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Lauenburg Schön verpackt – um welchen Preis?
Lokales Lauenburg Schön verpackt – um welchen Preis?
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00:10 05.10.2018
Marlies Schulz hat gut Lachen: Die Landfrau aus Mustin benutzt zum Kochen aus Überzeugung ausschließlich Löffel und Pfannenwender aus Holz. „Wenn meine Kinder mich fragen, warum ich so daran festhalte, sage ich immer, ich äße lieber ein Stück Holz als Plastik.“ Quelle: Dorothea Baumm
Ratzeburg

Wer hätte gedacht, dass das Thema Lebensmittelverpackungen derart unappetitlich ist? Von den gut 50 Landfrauen, die gestern Nachmittag im Saal Schleswig-Holstein im Ameos Seniorenwohnsitz Ratzeburg dem Vortrag von Gudrun Köster lauschten, wohl kaum eine. Die Fachfrau von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein referierte zu dem Thema „Schön verpackt – um welchen Preis? Die bunte Welt der Lebensmittelverpackungen“.

Hier sehen Sie weitere Bilder zum Vortrag zum Thema Lebensmittelverpackungen bei den Ratzeburger Landfrauen

Dass wir alle viel zu viel Plastik verbrauchen und damit die Weltmeere zumüllen und die Umwelt über Gebühr belasten: Das ist nichts Neues. Mit 18 Millionen Tonnen Verpackungsabfall allein in 2016 sind die Deutschen laut Köster Verpackungsweltmeister. „Seit 2000 haben die Verpackungen in Deutschland um 19 Prozent zugenommen“, zitierte sie das Bundesumweltamt. Allein der Anteil der Kunststoffverpackungen sei in dem Zeitraum um 74 Prozent angewachsen. „Und dass, obwohl in diesem Zeitraum, in dem ich meine Kinder großzog, der Slogan ,Jute statt Plastik’ in aller Munde war.“

Ärgernis Coffee to go

Als „großes Ärgernis“ bezeichnete die Verbraucher-Schützerin Coffee to go. „Kaum jemand setzt sich noch hin, um seinen Kaffee zu trinken. Vor allem aber, und das ist viel schlimmer, kommen pro Jahr 2,8 Milliarden Wegwerfbecher so in Umlauf. In Deutschland!“ Dabei hätten so viele Menschen Mehrwegbecher. „Ebenso wie den Einkaufsbeutel – der nur irgendwie nie zur Hand ist, wenn wir gerade einkaufen.“

Womit Gudrun Köster bei der zentralen Frage des Tages angelangt war. „Können wir auf Verpackung verzichten?“ Große Augen im Publikum. Die Zuhörerinnen, schon jetzt alarmiert und mit einem Hauch von schlechtem Gewissen auf den Gesichtern. Köster beantwortete ihre Frage umgehend selbst: „So, wie wir heute leben, sicherlich nicht.“

Aufgaben der Verpackungen

Ein Supermarkt ohne Verpackungen sei, stellte sie fest, schlicht undenkbar. „Warum die vielen Verpackungen? Weil sie bestimmte Aufgaben erfüllt.“ Es gehe um Schutz, zum Beispiel vor Licht, Schmutz und Bakterien, es gehe um Portionierung, Verkaufs- und Transportfähigkeit, um das Transportieren von Informationen wie zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum und natürlich um den Marketingaspekt.

Wir wären nicht in Deutschland, gäbe es nicht eine Verordnung, die die Sicherheit von Lebensmittelverpackungen regeln sollte. Unter dem Titel „Verordnung EG 1935/2004“ heiße es: „Materialien und Gegenstände (. . .) sind nach guter Herstellungspraxis so herzustellen, dass sie (. . .) keine Bestandteile auf Lebensmittel abgeben, die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden, eine unvertretbare Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel herbeizuführen oder eine Beeinträchtigung der geruchlichen oder geschmacklichen Eigenschaften der Lebensmittel herbeizuführen.“

Schere zwischen Anspruch und Realität

So weit, so die Theorie. Bedauerlicherweise klafft die Schere zwischen Anspruch und Realität gewaltig auseinander – womit wir beim unappetitlichen Aspekt des Themas wären. „Die Verordnung regelt die Sicherheit nur so viel, dass die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigt wird“, erklärte Gudrun Köster. Dass wir Dinge nicht riechen, nicht schmecken, heiße schließlich nicht, dass sie nicht da seien. „Es gibt in den Verpackungen Tausende von Stoffen, die theoretisch auf das Lebensmittel übergehen können.“

Die Verbraucherzentrale setzte sich für die Kunden ein, betonte Köster. „Wir wollen erreichen, dass sich die Sicherheitsanforderungen verbessern.“ Fakt ist jedoch: Vieles, was auf den ersten Blick so appetitanregend aussieht an den Verpackungen, ist bei genauer und vor allem fachkundiger Betrachtung geeignet, einem kräftig den Appetit zu verderben.

