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Lauenburg 400 Kritiker: Einwendungen zu AKW-Abriss
Lokales Lauenburg 400 Kritiker: Einwendungen zu AKW-Abriss
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08:12 10.10.2018
Mit dem Bau des Kernkraftwerkes Krümmel wurde 1974 begonnen. Nun soll es abgerissen werden. Quelle: Lutz Roeßler,
Geesthacht

Das Kernkraftwerk Krümmel (KKW) soll abgerissen werden. Eine Mammutaufgabe, die nicht nur wegen der gewaltigen Abfallmengen genau geplant werden muss. Denn radioaktiv verstrahlter Abfall muss sauber vom restlichen Bauschutt getrennt werden. Wie das alles ablaufen soll, hat der KKW-Betreiber Vattenfall genauestens dargelegt. Acht Wochen lang lagen diese Unterlagen öffentlich aus und Bürger und Verbände hatten die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

Fristverlängerung beantragt

Und das Interesse war offenbar groß. Etwa 400 Menschen und Organisationen haben Kritik oder Verbesserungsvorschläge für das Verfahren gemacht. Sie haben bei einer der 14 erarbeiteten Einwendungen unterschrieben. Zum Rückbau des Kernkraftwerkes Brunsbüttel haben sich vor gut einem Jahr sogar 900 Menschen im Verfahren geäußert. Nun ist es an der Atomaufsicht des Landes, diese Vorschläge und Kritikpunkte abzuarbeiten. Allerdings könnte sogar noch mehr Arbeit auf die Mitarbeiter der Landesbehörde zukommen. Denn die Stadt Geesthacht hat ihre Stellungnahme noch nicht fertig. Ihr wurde auf Antrag eine Verlängerung der Abgabefrist gewährt.

Und diese noch nicht fertige Stellungnahme bereitet dem Geesthachter Ratsherr Sven Minge und dem in Geesthacht wohnenden Kreissprecher der Grünen, Marcus Worm, einiges Kopfzerbrechen. Denn eine der zentralen Betroffenheiten der Stadt Geesthacht ist der Abtransport des Bauschuttes – immerhin geschätzte 541000 Tonnen Material aus dem Abbruch. Fast 20 000 Lastwagen-Ladungen müssen dafür zu einer noch nicht näher definierten Deponie fahren und dabei nach derzeitigen Stand auch irgendwo durch einen Teil der Stadt.

Deponie Wiershop im Rennen

Nach Minges und Worms Einschätzung ist davon auszugehen, dass die Deponie und der Recyclinghof in Wiershop der Favorit ist. Und um dorthin möglichst einfach und ohne größere Behinderungen zu kommen, überlegt die Stadt Geesthacht den Bau einer eigenen Baustraße vorzuschlagen, sollte die Wahl auf Wiershop fallen. „Niemand hat Wiershop bisher festgelegt und wir sind dazu offen. Auch andere Abnehmer kommen in Betracht“, schreiben Minge und Worm. Auch gehe es geht nicht um den radioaktiv verstrahlten Bauschutt, sondern um „freigemessene“ Bausubstanz des Kraftwerkes.

Kürzlich habe die Stadt Geesthacht die Vorversion einer Stellungnahme zum geplanten Rückbau des Atomkraftwerkes im Fachausschuss einvernehmlich abgestimmt. Zuletzt gab es dann allerdings parteiübergreifend Zweifel an der möglichen neuen Baustraße zwischen Krümmel und Wiershop. Die Deponie in der Gemeinde Wiershop ist derzeit der Favorit als Empfänger für den gesamten Bauschutt des Kernkraftwerkes, der im Rahmen des Rückbaus anfällt. Das abschließende Rückbau-Konzept ist bisher offen.

Eingabe Voraussetzung für Recht auf Klage

Dennoch: „Eine neue Baustraße wäre ein erneuter schwerer Eingriff in die Natur, mögliche Ausweichrouten für viele Bürgerinnen und Bürger eine Zumutung“, heißt es. Stattdessen fordern die beiden die Prüfung des Baus eines neuen Hafens im Bereich des Kernkraftwerkes Krümmel. Das wäre zweckmäßig und nachhaltig, heißt es. Zwar halte sich die Stadtverwaltung dafür derzeit nicht zuständig, politisch wolle man dieses aber klären.

Erst einmal auf einem Schiff, könnte der Bauschutt letztlich praktisch überall hingebracht werden, sagt Minge. Und einmal gebaut, könnte der neue Hafen später dann weitergenutzt werden.

Das Kieler Amt für Strahlenschutz wird die 14 Einwendungen mit ihren zahlreichen Unterpunkten nur durcharbeiten und bei Bedarf auch zusätzliche Informationen bei Vattenfall anfordern.

Ab dem 11. Dezember werden diese dann voraussichtlich im Reinbeker Sachsenwaldforum erörtert. Mit dabei sein darf dann jeder, der auch unterschrieben hat. Dies ist auch Voraussetzung, um später gegen das Verfahren klagen zu können.

Holger Marohn

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