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Lauenburg Landwirte klagen: Immer mehr Wasser auf den Wiesen
Lokales Lauenburg Landwirte klagen: Immer mehr Wasser auf den Wiesen
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22:53 16.10.2017
Krisentreffen in Brunsmark auf der Dachterrasse des Hauses von Brunsmarks Bürgermeister Iain Macnab (v. l.): Der Bürgermeister diskutiert mit den Landwirten Klaus Rähse, Olaf Voss und Hartwig Albers. Sie sind sich einig: Das Oberflächenwasser läuft kaum noch ab. Quelle: Wr
Brunsmark

Drei gestandene Landwirte sitzen am Bürotisch von Iain Macnap, dem Bürgermeister von Brunstorf. Und sie haben alle ein Thema: Die Abflussgräben und -bäche müssten stärker ausgebaggert werden. Die Weideflächen nebenan haben sich bereits vor geraumer Zeit in Seen verwandelt. Wo früher Kühe grasten, steht heute eine Gruppe Reiher. Ein schöner Anblick, aber die Landwirte würden dort und auf diversen anderen landwirtschaftlichen Flächen im Lauenburgischen lieber ihre Kühe und Trecker sehen. Heftig diskutieren sie die Frage, warum das viele Wasser auf den Flächen immer weniger abfließt, oft über Wochen zum stehenden Gewässer wird und damit als landwirtschaftliche Nutzfläche ausfällt. Bürgermeister Macnap bringt die Sorge seiner Nachbarn auf den Punkt: „Das Wasser fließt einfach nicht ab – und nichts passiert.“

Dieses Jahr sind überdurchschnittlich viele Wiesen und Äcker wegen stehenden Wassers nicht zu bewirtschaften. Mehrere Landwirte zwischen Brunsmark und Sterley monieren: Es liegt nicht nur an diesem regenreichen Sommer, sondern auch an restriktiver Drainageunterhaltung.

Das sagt der Kreis

Die Gewässerunterhaltungsverbände im Lauenburgischen führen Unterhaltungsmaßnahmen als „gewässerschonende Unterhaltung“ in Abstimmung mit dem Land durch. Die Arbeiten seien dabei auf durchschnittliche Niederschläge und Entwässerungsmengen ausgelegt, nicht auf die hohen Mengen dieses Jahres.

Dem Kreis liegen derzeit keine Konfliktfälle vor, in besonderen Fällen würden auch besondere Maßnahmen getroffen, so der Kreis.

Was sollte denn passieren? Einer in der Runde ist Hartwig Albers, Milchbauer aus Sterley. Er ist Vorsteher des zuständigen Wasser- und Bodenverbandes. Der ist unter anderem zuständig für die Unterhaltung der Gräben und Bächen an den Feldern. Die Mäh- und Ausräumarbeiten sind strengen Kontrollen der Wasser- und Umweltbehörden unterworfen, hält er seinen Kollegen entgegen. Olaf Voss und Klaus Rähse aus Neu-Horst sind nämlich der Meinung, die Drainage funktioniert nicht mehr so, wie es erforderlich wäre. Grund sei eine aus ihrer Sicht zu restriktive Handhabung der Gewässerunterhaltung. Regelmäßig müssen von Fachleuten – Landwirte oder Lohnunternehmen – die Entwässerungsgräben und Bäche freigemäht und ausgebaggert werden, um den Abfluss sicherzustellen. Doch in diesem Jahr, sagt Klaus Rähse, sei teilweise gar nichts mehr abgeflossen. „Da konnte man den Test mit dem Stöckchen machen, das blieb bewegungslos im Graben liegen.“

Olaf Voss will klarstellen: „Wir sind nicht gegen naturnahe Unterhaltung der Abflüsse, aber es muss doch besonderen Wetterverhältnissen wie in diesem Jahr auch Rechnung getragen werden.“ Heißt: Bei so viel Wasser müsste aus seiner Sicht und der seiner Kollegen eben etwas großzügiger gemäht und gebaggert werden.

Verbandsvorsteher und Landwirt Aberts fühlt sich zwischen Baum und Borke: Er sieht das Anliegen der kontrollierenden Behörden, kann aber auch die Sorgen der Landwirte verstehen, die wie Olaf Voss mahnen: „Wir müssen davon leben, was wir anbauen oder an Weideland zur Verfügung haben. Und da fehlen uns bei solchen Wetterverhältnissen schon mal an die zehn Prozent der Flächen. In dem Gebiet zwischen Brunsmark und um Sterley geht es um insgesamt gut 500 Hektar. Die Landwirte befürchten, langfristig Probleme zu bekommen, wenn diese Flächen nicht zu halten sind. Denn das Abflussproblem gebe es schon länger. Und zwar kreisweit.

 Matthias Wiemer

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