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Lauenburg Kunst mit Rost und Beatmungsgerät
Lokales Lauenburg Kunst mit Rost und Beatmungsgerät
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20:32 16.08.2017
Salem: Klaus Schneller hat diesen Teil eines alten Beatmungsgerätes in der Wüste gefunden – und nun einer neuen Bestimmung zugeführt.

Wenn einer eine Reise tut, kann er etwas erleben – derzeit besonders schön an den Wochenenden im Kreis Herzogtum Lauenburg. 18 Orte sind in diesem Jahr bei der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ dabei: Kunst satt an vier, mancher Orts auch nur an drei Wochenenden. Da heißt es: die Route sorgfältig planen – und los!

„Kultour“ über die Dörfer: Von Schmilau über Salem, Sterley, Albsfelde, Brunsmark nach Behlendorf.

Erster Stopp: Schmilau. Im Dorfgemeinschaftshaus warten fünf Kunstschaffende auf möglichst viele Besucher. Barthold Dunker hat es sich auf einem Stuhl bequem gemacht, umrahmt von seinen Bildern. Dolle Farben, irgendwie ganz anders als das, was man sonst so zu sehen bekommt. Kein Wunder, meint er: „Die sind mit Rost gemalt“, und: „das ist auf meinem Mist gewachsen“.

Während Dunker seine Technik erklärt, huscht Tanja Ditz vorüber. Die junge Fotografin ist mit einer großen Auswahl ihrer Arbeiten vertreten, und sie nutzt die Ruhe vor dem Gästeansturm, um die Ausstellung zu dokumentieren, lichtet die Dunkerschen Bilder ab, Martina Kriedels Porträts und Marionetten, Heinke Schütts Filzarbeiten – und auch die gequilteten Schätze, die Christiane Packheiser zeigt. Sie bekommt Verstärkung durch Brigitte Rabach und Lilo Nobelmann, alle drei sind Mitglieder der Schmilauer Gruppe „Anonyme Quilter“. Lachend drapieren die drei eine große, fein gearbeitete Arbeit um sich, stecken wortwörtlich unter einer Decke. „Quilten verbindet“, betont Packheiser mit einem Lachen.

Es gibt viel zu gucken, aber die die Zeit drängt – gut, dass es nur wenige Kilometer nach Salem sind. Noch halten nur drei Künstler die Stellung: Angela Petschull, die gern ihre afrikanischen Objekte erläutert und von ihren Reisen nach Afrika erzählt, wo sie sich für Frauenprojekte engagiert.

Klaus Schneller ist ebenfalls gern bereit, über seine Arbeiten zu reden. Er erzählt, wie er im Sand einer somalischen Wüste ein Teil eines Beatmungsgerätes gefunden hat. „Ein tolles Gerät, ich liebe Industrieformen.“ Seine Idee: In den oberen Teil des Glaszylinders eine kleine Nachformung der Venus von Willendorf zu platzieren, darunter mehrere kleine Frauenbüsten. „Abbild und Urbild“, erklärt er, „Vergangenheit und Gegenwart in der Atemfrequenz in Verbindung gesetzt.“ Spannend, das findet auch Rudolf Ambrosius, der mit Ölmalerei auf Leinwand und Pastellmalerei vertreten ist. Nur: „Ich lass mich nicht gern fotografieren“, sagt Schneller, und guckt steif in die Linse. Ambrosius rettet die Situation. Er liest mit unbewegter Miene aus einem Katalog vor: „Ja, leck mich doch am . . . !

Is’ das nich’ meine alte Benimmlehrerin?“ – und Schneller kann sich kaum noch halten vor Lachen. Foto im Kasten – weiter geht’s.

In Sterley eröffnet Bürgermeisterin Ariane Redepenning gerade die Ausstellung. Sie ist begeistert, lobt die Schau als „wunderschön, abwechslungsreich und vielfältig“, und sie ist „glücklich, dass Angelika Feldner mit ihren märchenhaften Figuren wieder dabei ist, die haben mir im letzten Jahr gefehlt.“ Redepenning begrüßt alle acht Aussteller persönlich. Stefanie Prante, Tochter der Keramikerin Karin Henke, erfreut die Gäste der Vernissage mit Klaviermusik.

Sehr viel ruhiger ist es gerade noch in Brunsmark. Das ist gut, denn so hat Oliver Wienandt Zeit, seine „mittelalterliche Kleider- und Szenengestaltung“ zu erläutern, und auch Claus Peters kann einiges zu seinen Bildern erzählen. Fünf Monate hat er zum Beispiel am „Hamburger Hauptbahnhof“ gesessen. „Dort habe ich damals als Feldjäger viel Zeit verbracht, ich kenne dort jeden Gang.“

Viel übersichtlicher als der Hamburger Hauptbahnhof ist das kleine Spritzenhaus in Albsfelde. Klein, aber oho: Die Hausherren Petra Laux-Kruschinski und Michael Kruschinski teilen sich den Raum mit Anke Hellberg und Heide Pattberg. Malerei und Grafik, Fotografie, Keramik und Schmuck ergeben ein feines Kunstensemble.

Endspurt: Zwölf Künstler gilt es im Gemeindezentrum von Behlendorf zu entdecken. Eine große Vielfalt wunderbarer Arbeiten quer durch die Genres. Und mittendrin – Bilder, von Kindern gemalt. Mechthild Hempel ist stolz auf die kleinen Künstler, die sie betreut.

Am Wochenende sind die Ausstellungen wieder geöffnet. Gehen Sie auf Kultour – es lohnt sich!

Termine – Radtour, Midnight-Art, Marionettenspiel und mehr

Heute, 17. August: von 17 bis 19 Uhr Schnupperteilnahme am Maltreff der Vita-Malgruppe des DRK-Krankenhauses an oder in der Pfarrscheune Ziethen, Kirchstraße 21

Sonnabend: 13 Uhr, Am Lauenburgische Seen, Fünfhausen 1, Ratzeburg, Start zur geführten Radtour mit Archivar Christian Lopau. Etwa 30 km, Anmeldung 0151/55117371 / 15 Uhr Vernissage in Neu-Horst, Alter Gutshof 6, mit Musik von Patrick Farrant (Gitarre) und Simone Dauud (Flöte) / ab 18 Uhr Midnight Art im KunstStall Thandorf, Dorfstraße / 18.30 Uhr Till-Eulenspiegel-Marionettenspiel im Dorfgemeinschaftshaus Schmilau, etwa 10 Minuten, Hutkasse

Sonntag: 13 bis 15.30 Uhr Waldexkursion ab Naturparkplatz Dorotheenhofer Weg, Salem, mit Kindern bis 10 J., danach Blechkuchen u. Getränke

Dorothea Baumm

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