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Lauenburg Kreishaus unter Denkmalschutz
Lokales Lauenburg Kreishaus unter Denkmalschutz
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23:05 06.07.2017
Die Vor- und Rücksprünge sorgen mit der Fassadengestaltung laut Denkmalschutz dafür, dass sich das 1979 gebaute Verwaltungsgebäude gut in das historische Stadtbild einpasst. Quelle: Fotos: Holger Marohn
Ratzeburg

Das Ratzeburger Kreishaus aus den End-70er-Jahren ist energetisch ein Wrack. Im Sommer läuft in Sitzungen auch bei nicht heißen Themen schnell der Schweiß, im Winter müssen sich Mitarbeiter teilweise mit mitgebrachten Heizlüftern warmhalten (die LN berichteten). Der Kreis wollte den 1979 bezogenen Verwaltungssitz eigentlich sanieren, sogar ein Angebot eines Investors für einen Abriss bei einem Neubau des Gebäudes an anderer Stelle lag bereits auf dem Tisch. Doch nun hat den ganzen Überlegungen der Denkmalschutz einen Strich durch die Rechnung gemacht – und den Verwaltungssitz unter Schutz gestellt. Und weil die Landesdenkmalschützer schon mal in Ratzeburg waren, haben sie auch gleich das benachbarte Gesundheitsamt mit eingetragen.

Geplante Sanierung nur noch mit Einschränkungen möglich – Auch Gesundheitsamt geschützt.

Ratzeburg

Der Denkmalschutz ist derzeit dabei, die Eigentümer von Gebäuden in Ratzeburg anzuschreiben, deren Häuser unter Schutz gestellt werden sollen.

Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgt erst danach.

„Die mittelfristig angedachte energetische Sanierung des Kreishauses wird durch die zwischenzeitlich erfolgte Eintragung in die Liste der schützenswerten Baudenkmäler nicht einfacher und im Ergebnis auch weniger deutlich ausfallen“, heißt es im jetzt erschienenen Energiebericht der Kreisverwaltung. Darin wird das Kreishaus als vergleichsweise mittelmäßig effizient eingestuft.

Die Denkmalschützer haben naturgemäß einen anderen Blick. „Bei den Gebäuden handelt es sich um Verwaltungsbauten, die in einer Stadt einer Tradition folgen, die sich in der Geschichte als Verwaltungssitz etabliert hat, “, sagt Inventarisator Bastian Müller vom Landesdenkmalamt. Das Kreishaus, für das einst die alte Stadtkaserne weichen musste, reagiere auf das historische Straßenbild, ohne dies nachzuahmen. Dabei füge sich das Kreishaus trotz des hohen Bauvolumens „in hohem Maße“ ein und reagiere auf die abschüssige Straße. Das werde durch die Fassadengestaltung mit seinen zahlreichen Vor- und Rücksprüngen und der kleinteiligen Gliederung erreicht. Auch die Gestaltung des Eingangsportals mit den Ornamenten trägt für die Denkmalpfleger zum Erhaltungswert bei.

Denkmalschützer Müller macht dabei auch den damaligen Architekten ein Kompliment.

Als zeittypisch, wenn auch für eine mit den 60er Jahren etwas frühere Zeit, gilt für die Denkmalschützer auch das Kreisgesundheitsamt. Dieses spreche eine strenge moderne Sprache – dem damaligen typischen Verständnis von Verwaltung. Es sei damals ganz streng nach funktionalen Gesichtspunkten strukturiert und in der Folgezeit kaum verändert worden, heißt es aus Kiel.

In einer Stellungnahme relativiert der Kreis inzwischen seine Einschätzungen im Energiebericht etwas. „Für das Kreishaus ergeben sich kaum Auswirkungen, da die äußere Gebäudehülle aus gestalterischen und nachbarrechtlichen Gründen ohnehin nicht stark hätte verändert werden können“, heißt es. Das Gebäude grenze zum Teil an Grundstücksgrenzen, so dass ein Auftragen auf die Fassade auch ohne Denkmalschutz nicht ohne Weiteres möglich wäre.

Die Gebäudespezialisten des Kreises prüfen nun, die Wärmedämmung des Verwaltungsgebäudes durch ein Einblasen von Dämmmaterial in die Luftschicht zwischen den tragenden Wänden und der Fassade zu verbessern. Diese ist wenige Zentimeter stark, bei der nachträglichen Dämmung von Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen werden hingegen oft 14 bis 16 Zentimeter starke Dämmstoffe angebracht. Außerdem wird überlegt, in Abstimmung mit dem Denkmalschutz die fast 40 Jahre alten Fenster auszutauschen. Ein Problem der Konstruktion des Kreishauses sind allerdings Kältebrücken durch durchgehende Pfeiler und Decken.

Stattdessen sieht der Kreis sogar mögliche Vorteile durch die Entscheidung des Landesdenkmalamtes: „Es könnte nun jedoch sein, dass sich neue Fördermöglichkeiten für Sanierungsmaßnahmen ergeben könnten oder andere Förderbedingungen gelten könnten.“

 Holger Marohn

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