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Lauenburg Krüzens Feuerwehr bleibt weiter führungslos
Lokales Lauenburg Krüzens Feuerwehr bleibt weiter führungslos
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21:49 22.04.2016
Die Feuerwehr Krüzen bei der Leistungsabnahme. Sie hat bereits alle fünf möglichen Sterne errungen. In der gelben Weste des Einsatzleiters der mittlerweile zurückgetretene Wehrführer Thomas Netz. Quelle: Timo Jann

 Amtsinhaber Thomas Netz war wegen der scheinbar nicht enden wollenden Querelen und seiner Aufgabenhäufung auf Amts- und Kreisebene vom Chefposten der Krüzener Wehr zurückgetreten. Es folgten der stellvertretende Wehrführer, der Gruppenführer und der Schriftführer.

Vertrauensverhältnis der Wehr zur Gemeindevertretung und Bürgermeister Schumacher gestört — Kreiswehrführer deutet Zwangsbesetzung oder Übertragung an Nachbarwehr an.

Unter den 30 Feuerwehrleuten ist zurzeit niemand bereit, die Verantwortung für die Truppe zu übernehmen.

Der konkrete Auslöser für den Streit zwischen den ehrenamtlichen Rettern und den Politikern lässt sich gar nicht an einem Problem festmachen. Immer wieder scheint die Stimmung an Kleinigkeiten zu eskalieren. Im Sommer 2015 soll es Diskussionen über einen damals nicht in der Krüzener Wehr aktiven früheren Kameraden, der bei der Brandschutzerziehung geholfen hatte, gegeben haben. Netz wusste darüber nicht Bescheid. Der Brandschutzerzieher ist einer der Schwiegersöhne von Bürgermeister Werner Schumacher, der kein Problem in dem Sachverhalt erkannte. Der gesamte Vorstand trat daraufhin aufgrund fehlenden Vertrauens in der Zusammenarbeit zurück. „Danach gab es ein Gespräch mit dem Kreiswehrführer, man machte die Entscheidung rückgängig und die Welt schien wieder in Ordnung zu sein“, berichtet Schumacher.

Doch vor allem an seiner Person entzündete sich zuletzt neuer Streit. „Es ist sehr unruhig geworden“, sagt Netz und verweist in Bezug auf ein unter den Kameraden vereinbartes Stillschweigen zur Sache, dass er nichts weiter sagen möchte. Tatsächlich soll es aber sein, dass sich die Feuerwehrleute die „Selbstherrlichkeit“ von Schumacher, der seit 40 Jahren Bürgermeister ist, nicht mehr bieten lassen wollen. Und auch Holger Riege, Krüzens zweiter stellvertretender Bürgermeister, machte sich keine Freunde innerhalb der Wehr, als er den kompletten Vorstand zum Rücktritt aufforderte, nachdem Netz verkündet hatte, aufzuhören. Außer um die Frage der Brandschutzerziehung ging es auch um angebliche Missstände innerhalb der Sanitäranlagen nach Feiern.

Schumacher berichtet von „Unstimmigkeiten“, wisse aber nicht, woher der Stress rühre. „Keine Ahnung, wie es weitergehen soll“, sagte er gestern. Eine — formelle — Lösung kennt Kreiswehrführer Michael Raddatz: „Wenn sich kein Feuerwehrmann als Kandidat für das Amt des Wehrführers meldet, kann der Kreis für zwölf oder 24 Monate einen Beauftragten einsetzen“. Das ist zuletzt auch in Dalldorf passiert. Raddatz setzt jedoch auf ein für Donnerstag kommender Woche angesetztes Gespräch mit Krüzens Feuerwehr. „Da werde ich aufzeigen, was passieren kann. Es gibt einige in der Gruppe, die offenbar quertreiben, in meinen Augen ist nicht allein der Bürgermeister an allem Schuld“, so Raddatz. Als Konsequenz der Auseinandersetzungen könnte der Brandschutz durch die Gemeinde an eine Nachbarwehr übertragen werden, der Kreis könnte die Zulassung als Feuerwehr entziehen.

Dabei hapert es in Krüzen — im Gegensatz zu anderen kleinen Gemeinden — gar nicht an Freiwilligen, 30 der 350 Einwohner engagieren sich in der Wehr. Es mag nur niemand mit dem Bürgermeister zusammenarbeiten. Und das wäre in der Funktion des Wehrführers nötig. „Innerhalb von drei Monaten muss eine neue Mitgliederversammlung stattfinden, um die Personalie zu lösen“, sagt Raddatz. Bleibt das auf freiwilliger Basis erfolglos, wird es unter Zwang besetzte Führungspositionen geben. Der Kreiswehrführer ist überzeugt, dass sich die Menschen in Krüzen trotz des Problems keine Sorgen um ihre Sicherheit machen müssten. Die Wehr sei ja einsatzbereit.

Junge werden gebremst

„Das Problem, Führungsfunktionen nicht mehr besetzen zu können, kommt immer stärker auf“, erklärt Kreiswehrführer Michael Raddatz. Doch meistens liege das nicht an unerfreulichen Umständen wie in Krüzen. „Manchmal wollen junge Kräfte gerne Verantwortung übernehmen, dürfen dies aber vom Gesetz her noch nicht, weil sie noch nicht lange genug in der Wehr aktiv sind. Andere lehnen Verantwortung ab, weil sie im Ort nicht schlafen, aber woanders arbeiten, und dann verständlicherweise argumentieren, dass sie sich nicht voll einbringen können“, erklärt Raddatz.

tja

Von Timo Jann

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