Unsachgemäße Verwendung

Partikel jedweder und unschöner Art, die aus Plastik austreten und auf das Lebensmittel übergehen. Farbe von Papier- und Pappverpackungen. Bestandteile aus Weißblech und Alu. Und all das verschlimmert dadurch, dass wir Lebensmittelverpackungen und Dinge, wie Papierservietten, unsachgemäß verwenden.

Beispiel Papierserviette. Hübsch, nett bedruckt, schnell zur Hand – und nach Benutzung muss sie nicht gewaschen werden. Ganz prima – solange sie nicht, wie gern gemacht, genommen wird, um Lebensmittel darin einzuwickeln. Ebenso verhält es sich mit bunt bedruckten Papier-Muffinförmchen. Da gibt es schnell mal lecker Druckerfarbe zum Snack.

Das Kleingedruckte lesen

Beispiel Alufolie. Hand aufs Herz: Haben Sie schon mal als das Kleingedruckte auf der Verpackung gelesen? Und wie oft wickeln wir Käse, Wurst, Fisch darin ein? Obwohl es für jeden klar ersichtlich aufgedruckt ist: Alufolie ist nicht geeignet, säurehaltige oder salzige Lebensmittel darin einzuwickeln. Es steht sogar „Hinweis“ drüber.

Beispiel Eisbecher oder die schönen Gefäße vom Kartoffelsalat. Ganz ehrlich: Wer hat die nicht schon genommen, um Speisen darin einzufrieren. Lassen Sie’s lieber. Diese Gefäße sind dafür nicht geeignet. Und was dadurch alles in unser Essen gelangt. . . bäh.

Beispiel Kochlöffel und Kindergeschirr aus Melamin. Prima zu reinigen und eigentlich unkaputtbar. Aber: Nicht allzu temperaturbeständig. Und auch nicht mikrowellengeeignet.

Frisch und an der Theke kaufen

Wer sich die Mühe macht und genau hinschaut, findet überall die Hinweise drauf, wie die Dinge zu nutzen sind. Macht nur kaum jemand: genau hinsehen. Am besten ist es, rät Gudrun Köster, so viele frische Lebensmittel wie möglich zu kaufen. „Finger weg von Fertignahrung, die noch in der Verpackung in der Mikrowelle heißgemacht werden soll. Am besten kein abgepacktes Fleisch kaufen!“

Risiken verringern

Gruselige Vorstellung: Über die Lebensmittelverpackungen Dinge aufnehmen, die nicht in unseren Körper gehören – und womöglich gesundheitsschädlich sind. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps zur Verringerung von Risiken.

Möglichst viele Lebensmittel unverpackt kaufen.

Aufwändige Artikel mit viel Verpackung und wenig Inhalt meiden.

Produkte mit langer Haltbarkeit im Haushalt umpacken, zum Beispiel Reis, Nudeln, Gries, Semmelbrösel. Ideal: in ein Glas umfüllen.

Produkte nicht direkt in einer Schutzgasverpackung einfrieren (zum Beispiel Grillfleisch).

Bei wiederverschließbaren Verpackungen Kontakt zwischen Klebstoff und dem Lebensmittel vermeiden.

Bei Küchenutensilien und Fertiggerichten die zulässigen Temperaturen beachten. Pfannenwender, die bei höherer Hitze verwendet werden, verschmoren.

Das Verhältnis von Verpackung und Verpackungsinhalt werde immer ungünstiger. Gudrun Kösters Rat: Auf Qualität statt Quantität setzen. Nach Möglichkeit eigene Gefäße für die Einkäufe mitnehmen, Thekenware statt Abgepacktes vom Discounter kaufen. Aufs Kleingedruckte achten – und nicht jeden Trend mitmachen. Brathähnchen auf der Bierdose gegart? Das braucht kein Mensch – schon gar nicht angesichts der Stoffe, die dabei fröhlich von der Dose ins Hähnchen und damit später in unseren Magen wandern.

Hier erfahren Sie mehr über die Arbeit der Verbraucherschützer

Hier finden sie Programme und Kontakte der Landfrauen im Kreis

Dorothea Baumm

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