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Lauenburg Land unter im Südkreis: Helfer kämpfen gegen Wassermassen
Lokales Lauenburg Land unter im Südkreis: Helfer kämpfen gegen Wassermassen
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10:26 05.01.2018
Das Hotel und Restaurant am Aumühler Mühlenteich war zeitweise stark gefährdet. Das Gebäude musste durch Einsatzkräfte mit einem Sandsackwall gegen die Wassermassen geschützt werden. Quelle: Fotos: Timo Jann (2)
Geesthacht/Brunstorf

Zwar entspannte sich die Situation gestern tagsüber etwas, doch die Einsatzkräfte bangen wegen für die Nacht angekündigter neuer Regenfälle. „Wasser, überall nur noch Wasser“, ächzte ein Feuerwehrmann nach stundenlangen Pumpenaktionen, die augenscheinlich kaum Wirkung zeigten.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von dem Einsatz in Brunstorf zu sehen, bei dem ein Klärteich überzulaufen drohte.  

Besonders brisant war die Lage in Brunstorf. Dort staute sich das aus Richtung Dassendorf strömende Oberflächenwasser an der Waldstraße und lief in das örtliche Klärwerk. „In zwei Stunden ist der Wasserstand so stark gestiegen, das war unglaublich“, sagte Brunstorfs Wehrführer Jörg Ollesch. Unglaublich auch, dass die Problematik seit Jahren bekannt ist, aber nichts verbessert wurde. So waren in der Spitze bis zu 150 Einsatzkräfte vor Ort, brachten leistungsstarke Pumpen sogar aus Halstenbek und Elmshorn zum Einsatz. Noch in der Nach entschied die Einsatzleitung einen Graben baggern zu lassen. Das Wasser wurde so um das Klärwerk herumgeleitet.

In Geesthacht waren 500 Menschen des Wohngebietes Finkenweg-Ost von der Außenwelt abgeschnitten. Die einzige Zufahrt war überflutet. „Wir pumpen hier 4000 Liter pro Minute ab“, sagte Sascha Schützek von der Feuerwehr. Auch in Havekost und Grove gab es große Pumpeinsätze zur Beseitigung von gestautem Oberflächenwasser. In Wangelau, Müssen, Schwarzenbek und anderen Orten lief Wasser in Häuser und flutete Keller. In Börnsen war die AKN-Bahnstrecke blockiert, weil ein Wasserablauf durch einen Stein blockiert worden war. Neben Regen machten auch Sturmböen den Helfern zu schaffen: Auf der B 404 zwischen dem Sachsenwald und der A 24 versperrte eine umgeworfene 15 Meter hohe Tanne eine Fahrspur.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von den Einsätzen bei der Grander Mühle zu sehen, die am Donnerstag nach dem Dauerregen überflutet wurde.

In Kollow ging die ganze Nacht und den Tag über nichts mehr – mal wieder. Die Ortsdurchfahrt war komplett gesperrt: 16 Gruppen von Feuerwehren und THW pumpten mit bis zu 250 Einsatzkräften pro Minute 35000 Liter Wasser aus einem Teich über die Straße, deren Unterführungen das nachströmende Wasser nicht ableiten konnte. Die Feuerwehr Lübeck leistete mit den Freiwilligen Feuerwehren Dänischburg und Siems und der Stadtwehrführung Amtshilfe mit ihren Hochleistungswasserpumpen.

„Hier hat man bei der Flurbereinigung vor Jahren Fehler gemacht. Das Entwässerungsrohr unter der Straße ist für das Einzugsgebiet, das in den Teich entwässert, einfach viel zu klein“, sagte Bürgermeisterin Ines Tretau. „Das Thema müssen wir jetzt unbedingt angehen“ sagte sie und mahnte gegenüber Landrat Christoph Mager eine Lösung an. Auch im Kieler Verkehrsministerium, zuständig für die Straße, ist das Problem bekannt. Es hätten dazu schon mit der Gemeinde und dem LBVmehrere Gespräche stattfgefunden, wie das Problem zu lösen sei. Beim letzten – das schon eine Weile her sei – habe man vereinbart, die Anstauhöhe in dem Teich zu senkenzu senken, um mehr Puffer für Starkregenereignisse zu bekommen. Das habe daraufhin auch geklappt, bis zum gestrigen Tage.

In Aumühle war das wegen Einsturzgefahr gesperrte Wehr des Mühlenteichs ungewöhnlich lange geschlossen. Das Wasser drohte über das Wehr hinweg in das Hotel und Restaurant „Fürst Bismarck Mühle“ zu laufen. Feuerwehrleute und Helfer des THW bauten einen Sandsackwall. „Alle Zuläufe sind geöffnet, und wir müssen sehen, wo wir das Wasser loswerden“, sagte Bürgermeister Dieter Giese. Die Bille war ohnehin voll.

„Die Böden sind einfach satt, von den Feldern und aus den Wäldern läuft das Wasser in die Niederungen und über Gräben ab, wo es sich dann irgendwo dramatisch sammelt“, erklärte Hamwardes Förster André Guiard. Seine Mitarbeiter können wegen der aufgeweichten Böden zurzeit kein Holz einschlagen, die Bäume finden im Boden kaum noch Halt.

Grander Mühle erneut überflutet

Mit 2500 Sandsäcken versuchen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk die Grander Mühle zu schützen. Der Pegel der Bille stiegt an der Mühle zeitweise stündlich um vier Zentimeter.

Eine vom letzten Hochwasser noch verbliebene Sandsackbarriere war schnell überspült. Da zunächst keine Säcke verfügbar waren, mussten Einsätzkräfte und Besitzer tatenlos ab mittags mit ansehen, wie die braune Brühe der Bille in den Gastraum lief.

In Mölln füllten die THW Ortsgruppe Ratzeburg und die zweite Kreisbereitschaft der Feuerwehr mit Schaufeln Sandsäcke, die dann nach Grande transportiert wurden. Dort traf später auch eine Hochleistungspumpe des THW Ahrensburg ein.

 T. Jann und H. Marohn

Klicken Sie hier, um weitere Bilder der Überschwemmungen und den Schäden in Norddeutschland zu sehen. 
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