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Lauenburg Kritik an Baumfällung bei Sturm: Frevel oder Gefahrenabwehr?
Lokales Lauenburg Kritik an Baumfällung bei Sturm: Frevel oder Gefahrenabwehr?
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22:34 30.10.2013
Rondeshagens Wehrführer Andrée Eggert vor dem Haus am Ortseingang von Rondeshagen, wo er mit seinen Kameraden am Montag beim Orkan eine Eiche (links neben Eggert der Stumpf) abgesägt hatte, deren Äste vorher schon abgebrochen waren. Quelle: Joachim Strunk
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Der Orkan am vergangenen Montag ließ wieder unzählige Bäume „umknicken“, die meisten fielen im Wald und auf der Heide, aber etliche auch auf Straßen oder privaten Grundstücken. Die Feuerwehren im Kreis jedenfalls waren im Dauereinsatz. Und so kam es auch hier und da zu einer Fällung, nachdem große Äste durch den Sturm abgebrochen waren. Manchmal stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Komplettfällung nicht notwendig gewesen wäre. Hier gibt es die Diskrepanz zwischen Naturschutz und Gefahrenabwehr.

Beispiel Rondeshagen: Hier kam es am Montag zu einem Bruch eines starken Astes in der Krone einer Eiche, die auf einem Privatgrundstück direkt an der Straße nach Berkenthin stand. Der Hausbesitzer war besorgt, dass weitere Äste brechen oder gar der ganze Baum auf sein Haus oder auf die Straße fallen könnten. Er alarmierte die Feuerwehr. Deren Wehrführer Andrée Eggert und Arno Koop berieten sich vor Ort und entschieden zur unmittelbaren Gefahrenabwehr, den Baum komplett zu fällen.

„Grundsätzlich kann man sagen, dass Bäume, die nicht unter ein besonderes Schutzrecht fallen (in Bauleitplänen, als Naturdenkmal oder Biotop, im Rahmen des Denkmalschutzes, einer Baumschutzverordnung oder dem Knickschutz) und die einen Stammumfang von mindestens zwei Metern haben, für eine Fällung eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde benötigen, da jede Fällung eines Baumes ein Eingriff in Natur und Landschaft darstellt“, erklärt Anne Schetelich, Sprecherin des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Franz-Sales Fröhlich, Leiter des Eigenbetriebs Kreisforsten, sieht eine vorschnelle Fällung ebenfalls kritisch. „Man muss nicht gleich fällen. Die Krone einzukürzen reicht oftmals, damit der Baum 30, 40 Jahre oder länger weiterleben kann“, sagt er. Wichtig sei es, dass man im Vorhinein die Bäume bereits beobachtet. „Dafür sind im Dorf dann die Gemeinden zuständig und verantwortlich.“ Klaus Tormählen vom BUND bestätigt: „Bei uns in Börnsen etwa gibt es ein Baumkataster, da werden die Bäume einmal im Jahr unter die Lupe genommen.“ Das gehe zwar ins Geld, „aber wenn man es nicht macht und es passiert etwas, dann ist die Gemeinde haftbar!“

Auf den Sicherheitsaspekt weist auch Kreiswehrführer Michael Raddatz hin und gibt seinen Feuerwehrkameraden in Rondeshagen und anderswo Rückendeckung: „Bei uns steht der Hilfeleistungsgedanke und die Gefahrenabwehr im Vordergrund. Wenn die Feuerwehr vor Ort ist, muss sie entscheiden, ob es notwendig ist, einen Baum zu fällen. Leider stellt es sich oft erst später heraus, ob der Baum tatsächlich krank war. Aber die Sicherheit für Anwohner und Verkehrsteilnehmer geht vor!“

Joachim Strunk

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