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Lauenburg Landwirte klagen über zu viel Bürokratie
Lokales Lauenburg Landwirte klagen über zu viel Bürokratie
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18:27 10.11.2018
Trockene Felder und Äcker im Lauenburgischen, wie hier bei Sterley: Auch nach dem Dürresommer hält die Trockenheit an. Quelle: Matthias Wiemer
Ratzeburg/Güster

Der trockene Sommer 2018 ist Geschichte, doch die Auswirkungen sind noch sehr real. Vor allem für die Bauern. Für die enormen Dürreschäden, die auch die lauenburgischen Landwirte betreffen, sollen zwar Entschädigungen gezahlt werden. Da es sich aber um Hilfeleistungen aus Steuermitteln handelt, müssen die Betroffenen individuelle Anträge stellen. Und die sind kompliziert und langwierig. Zu kompliziert, sagen die finanziell teils schon ziemlich ausgetrockneten Bauern im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Landwirte sorgen sich um die neue Saat. Quelle: Matthias Wiemer

Die Klage wird landesweit geführt: Der Bauernverband Schleswig-Holstein kritisiert die Anträge für die Dürrehilfe beim Land als kaum praktikabel. Wie erwartet, heißt es dort, erweise sich das Verfahren aufgrund der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung als ungeeignet für schnelle und unbürokratische Hilfe. Ins selbe Horn stößt auch Peter Koll, Vorsitzender des Bauernverbandes Stormarn/Lauenburg. „Das war zwar zu erwarten, denn generelle Regelungen passen nie auf den Einzelnen“, sagt Koll gegenüber den LN, „doch dieses Verfahren, dem sich die Bauern unterwerfen müssen, hat faktisch einen Abschreckungseffekt.“ Weil sich die Betroffenen wirtschaftlich und finanziell entblößen müssten. „Da muss man sich fast nackig machen“, sagt der Milchbauer Koll und nennt Beispiele.

Offenlegung bis zum Postsparbuch

Bis zur Auflistung von privaten Vorsorgeplänen und Postsparbüchern müssten die Einkommensverhältnisse offen gelegt werden. Koll weiß von Kollegen, die nach mehreren Tagen und Nächten es aufgegeben hätten, die Antragsformulare auszufüllen. Hinzu käme, so der Verbandsvertreter weiter, das Problem der Schätzungspflicht der Erträge. Da würde Daten abgefragt, die erst nach den Steuerbescheiden für dieses Jahr, also ab der zweiten Hälfte 2019, vorliegen würden. Koll: „Das ist für viele Betroffene viel zu spät.“

Von den rund 50 Betrieben im Lauenburgischen, die eine berechtige Hoffnung auf Erfüllung der Kriterien für eine staatliche Dürrehilfe hätten, wüsste er nur von etwa der Hälfte, die die Anträge eingereicht hätten. Manchen sei es schlicht zu aufwendig. Die Antragsfrist läuft noch bis 30. November.

Wilhelm Burmester, Bürgermeister von Güster, ist einer der von der Trockenheit betroffenen Landwirte. Quelle: HFR

Mitte September waren die Trockenheitsschäden Thema bei einem Ortstermin bei Landwirt und Hofladenbetreiber Wilhelm Burmester in Güster. Wie berichtet, hatte Burmester dem Schleswig-Holsteinischen Landtagspräsidenten und CDU-Kreischef Klaus Schlie sowie den Bauernverbandsvertretern Peter Koll und Hans-Peter Grell von seinen Nöten berichtet. Bereits damals zeigten sich die Landwirte skeptisch gegenüber dem zu erwartenden Dürrehilfeverfahren. Darauf angesprochen, erklärte Klaus Schlie jetzt gegenüber den LN: „Landesweit sind bislang immerhin rund 150 Anträge eingegangen, und die zuständigen Stellen in Kiel geben intensive Hilfestellung.“

Abschreckungseffekt nicht gewollt

Einen Vorwurf des möglicherweise sogar bewussten Abschreckungseffektes durch ein zu kompliziertes Antragsverfahren, könne er nicht erkennen. Das sei sicher nicht gewollt. Schließlich gehe es aber um Steuergeld, und da müsse die Vergabeberechtigung sehr genau geprüft werden. Schlie: „Die Landwirte, die ich aus unserer Fraktion kenne, sind aber nicht unzufrieden.“ Klaus Schlie räumt allerdings ein, dass die Auszahlung der Hilfen sich zu langwierig gestalte. „Darum werde ich mich noch mal kümmern“, versprach der CDU-Kreisvorsitzende.

CDU-Kreischef und Landtagspräsident Klaus Schlie will sich für schnelle Abwicklung der Auszahlungsmodalitäten einsetzen. Quelle: dpa

20 Millionen Hilfe

Von den rund 420 Millionen Euro Hilfe für die Landwirte insgesamt fließen etwa 20 Millionen ins nördlichste Bundesland.

Die Trockenheitsprobleme sind noch lange nicht vorbei. Auch der Oktober war viel zu trocken, sagt Peter Koll. Einige Winterkulturen wie Raps seien sogar schon vertrocknet. Der Grundwasserspiegel sei auf teils auf unter 1,50 Meter abgesackt, das sei an Drainagen erkennbar. Teiche, Gräben und Tümpel seien nach wie vor ausgetrocknet. Die Bauern warten sehnlich auf einen milden, ergiebigen Landregen.

Matthias Wiemer

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