei um die 90 Hektar.“

Die Äußerungen Elfenkämper-Raymanns halten Grell und Koll für zu pauschal. „Da wurde erst auf den Putz gehauen, danach kam aber nichts mehr“, so Koll.

Was die Thematik Glyphosat-Einsatz betrifft, erklärte Koll: „Die Zulassungsvorschriften in Deutschland für Glyphosat sind die strengsten der Welt. Jetzt gibt es von der EU eine weitere Zulassung um fünf Jahre. Es kann aber gut sein, dass Deutschland den Einsatz demnächst national verbietet.“

Das Mittel sei dennoch nach wie vor legal, hochwirksam, erleichtere die Bodenbearbeitung, sorge dadurch für Einsparung von Kraftstoff und Energie. Nichtsdestotrotz habe der Einsatz des Mittels in den letzten Monaten und Jahren „erheblich abgenommen“.

 Von Joachim Strunk

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